Imkern: Boom bei Hobbyimkern – Krise bei den Profis
Aktuelle Stunde . 20.05.2026. 19:52 Min.. Verfügbar bis 20.05.2028. WDR. Von Yaena Kwon.
Preisdruck durch Importware : Warum deutsche Imker wirtschaftlich kämpfen
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Am heutigen Weltbienentag geht es für viele Berufsimker längst nicht nur um Bienen, sondern auch um ihre wirtschaftliche Zukunft. Sie warnen vor wachsendem Preisdruck durch billige Importware. Warum regionaler Honig teurer ist und worauf Verbraucher beim Kauf achten sollten.
Tausende Bienen schwirren um die grün-roten Kästen auf dem Gelände vom Bienenland in Willich-Anrath bei Düsseldorf. Zwischen den Bienenstöcken arbeitet Berufsimkerin Iris van den Bongard in gelber Schutzkleidung an ihren Völkern. Aus diesen Waben entsteht später Rapshonig - ein regionales Produkt, das im Hofladen für gut zehn Euro zu haben ist - deutlich teurer als viele Honiggläser aus dem Supermarkt.
"In einem Glas Honig steckt so viel Herzblut drin und so viel Handarbeit." Iris van den Bongard, Berufsimkerin
Hinter dem Honig stecken viele Arbeitsschritte: Die Bienenvölker müssen gepflegt, gefüttert und gegen Krankheiten behandelt werden. Dazu kommen Kosten für Material, Transport und Personal.
Honig im Hofladen "Bienenland" bei Imkerin van den Bongard
Dass regionaler Honig teurer ist als Importware, liege vor allem an den Produktionsbedingungen, sagt die Imkerin. "Die deutschen Imker können mit dem Preis von ausländischem Honig nicht konkurrieren." Van den Bongard nennt geringere Lohnkosten und geringere Umwelt- und Qualitätsstandard im Ausland als Gründe für niedrigere Preise bei Importhonig - "und dafür kann kein heimischer Betrieb produzieren."
Sorge vor noch mehr Konkurrenz aus Südamerika
Zusätzlich wächst bei vielen Imkern die Sorge vor weiterem Konkurrenzdruck durch das neue Mercosur-Handelsabkommen zwischen der EU und mehreren südamerikanischen Staaten. Durch das Abkommen könnten künftig deutlich größere Mengen Honig aus Ländern wie Argentinien oder Brasilien günstiger auf den europäischen Markt gelangen. Insgesamt sollen schrittweise bis zu 45.000 Tonnen Honig zollfrei importiert werden dürfen.
Allerdings bereitet die EU derzeit einen Einfuhrstopp für tierische Erzeugnisse aus Brasilien vor. Der Grund: Das Land hält die EU-Regeln zur Verhinderung von Antibiotika-Resistenzen nicht ein und steht deshalb nicht auf der Positiv-Liste von Staaten, aus denen solche Produkte eingeführt werden dürfen. Darunter fallen neben Fleisch, Aquakulturprodukten und Eiern auch Honig. Der Importstopp soll Anfang September in Kraft treten - wenn Brasilia nicht doch noch nachweisen kann, dass es die EU-Regeln einhält.
Das könnte den Import-Druck auf die deutschen Imker zumindest etwas mindern. Trotzdem befürchten viele weiter sinkende Preise und einen noch härteren Wettbewerb mit Importware. Schon heute kann Deutschland seinen Honigbedarf nicht selbst decken: Mehr als die Hälfte des hier verkauften Honigs stammt aus dem Ausland. Für Berufsimker wie Iris van den Bongard wird es dadurch immer schwieriger, mit regional produziertem Honig wirtschaftlich zu bestehen.
Mehr Honig importiert als erzeugt
Über 86.000 Tonnen Honig werden im Jahr bei uns verzehrt - ein Bedarf, den Heimische Imker nicht decken können. Erzeugt wurden hierzulande im Jahr 2025 laut Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat rund 38.600 Tonnen. Das deckt nur etwa 44 Prozent des heimischen Bedarfs.
Importiert wurden im selben Jahr rund 67.700 Tonnen Honig. Argentinien, die Ukraine, Chile und Mexiko zählen zu den wichtigsten Herkunftsländern - etwa die Hälfte der Importmenge kommt aus diesen vier Ländern. Deutschland bleibt also trotz eigener Produktion ein Importland.
Aus dieser Wabe wird Rapshonig entstehen
Der Honig aus Drittstaaten kostet laut Deutschem Imkerbund im Schnitt nur 1,92 Euro pro Kilogramm. Honig aus China lag im Jahr 2024 demnach sogar bei etwa 1,20 Euro pro Kilogramm. Laut Erhebungen des Fachzentrums Bienen und Imkerei liegen die Preise für deutschen Honig deutlich über denen vieler Importhonige, etwa 13 bis 14 Euro pro Kilo kostet der heimische Honig im Schnitt.
Deutsche Imker unter (Preis-) Druck
Dazu haben viele regionale Imker noch mit weiteren Problemen zu kämpfen. Die Varroamilbe gilt seit Jahren als eine der größten Bedrohungen für Bienenvölker und muss regelmäßig behandelt werden. Außerdem breitet sich die Asiatische Hornisse zunehmend in Deutschland aus. Die invasive Art jagt Honigbienen und sorgt bei vielen Imkern für zusätzliche Sorgen - genau wie zusätzlichen Aufwand und Kosten.
Verbraucherzentrale: Wie man guten Honig erkennt
Unterschiede zwischen regionalem und importiertem Honig sind für Kunden im Supermarktregal kaum zu erkennen. Selbst bei genauem Lesen des Etiketts ist oft nur schwer nachvollziehbar, woher ein Honig tatsächlich stammt. Auf vielen Gläsern steht lediglich "Mischung von Honig aus EU- und Nicht-EU-Ländern".
Die Verbraucherzentrale rät deshalb dazu, genauer auf Herkunft und Qualitätssiegel zu achten. "Einen guten Honig selber zu erkennen, ist gar nicht so einfach", so Antonia Brandstädter, Sachbearbeiterin Lebensmittelrecht und -hygiene bei der Verbraucherzentrale NRW. Orientierung könne etwa die Kennzeichnung "Echter deutscher Honig" geben.
Außerdem gab es bei Importhonig in der Vergangenheit immer wieder Hinweise auf verfälschte Ware. "In vergangenen Untersuchungen kam immer wieder raus, dass ausländischer Honig oft gepanscht ist", sagt die Verbraucherzentrale. Dabei werde Honig teilweise mit billigeren Stoffen wie Zuckersirup gestreckt. Trotzdem gilt auch: Nicht jeder Importhonig ist automatisch schlecht und teuer nicht automatisch besser. Entscheidend sei vor allem Transparenz darüber, woher der Honig kommt.
Sorge um die Zukunft regionaler Imkerei
Für Berufsimkerin Iris van den Bongard geht es deshalb längst nicht mehr nur um Honigpreise. Wenn Imkereien wirtschaftlich aufgeben müssten, hätte das aus ihrer Sicht auch Folgen für die Landwirtschaft. "Wenn der Berufsimker nicht mehr davon leben kann, dann ist die Konsequenz davon, dass er seinen Betrieb aufgeben muss. Mit der Folge, dass weniger Bienenvölker für die Bestäubung zur Verfügung stehen", erklärt die Imkerin.
Iris van den Bongard am Bienenstock
"Und dann hat der Landwirt, der die Bienen zum Beispiel für die Pflaumen- oder Apfelbestäubung braucht, zu wenig Bestäuber-Insekten da." Und das würde schlechtere Ernten und dadurch steigende Preise bedeuten, so van den Bongard. Für viele Berufsimker geht es damit längst nicht mehr nur um Honig - sondern um die Zukunft regionaler Landwirtschaft.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Berufsimkerin Iris van Bongard
- Gespräch mit Antonia Brandstädter, Sachbearbeiterin Lebensmittelrecht und -hygiene, Verbraucherzentrale NRW
- Deutscher Imkerbund e.V.
- Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat
Sendung: WDR.de, Warum deutsche Imker wirtschaftlich kämpfen, 20.05.2026, 05:04 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 20.05.2026, 18.45 Uhr
