Vier Kinder mit Tonistern auf dem Rücken warten auf den Bus

Kostenlose ÖPNV-Tickets zum Üben des Schulwegs - wie sinnvoll ist das?

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In NRW bieten Nahverkehrsanbieter in Westfalen und Aachen kostenlose Übungstickets an, damit Kinder ihren Schulweg kennenlernen.

Der Wechsel von der Grundschule zur weiterführenden Schule oder der Kita zur Grundschule ist für Kinder aufregend. Neue Freunde, neue Erwachsene, die einem etwas beibringen und insgesamt viele neue Eindrücke. Dazu zählt auch der oft neue Schulweg, der je nach Wohnort eine größere oder kleinere Herausforderung sein kann. Um diesen sicher mit dem ÖPNV zu bewältigen, werden in NRW für Eltern und ihre Kinder teilweise kostenlose Tickets zum Üben angeboten.

Westfalentarif und Aachen locken mit Gratis-Angebot

Beispielsweise können in Ostwestfalen-Lippe alle Schulkinder - auch die neuen Erstklässler - dank des kostenlosen Eltern-Kind-Tickets des Verkehrsverbundes Westfalentarif (WT) an einem Tag üben. Vom 11. August bis zum 9. September sind eine Hin- und Rückfahrt zwischen dem Wohn- und Schulort in Bussen, Stadtbahnen und Nahverkehrszügen für ein Elternteil mit einem Kind gratis. Das gilt seit einem Dauerbeschluss aus dem Jahr 2019. Laut WT wird das Angebot "von den Fahrgästen durchweg positiv angenommen".

Kinder bis 14 Jahre sollten den Nah- und Regionalverkehr kostenlos nutzen können. VCD-Bundesvorsitzende Kerstin Haarmann

Einen Übungstag für die Wechsler auf weiterführende Schulen bietet die Stadt Aachen mit dem Entdecker-Freiticket an. Das wurde vor den Sommerferien in den Grundschulen an die Viertklässler verteilt. Vor dem Start des neuen Schuljahres können die Kinder sich so an einem beliebigen Tag mit ihrer Haltestelle, eventuell nötigen Umstiegen und Fahrplänen vertraut machen.

Kostenlose Übungstage in NRW nicht flächendeckend

Da diese Angebote allerdings jeweils nur für einen Tag gelten, ist es fraglich, ob sich damit ein neuer Weg richtig "üben lässt". Zudem gibt es sie auch nicht flächendeckend in NRW. Die anderen drei Verkehrsverbünde - neben Westfalentarif sind das der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) und Aachener Verkehrsverbund (AVV) - haben ein solches Angebot nicht. Einen Überblick über entsprechende Angebote der jeweiligen Dienstleister auf kommunaler Ebene habe man nicht, erklären Sprecher des VRR und VRS auf WDR-Nachfrage.

Ein flächendeckendes, abgestimmtes Angebot würde verhindern, dass Sicherheit vom Wohnort abhängt. Aline Sommer-Noack, stellvertretende Vorsitzende der Bundeselternschaft

Flächdeckend gilt bei den NRW-Verkehrsverbünden, dass Kinder unter sechs Jahren in Begleitung kostenlos fahren dürfen - genau wie die unter sieben Jahren, die noch nicht eingeschult sind. Zudem beteiligen sich alle an Maßnahmen zur Mobilitätsbildung. WT, VRR, VRS und AVV wirken an der "Mobilitätsfibel"mit , die der Verkehrsclub Deutschland (VCD) Schulen kostenlos zur Verfügung stellt. Die Verkehrsverbünde steuern dafür Wissenswertes aus ihrem Verbundraum bei, damit Kinder "selbstständig und sicher mobil" werden.

Bundeselternschaft: Sicherheit soll nicht vom Wohnort abhängen

Lieber wäre der Bundeselternschaft jedoch ein flächendeckendes Angebot für kostenlose ÖPNV-Übungstage, weil Sicherheit dann nicht mehr vom Wohnort abhängen würde. Auch wird dort bemängelt, dass ein Tag zum Abfahren des Schulwegs oft nicht ausreichend sei: "Kinder profitieren von Wiederholung – gerade im ersten Schuljahr", sagt Aline Sommer-Noack, stellvertretende Vorsitzende der Bundeselternschaft. Mindestens zwei Termine pro Schuljahr - ergänzt durch Eltern-Infoabende und begleitende Übungen im Unterricht - hätten sich in der Praxis bewährt.

Besonders niedrigschwelliges Üben wäre möglich, wenn die Verkehrsanbieter die VCD-Forderung umsetzen würden, dass Kinder den Nah- und Regionalverkehr bis zum Alter von 14 generell umsonst nutzen dürfen. Diese Forderung hat die Bundesvorsitzende Kerstin Haarmann erst kürzlich erneuert.

Elterntaxis sind nur die drittbeste Lösung. Jürgen Eichel, Sprecher des VCD in NRW

Die Vorzüge einer ÖPNV-Nutzung auf dem Schulweg liegen laut VCD-Landesverbandssprecher Jürgen Eichel auf der Hand. So ließe sich etwa auch das morgendliche Verkehrsaufkommen vor den Schulen reduzieren. Man wolle ja möglichst wenig Eltern-Taxis haben. Deswegen sei der kostenlose ÖPNV-Zugang für Kinder bis 14 Jahren eine gute Lösung und aufgrund der ohnehin ermäßigten Tickets für Kinder wohl auch machbar: "Da werden die Einnahmeausfälle nicht so riesig sein", sagt Eichel.

Niedrigschwellige ÖPNV-Angebote für die Verkehrswende

Die Bedeutung des ÖPNV ist laut Bundeselternschaft unstrittig. Unter Berufung auf das Deutsche Jugendinstitut weist Sommer-Noack darauf hin, dass ihn rund 37 Prozent der Grundschüler und 60 Prozent der Schüler weiterführender Schulen regelmäßig für den Schulweg nutzen - in ländlichen Regionen mehr, in Großstädten weniger. Genauso unstrittig sei der Sinn der Übungstage: "Sie verbinden Theorie mit Praxis, nehmen Kindern die Scheu vor unbekannten Abläufen und senken das Risiko von Unfällen deutlich", so Sommer-Noack.

Auch mit Blick auf die Verkehrswende sei es sinnvoll, Kindern niedrigschwellige ÖPNV-Angebote zu machen: "Gratis-Übungstage können Hemmschwellen abbauen, die Attraktivität erhöhen und so langfristig klimafreundliches Mobilitätsverhalten fördern."

Mit Kombi-Ticket gegen Eltern-Taxis

WDR Studios NRW 11.08.2025 02:06 Min. Verfügbar bis 11.08.2027 WDR Online


Unsere Quellen:

  • WDR-Gespräch mit Aline Sommer-Noack, stellvertretende Vorsitzende der Bundeselternschaft
  • WDR-Gespräch mit Jürgen Eichel, VCD-Sprecher des Landesverbandes NRW
  • Verkehrsverbünde WT, VRR, VRS und AVV
  • Stadt Aachen

Kommentare zum Thema

10 Kommentare

  • 10 Ralf 12.08.2025, 16:41 Uhr

    "Gratis-Übungstage können Hemmschwellen abbauen, die Attraktivität erhöhen und so langfristig klimafreundliches Mobilitätsverhalten fördern." Das so eine einmalige Aktion das Mobilitätsverhalten beeinflusst wage ich zu bezweifeln. Kostenloses D-Ticket für alle unter 18 bzw. Kindergeldempfänger wäre besser. Leicht gegenzufinanzieren indem die nächste Kindergelderhöhung hierfür verwendet wird.

  • 9 Anonym 12.08.2025, 12:26 Uhr

    Zu meiner Zeit ab 1976 gab es in Köln noch Schulbusse was damals schon sehr Sinnvoll war,Hat auch den Öffendlichen Verkehr Entlastet. Heute ist es norgens in Köln in Bussen und Bahnen eine Katastrophe für alle geworden. Schulbusse sollten wieder Eingeführt werden.

  • 8 Herrmann 12.08.2025, 10:25 Uhr

    Sehr sinnvoll! Bitte auch in Köln einführen.

  • 7 mehr davon 12.08.2025, 09:46 Uhr

    dies sind sinnvolle Ansätze für sichere Schulwege. einmal um die Hubschraubereltern mit ihren SUV's vor Kitas und Schulen fernzuhalten. ein generelles Tempolimit von 30km/h innerörtlich ist ebenso eine zwingende Maßnahme. ich hatte einen Schulweg von 30 Minuten, den mir meine Eltern einige Male gezeigt haben und es gab an allen Kreuzungen "Schülerlotsen"

  • 6 Gabi 11.08.2025, 20:50 Uhr

    Das ist auf jeden Fall sinnvoll und gut. Habe das schon beim 2. Kind genutzt und jedesmal fand ich sehr schön, dem Kind die "Buswelt" zu erklären und ein bisschen zu üben. Schade nur, dass manche Bussfahrer der Aseag nichts von dieser Aktion wissen, wissen wollen, was auch immer, und dementsprechend gereizt, fast unfreundlich reagieren....

  • 5 Johann Moritz 11.08.2025, 19:52 Uhr

    Ich möchte hier einmal lobend herausstellen, daß im Kreis Siegen-Wittgenstein alle Schüler ein Schülerticket vom Kreis bekommen. Das Schülerticket gilt für Schülerinnen und Schüler von Grundschulen, weiterführenden Schulen und Vollzeit-Berufskollegs in allen Bussen und Bahnen des Nahverkehrs innerhalb der beiden Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe. Gesponsert wird das Ticket von den Sparkassen in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe. Es gilt auch in den Ferien, und zum Beginn eines neuen Schuljahres gibt es jeweils ein neues. Und das alles gibt es hier schon seit vielen Jahren. In meiner Grundschulzeit vor 55 Jahren gab es übrigens eigene Schulbusse, um Schüler zur Schule zu bringen.

    Antworten (2)
    • Anonym 12.08.2025, 14:38 Uhr

      Als ehemaliger Verkehrserzieher der Polizei finde ich dies sehr sinnvoll. Da sollten alle in NRW mitmachen.

    • Ralf 12.08.2025, 16:34 Uhr

      So, oder wie in Hamburg (kostenloses Deutschland-Ticket für alle unter 16), sollte es überall sein.

  • 4 DL 11.08.2025, 18:49 Uhr

    Als ich 1968 eingeschult wurde, lag die Grundschule neben dem Kindergarten! Meine Mutter meinte zu mir: " Wir haben den Weg zum Kindergarten genug geübt, zur Schule findest du allein!" So ist es gewesen! Keine Diskussionen, kein Elterntaxi bis in die Schulklasse! Kein Öffentlicher Nahverkehr!

    Antworten (1)
    • Stephan 11.08.2025, 21:39 Uhr

      Ja, wir sind aber im 21. Jahrhundert abgekommen. Da liegt keine Grundschule mehr direkt neben dem Kindergarten...

  • 3 miseit 11.08.2025, 17:15 Uhr

    voll und ganz sinnvoll.

  • 2 Klaus Keller 11.08.2025, 16:59 Uhr

    Wir bezahlen schon kostenlosen ÖPNV, in Luxemburg über EU-Steuerdumping. Monheim betreibt auch Steuerdumping, hat kostenlosen ÖPNV auf Kosten der Nachbargemeinden. Wir können nicht alle von Steuerdumping leben. Öffentliche Verkehrsmittel möglichst günstig und teilweise kostenlos anzubieten ist zwar eine sehr gute Idee, aber auch eine sehr teure Idee die ganz schnell an Grenzen kommt. Man könnte etwas mehr bei uns subventionieren wenn man nicht unser Steuergeld in der ganzen Welt verteilen würde. Ich wüsste aber trotz allem nicht was man beim Busfahren großartig üben könnte und wo da Hemmschwellen sein sollten.

    Antworten (2)
    • Johann Moritz 11.08.2025, 20:03 Uhr

      Monheim hat niedrige Gewerbesteuersätze, dadurch viele Gewerbesteuerzahler, dadurch hohe Gewerbesteuereinahmen, die wiederum über den kommunalen Finanzausgleich zum Teil an andere Kommunen abgeführt werden. Trotzdem kann sich Monheim auch noch einen kostenlosen ÖPNV leisten? Langfristig und klug gedacht. Ich finde das bewundernswert. Warum geht das nicht auch anderswo?

    • Klaus Keller 12.08.2025, 10:10 Uhr

      @Johann, das kann nicht auch „anderswo gehen“. Wie gesagt „Wir können nicht alle von Steuerdumping leben“. Geld für das Allgemeinwohl fehlt wenn alle gleich viel weniger Steuern einnehmen. Dann fehlt auch der Grund für mehr Wirtschaftsansiedlung in Mohnheim, dann hat auch Mohnheim nicht mehr mehr Geld als andere Gemeinden für Subventionierung von was auch immer. Das ist eine einfache Frage der Logik, dass nicht alle Dumping praktizieren können. Unbestritten ist, dass das Abgabenniveau in Deutschland auf allen Ebenen viel zu hoch ist und das mit dem „Allgemeinwohl“ kann man auch nicht verallgemeinern. Bei Steuergeld für Rüstung und Krieg in der Ukraine glaube ich nicht an „Allgemeinwohl“, schon gar nicht in der Ukraine, aber auch nicht an mehr Sicherheit für uns. Dagegen glaube ich an Lohndumping, käme die Ukraine in die EU bei Mindestlohn 1,07€. Das korrigiert man aber nicht mit Dumping sondern mit Prioritäten bei Einnahme und Verwendung von Steuern und da stößt man schnell an Grenzen.

  • 1 Oli 11.08.2025, 16:01 Uhr

    Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre sowie darüber hinaus auch erwachsene Vollzeitschüler bis 21 sollten meines Erachtens deutschlandweit im Nahverkehr kostenlos befördert werden.

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