Eine Frau steht lächelnd neben drei Kühen in einem Stall.

Hofbesitzerin Katrin Engels mit ihren Kühen

Chefin im Kuhstall: Katrin ist eine von wenigen Hofbesitzerinnen

Stand:

Frauen leisten einen großen Teil der Arbeit auf landwirtschaftlichen Betrieben. Aber nur selten gehört ihnen der Hof. Katrin Engels aus Drolshagen ist eine der wenigen Betriebsleiterinnen in Südwestfalen.

Von Eva Schulze-Gabrechten

Es ist erst Mittag, aber trotzdem steht Landwirtin Katrin Engels heute schon zum fünften Mal im Kuhstall. Mitten zwischen ihren Milchkühen, mit einer großen Harke in der Hand. Damit lockert die 33-Jährige die Einstreu auf, die die Liegeflächen für die Kühe bequem halten soll.

Chefin über 240 Kühe und Rinder

Obwohl Engels hier die Chefin ist, greift sie selbst jeden Tag zur Harke: "Damit die Kühe ein trockenes und weiches Bett haben, mache ich viel", sagt sie und lacht. Vor fünf Jahren hat Engels den Hof ihrer Eltern übernommen. Seitdem leitet sie den Milchviehbetrieb, zu dem neben 240 Milchkühen und Rindern auch rund 130 Hektar Acker- und Grünland gehören.

Landwirtin und Chefin: Portrait einer Betriebsleiterin

Lokalzeit Südwestfalen 10.02.2026 03:07 Min. Verfügbar bis 18.02.2028 WDR Von Eva Schulze-Gabrechten

In der Landwirtschaft sind Biografien wie ihre nach wie vor eine Ausnahme. Die vom Bundeslandwirtschaftsministerium geförderte Studie "Frauen. Leben. Landwirtschaft" zeigt: Frauen sind zwar zum Großteil an strategisch-unternehmerischen Entscheidungen auf den Höfen beteiligt. Aber sie profitieren nur selten davon. Gerade einmal einer von neun Betrieben in der Landwirtschaft wird von einer Frau geleitet. Damit gehört Deutschland EU-weit zu den Schlusslichtern. Eine Ursache ist die traditionelle Hofnachfolge: Aus der Studie geht hervor, dass Töchter nur in Ausnahmefällen die Hofnachfolge antreten. Meist dann, wenn es keinen Bruder gibt.

"Frauen können es mindestens genauso gut"

Katrin Engels ist die jüngste von drei Geschwistern, mit einer älteren Schwester und dem ältesten Bruder. Traditionell wäre ihr Bruder der Hofnachfolger. Aber schon früh zeigte sich: Sie ist diejenige, die sich am meisten für den Hof und die Arbeit in der Landwirtschaft begeistert.

Nach ihrer Ausbildung zur staatlich geprüften Agrarbetriebswirtin hat Engels sich dann entschieden, den Betrieb zu übernehmen. Ihre Eltern bezeichnen das als Geschenk. Denn so kann der Betrieb in der Familie bleiben. Das Geschlecht seiner Kinder habe bei der Hofnachfolge für ihn keine Rolle gespielt, betont Altbauer Peter Engels: "Wir haben immer gesagt: Wer es gerne machen will und auch machen kann, der soll es machen. Und Frauen können es mindestens genauso gut wie die Jungens auch."

Ein älteres Foto der jungen Katrin Engels, die auf dem Hof ihrer Familie steht und lächelnd den Hals einer Kuh umarmt.

Schon früh hat sich Katrin Engels' Begeisterung für die Landwirtschaft bemerkbar gemacht

Katrin Engels Ehemann Martin ist als Mitarbeiter auf dem Betrieb seiner Frau angestellt. Die Betreuung ihrer zwei Kinder, Tochter Ellie ist sechs Jahre alt, Sohn Michel drei, teilt sich das Ehepaar weitestgehend auf.

Betriebsleiterin Engels zählt auf die Unterstützung ihrer gesamten Familie: "Es geht nur, weil alle an einem Strang ziehen und jeder mal einspringt. Also jeder passt mal kurz eben auf die Kinder auf, oder rennt in den Stall und guckt nach der Kuh. Wenn man ganz alleine wäre, wäre es, glaube ich, unmöglich." Ob einmal ihre Tochter oder ihr Sohn den Hof übernehmen, das stehe noch nicht fest. Alles sei möglich. Vielleicht hätten ja auch beide Kinder Lust, gemeinsam weiterzumachen.

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Südwestfalen, 10.02.2026, 19.30 Uhr.

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