Keine Berühungsängste: Philipp Terhorst auf dem Milchhof im Münsterland
Schritt für Schritt laufen die Kühe aus dem Kuhstall. Ganz gemächlich. Sie kennen es nicht anders, jeden Morgen werden sie auf die Weide getrieben. Eines ist heute allerdings anders als sonst. Das Gatter zum Kuhstall hat Philipp Terhorst geöffnet. Er sorgt auch dafür, dass die letzten Nachzügler noch den Stall verlassen. "Kommt, meine Damen, es geht raus", sagt er ganz entspannt, aber bestimmt.
Terhorst ist 38 Jahre alt, Familienvater, Außendienstler bei einem großen Mineralölkonzern. Mit Landwirtschaft hat er sonst nichts zu tun. Aber heute ist er im Rahmen des Aktionstags "Landwirt für einen Tag" Praktikant auf dem Milchhof Große-Kintrup in Münster-Handorf.
Etwas Erfahrung bringt der Ein-Tages-Landwirt mit
00:26 Min.. Verfügbar bis 11.07.2027.
Auf den Stationen wird Terhorst von Erwin Köster begleitet. Der 68-Jährige war jahrzehntelang Berufsschullehrer für angehende Landwirte. Jetzt erklärt er als Agrarscout das Leben und Arbeiten in der Landwirtschaft.
Auf der Weide gibt er seinem Praktikanten erst mal eine ordentliche Ladung Kuhwissen. Er erklärt zum Beispiel, woran man eine gesunde Kuh erkennt: glattes Fell, kein Nasenausfluss, keine Tränen, lebhaftes Ohrenspiel. So genau wusste Terhorst das bisher nicht.
Großer Radlader und kleine Kälbchen
Der Hof Große-Kintrup liegt in der Bauernschaft Kasewinkel bei Münster. Das Futter für die 250 Kühe und Kälber wird hauptsächlich auf dem Hof selbst produziert. Die Milch der Kühe wird hier direkt vermarktet und in der eigenen Molkerei verarbeitet. Das machen nur noch ganz wenige Betriebe in Deutschland.
- Zum Beitrag: Die "gläserne Kuh": Was bringt Hightech im Kuhstall?
Station zwei für den Praktikanten sind die Kühe, die in ein paar Wochen ihre Kälber bekommen. Terhorst streichelt liebevoll eine von ihnen, die besonders zutraulich ist. Ausgiebig leckt sie seine Hand. Berührungsängste hat der Stadtmensch zwischen all den Tieren nicht. Auch nicht beim Kuhfutter.
Woraus besteht das Kuhfutter?
00:50 Min.. Verfügbar bis 11.07.2027.
Weiter geht es auf dem großen Radlader. Terhorst dreht erst eine Übungsrunde. Dann schiebt er das Kuhfutter den Kühen mit der Schaufel direkt vor die Nase. Sehr geschickt, dafür, dass er das zum allerersten Mal gemacht hat. "Hat mega viel Spaß gemacht, ist was anderes, als ein Auto zu fahren, aber echt toll", sagt er.
Bauernhof-Praktikum bringt neue Einblicke
Zwei Stationen bleiben noch für den Ein-Tages-Landwirt. Zunächst der Melkroboter, an dem gerade eine Kuh versucht, sich das dritte Mal in kurzer Zeit melken zu lassen. "Weil es hier leckeres Futter gibt, also Leckerlis", erklärt Agrarscout Köster, "aber der Computer sagt: 'Du gehst raus'". Dann geht es noch zu den Allerkleinsten auf dem Hof. Einige Kälbchen hier sind gerade einmal ein paar Tage alt.
Agrarscout Erwin Köster zeigt seinem Praktikanten Philipp Terhorst das Landleben
Der Praktikumstag von Terhorst neigt sich damit dem Ende zu. Er ist begeistert: "Es war sehr interessant und hat viel Spaß gemacht. Ich habe auf jeden Fall meinen Horizont erweitert und es war toll zu sehen, wie eng hier Tier und Mensch zusammenarbeiten." So kehrt der Stadtmensch mit vielen spannenden Einblicken zurück in sein Leben.
Über dieses Thema haben wir auch am 04.06.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Münsterland, 19.30 Uhr.