Schulwege in NRW im Test: Elterntaxis bleiben problematisch | Aktuelle Stunde

00:26 Min. Verfügbar bis 15.10.2027

Schulwege in NRW im Test: Elterntaxis bleiben problematisch

Stand:

Das Thema Schulweg macht vielen Eltern immer wieder Sorgen. Die Unfallzahlen steigen - wozu auch die sogenannten "Elterntaxis" beitragen. Jetzt liegt ein neuer Schulwege-Test vor: NRW schneidet durchschnittlich ab.

Von Nina Magoley

167 Schulwege hat der Auto Club Europa (ACE) bundesweit überprüft. Dabei ging es vor allem um den morgendlichen "Bringverkehr" - Regelungen für die sogenannten Elterntaxis - und die Verkehrsinfrastruktur rund um die Schule: Ampeln, Zebrastreifen oder andere "Querungshilfen". Das bittere Ergebnis: Nur fünf Prozent der Schulwege konnten als sicher bewertet werden. Knapp ein Drittel (30 Prozent) schnitt mangelhaft ab, sechs Prozent wurden sogar als gefährlich eingestuft.

Testsieger: Grundschule Grundschöttel in Wetter

Elterntaxis in Porz-Grengel an der Peter-Petersen-Grundschule

Gefahr durch "Bringverkehr"

NRW kommt dabei noch relativ gut weg. Insgesamt 25 Schulwege wurden untersucht, immerhin gut die Hälfte befand der Verein als "in Ordnung". Als insgesamt sichersten Schulweg bewertet der ACE den zur Grundschule Grundschöttel in Wetter an der Ruhr. Ein Top-Ergebnis in der Kategorie Infrastruktur bekam auch die GGS Herderstraße in Leverkusen. Die schlechteste Infrastruktur stellte der ACE an der Elisabethschule in Dortmund fest.

Das beste NRW-Ergebnis beim Thema Bringverkehr erzielte die Sebastianschule in Rosendahl im Kreis Coesfeld. Das größte Verkehrschaos dagegen verzeichneten die Prüfer vor der Waldschule in Moers. Die gute Nachricht: In der schlechtesten Kategorie "gefährlich" landete kein Schulweg in NRW.

Größte Herausforderung für Schulen sind nach wie vor die Elterntaxis: Kurz vor Schulbeginn und bei Schulschluss ist vor vielen Grundschulen ein - gelinde ausgedrückt - höheres Verkehrsaufkommen zu beobachten. Es komme regelmäßig zu chaotischen und unübersichtlichen Situationen vor den Schulen, stellt der ACE fest: Zugeparkte Gehwege, riskante Wendemanöver, Kinder, die zur Fahrbahnseite hin aus dem Auto aussteigen.

In 41 Prozent der Fälle hätten Eltern dabei gegen Verkehrsregeln verstoßen: Am häufigsten wurden Halteverbote ignoriert, in Einfahrten oder auf Gehwegen geparkt - oder sogar in zweiter Reihe.

Ergebnisse zum Schulweg-Index

WDR Studios NRW 15.10.2025 00:16 Min. Verfügbar bis 15.10.2027 WDR Online

Unfallzahlen nehmen zu

Immer wieder werden Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zur Schule verletzt oder sogar getötet. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung zählte im ersten Halbjahr 2025 mehr als 42.300 Unfälle auf dem Schulweg - mehr als im ersten Halbjahr 2024. In rund 43 Prozent der Fälle fuhren die Schüler Fahrrad, knapp elf Prozent waren Autounfälle und neun Prozent Unfälle als Fußgänger.

In NRW wurden in den ersten sechs Monaten 2025 rund 10.500 Unfälle auf dem Schulweg gemeldet, vier davon waren tödlich.

Schulwegpläne können helfen

Schulwegpläne sind für NRW-Kommunen zwar keine Pflicht - dennoch machen viele Städte und Gemeinden auf ihrer Homepage Vorschläge, wie insbesondere die Grundschulen sicher zu Fuß erreichbar sind. So bietet die Stadt Selm beispielsweise Karten zu allen vier Grundschulen an. Große, rote Ausrufezeichen weisen auf gefährliche Stellen hin, in markierten Bereichen gilt: "Hier bitte keine Eltern mit Autos!".

In Köln finden Eltern viele Ratschläge und Hinweise, wie ihre Kinder sicher zur Schule kommen - auch mit Bus und Bahn. Dazu gehören auch Tipps wie der, rechtzeitig an der Haltestelle zu sein, damit das Kind es nicht unter Zeitdruck über die Straße laufen muss.

Die Stadt Dortmund hat im Rahmen des Projekts "So läuft das!" verschiedene Maßnahmen gestartet. Dazu gehören "Hol- und Bringzonen" für Elternautos an Schulen, deren Kinder von weiter her kommen. Außerdem die Organisation von Gruppen mehrerer Kinder aus einem Quartier, die gemeinsam zur Schule gehen. Mehrere Grundschulen veröffentlichen eigene Schulwegpläne für ihre Kinder.

In jedem Fall lohnt sich für Eltern und Kinder ein Blick auf die Internetseite der eigenen Kommune.

Schulstraßen: zeitweise für den Verkehr gesperrt

Schilder Schulstrasse

Schulstrasse in Lüdenscheid: Zeitweise gesperrt

Grundsätzlich haben Kommunen in NRW das Recht, Schulstraßen einzurichten: Zonen vor den Schulen, die, meist zeitlich begrenzt, für Autos gesperrt sind. Nordrhein-Westfalen habe als erstes Bundesland eine landesweite Regelung für Schulstraßen herausgegeben, lobt der Deutsche Allgemeine Fahrrad Club ADFC. In Köln startete daraufhin 2023 ein Schulstraßen-Pilotprojekte an vier Schulen. Weitere Kommunen seien dem Kölner Beispiel gefolgt, darunter Berlin, Bonn, Dresden, Essen und Ulm.

Unsere Quellen:

Über das Thema berichten wir auch im WDR Hörfunk: WDR aktuell bei WDR 2 um 14 Uhr.

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