Ein Imker hält Bienenwaben mit Bienen darauf gegen die Sonne

Imkern: Schönes Hobby, aber zeitaufwändig

So klappt's mit dem Imkern Hobby-Imker gibt Tipps

Stand:

Das Hobby Imkerei interessiert immer mehr Menschen. Doch was heißt es überhaupt, ein Hobby-Imker zu sein? Wie wird man Imker und welches Zubehör braucht man? Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten für angehende Hobby-Imker.

In Deutschland gibt es über 960.000 Bienenvölker und mehr als 140.000 Imker, allein in NRW sind es laut Deutschem Imkerbund mehr als 20.000. Die allermeisten von ihnen halten Bienen als Hobby: Laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft sind nur etwa ein Prozent der Bienenzüchter Berufsimker. Vor allem jüngere Menschen haben die Biene für sich entdeckt. Teilweise gibt es in Schulen sogar Bienen-AGs. Wir beantworten alle Fragen, die sich zu Beginn für Hobby-Imker stellen.

1

Die ersten Schritte zum Hobby-Imker

Wie werde ich Hobby-Imker?

Der 71-jährige Ingo Dolle ist Hobby-Imker. Er beschäftigt sich seit 32 Jahren mit Bienen und leitet den Bienenzuchtverein in Düsseldorf-Unterrath. Als ersten Schritt empfiehlt er Interessenten, sich erstmal mit einem aktiven Imker oder Imkerverein in Verbindung zu setzen: "Erstmal schnuppern, also ruhig mal mit an den Bienenstock gehen, damit man ein Gefühl dafür bekommt, ob einem das liegt." In der Regel reichen zu Beginn zwei bis drei Völker, die als Ableger bei einem Imker gekauft werden können.

Ingo Dolle und sein Bienenvolk

00:30 Min. Verfügbar bis 06.06.2027

Im Prinzip kann jeder Imker werden, man braucht keine Genehmigung oder Qualifikation. Um ganz sicherzugehen, ist es allerdings ratsam, beim örtlichen Veterinäramt nachzufragen, ob es in der eigenen Stadt oder Gemeinde Abweichungen von dieser Regelung gibt.

Was muss ich als Hobby-Imker beachten?

Imkern ist nicht nur Honigschlecken. Es gibt einige Pflichten, die Imker beachten müssen. Auch wenn es nur ein Hobby ist. Das sind die wichtigsten:

  • Meldepflicht: Ein eigenes Bienenvolk und der Standort müssen beim zuständigen Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt sowie der Tierseuchenkasse angemeldet werden.
  • Tierseuchenrecht: Im Spätsommer muss eine Milbenbehandlung durchgeführt werden.
  • Versicherung: Imker müssen für ihre Bienen keine besondere Versicherung abschließen. Als Eigentümer der Bienen ist der Imker allerdings haftbar, wenn andere Menschen gestochen werden.
  • Honigverordnung: Sie gilt für jeden, der seinen selbst geernteten Honig verkaufen will, und regelt Qualitätsstandards. Imker müssen sicherstellen, dass ihre Honigprodukte diesen Standards entsprechen.
  • Standort: Zu Standorten der Bienenvölker gibt es keine allgemeine Regelung. Es könnten allerdings Abstandsregelungen für Bienenstände zu Wohngebieten oder öffentlichen Plätzen bestehen. Der Deutsche Imkerbund empfiehlt: "Bienenstände sollten möglichst nicht in dicht besiedelten Wohngebieten errichtet werden."

Vom Imkern auf dem eigenen Balkon in der Stadt hält der Düsseldorfer Hobby-Imker Dolle nichts. "Ich spreche da nur aus meiner persönlichen Erfahrung", sagt der 71-Jährige. Selbst, wenn direkte Nachbarn und Hauseigentümer einverstanden wären - "dann sind es die Nachbarn von oben oder ein Haus weiter nicht."

Imker Ingo Dolle: Wer ein Bienenvolk haben will, muss sich das gut überlegen

00:17 Min. Verfügbar bis 06.06.2027

Nicht alle, aber viele Balkon-Imker haben ihre Bienenvölker nicht unter Kontrolle, meint Dolle. "Viele meinen, sie tun damit was für die Bienen, wollen dann aber auf dem Balkon auch Kaffee trinken. Da sind Probleme vorprogrammiert." Der Hobby-Imker empfiehlt, Bienen im Garten zu halten. Falls kein eigener Garten vorhanden ist, sollte man auf Kleingartenanlagen ausweichen. Ein Flachdach wäre auch kein Problem, solange ein bisschen Abstand zwischen Mensch und Biene vorhanden ist.

2

Zubehör und Kosten

Wie viel Zeit kostet das Imkern?

"Wenn man Bienen in der Stadt hält, dann fängt die erste Honigernte Mitte bis Ende Mai an", erzählt Dolle. Nach der Ernte müssen sie aufgefüttert werden und brauchen Nahrung. Über einen Zeitraum von sechs Wochen steht die Milbenbehandlung auf dem Plan. "Mitte Juli bis Mitte September würde ich nicht in Urlaub fahren", meint Dolle. Wer imkern will, müsse das einplanen.

Honigbiene an einer Blüte vor blauem Himmel

Bienen brauchen Pflege - besonders im Sommer

Außerhalb der Hochzeiten bräuchten Imker alle zwei Wochen zwei Stunden Zeit für ihre Bienen, um sie zu versorgen und zu beobachten. Dabei gilt: Je mehr Bienen, desto mehr Arbeit und Zeitaufwand.

Welches Zubehör brauchen Hobby-Imker?

Neben den Bienenvölkern selbst brauchen Hobby-Imker weiteren Imkereibedarf. Unter anderem einen Imkeranzug. Der ist normalerweise weiß, weil Bienen sich eher auf dunklen Stoffen niederlassen. Dazu kommen Handschuhe und ein Imkerhut mit Gesichtsschutz. "Und man braucht einen Smoker zum Rauch machen, oder eine gute Spritzpistole, die man fein einstellen kann", ergänzt Dolle. "Außerdem einen Stockmeißel, um die Waben herausnehmen zu können." Für die Bienenvölker werden Unterkünfte benötigt, so genannte Beuten.

Für die Honiggewinnung kommen noch eine Schleuder, Abfüllkannen und feine Siebe dazu. Vieles kann nach und nach angeschafft oder gebraucht gekauft werden, beispielsweise über einen Imkerverein.

Wie teuer ist das Hobby Imkerei?

Imkern ist für Einsteiger kein günstiges Hobby. Dolle schätzt die Kosten für die Erstausstattung an Zubehör für zwei Bienenvölker auf etwa 1200 Euro. Gebrauchtes Equipment gibt es günstiger. Dazu kommen für den Anfang zwei bis drei Bienenvölker. "Die kosten je nach Größe zwischen 80 und 120 Euro", sagt er.

Die laufenden Kosten liegen pro Jahr bei etwa 120 Euro, gerechnet für zwei Bienenvölker. Sie entstehen durch die Milbenbehandlung im Sommer, das Futter nach der Honigentnahme und den Mitgliedsbeitrag im Imkerverein.

Wie komme ich an Informationen zum Imkern?

Auch wenn es keine gesetzlichen Vorgaben gibt, kann es trotzdem sinnvoll sein, eine Schulung bei einem der Imker-Landesverbände zu absolvieren. In Nordrhein-Westfalen sind folgende Landesverbände zuständig:

  • Landesverband Westfälischer und Lippischer Imker e.V., Langewanneweg 75 in 59063 Hamm
  • Imkerverband Rheinland e.V., Im Bannen 38-54, 56727 Mayen

Informationen findet man auch beim Deutschen Imkerbund e.V. Er ist als Vertreter der Freizeit- und Nebenerwerbsimker mit 132.000 Mitgliedern mit 880.000 Bienenvölkern der größte Verband in diesem Bereich. Als bundesweiter Dachverband gliedert er sich in 19 Landesverbände.

3

Über die Honigbiene

Die Honigbiene gilt, nach Schweinen und Rindern, als drittwichtigstes Nutztier in Deutschland. Etwa 80 Prozent unserer heimischen Nutz- und Wildpflanzenarten sind laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft auf Honigbienen, Wildbienen und andere Insekten als Bestäuber angewiesen. Die Honigbiene kann nur in ihrem Volk überleben. Und das ist groß: Ein Bienenvolk besteht aus rund 8.000 bis 40.000 Arbeiterinnen, dazu kommen mehrere Hundert Drohnen, also männliche Bienen, und eine Königin.

Wie entsteht Honig?

Eine Honigbiene fliegt Blüten in der Nähe an und saugt ihren Nektar mit einem kleinen Rüssel auf, bis ihr Honigmagen voll ist. Immer mehr Bienen werden in der Stadt gehalten. Auch da finden sie genügend Nahrung, sagt Imker Ralf Heipmann aus Köln. Er betreut unter anderem die Bienen auf dem Dach eines Hotels in Sichtweite zum Dom.

Wo die Bienen in der Stadt Blüten und Nektar finden

00:16 Min. Verfügbar bis 05.06.2027

Zwischendurch sammeln Bienen auch Honigtau, eine zuckerhaltige Ausscheidung von Insekten wie Blattläusen. Zurück bei ihrem Bienenvolk übergeben sie den gesammelten Nektar an eine Stockbiene. Bei der Weitergabe wird der Flüssigkeitsanteil im Nektar reduziert, um ihn haltbar zu machen. Gleichzeitig wird er mit Enzymen, Mineralien und anderen Stoffen angereichert, die die Flüssigkeit erst zu Honig machen.

Die Stockbiene bringt den Nektar in eine leere Wabenzelle im Bienenstock. Arbeitsbienen trocknen die Flüssigkeit, indem sie mit ihren Flügeln schlagen und sie in andere Zellen umfüllen. Bis zur Ernte lagert der Honig einige Wochen in einer Wabe. Wenn er fertig ist, wird er in Lagerzellen gebracht und mit Wachs abgedeckt.

Wie viel Honig produziert eine Biene?

75 Prozent des Honigs benötigen die Bienen für sich selbst. Den Rest kann der Imker entnehmen. Zuerst werden dafür die mit Wachs versiegelten Waben entdeckelt, dann schleudert eine spezielle Zentrifuge den Honig aus den Waben. Der Honig läuft heraus und fließt durch mehrere Siebe, damit später keine Wachsteilchen im Honig sind. Je nach Sorte wird der Honig im Anschluss einige Tage oder sogar mehrere Wochen immer wieder gerührt und anschließend abgefüllt.

Bienen und ihr Bienenstock mit rein weißen Naturwaben werden von einem Imker gezeigt

Rund 100.000 Flug-Kilometer für ein Kilo Honig

Im Laufe ihres Lebens stellt eine Biene ein bis zwei Teelöffel Honig her. Für ein Kilo muss ein Bienenvolk ungefähr 100.000 Flug-Kilometer zurücklegen und drei bis fünf Millionen Blüten anfliegen. Das ist so viel Arbeit, dass der in NRW hergestellte Honig bei Weitem nicht den Bedarf deckt. Deshalb wurden 2021 mehr als 3400 Tonnen Honig importiert, sagen die Statistiker des Landes NRW. Vor allem aus Belgien und Spanien.

Weitere Beiträge zum Thema Freizeit

1 / 2