Vicky Diemel ist Schäferin
Schäferin Vicky Diemel kämpft gegen Hitze, Wolle und Vorurteile
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Vicky Diemel tropft der Schweiß von der Stirn. Literweise. Sie schert gerade die erste ihrer drei Herden. "An solchen Tagen frage ich mich: Warum tue ich mir das eigentlich an?", sagt sie lachend und ist doch Feuer und Flamme für ihren Job.
In diesem Jahr muss früh geschoren werden. "Es ist schon deutlich wärmer als in den Vorjahren", erklärt Diemel. Im Schatten sind es um die 20 Grad, in der Sonne sind es deutlich mehr. Den Schafen ist anzusehen, dass es ihnen in einhundert Prozent Schafwolle zu heiß ist. Vicky Diemel ist hauptberuflich Schäferin im Kreis Soest, hat sich auch das Scheren angeeignet. An der zweiten elektrischen Schere ist Patrick Berne aus Unna. Die beiden kennen sich noch von der Ausbildung zum Tierwirt, sie scheren seit mehr als zehn Jahren gemeinsam Schafe.
Schafschur als Knochenjob
"Nur zusammen ist das zu schaffen und auch auszuhalten", sind sich beide einig. Denn die Arbeit ist ein Knochenjob. "Schon nach der ersten Stunde tut dir alles weh - und am Abend merkst du wirklich alle Knochen und Stellen, die du vorher gar nicht gekannt hast".
Das Schafescheren ist ein richtiger Knochenjob
00:19 Min.. Verfügbar bis 28.05.2027.
Die Hälfte der 150 Schafe soll am ersten Schurtag der Saison ihre Winterwolle verlieren. Zwei bis drei Kilo pro Tiere gehen runter, einige große Schafe tragen sogar fünf Kilo Wolle mit sich herum und die muss jetzt ab.
Maximal 10 Cent für das Kilo Schafwolle
Dabei hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Schäfer mit Wolle viel Geld verdienen können. "Diese Zeiten sind lange vorbei", erklärt die Frau aus Anröchte: "Man muss froh sein, wenn man einen Abnehmer findet". Damit spielt sie auf ein Jahr an, in dem sie die Wolle sogar entsorgen musste. "Das war richtig teuer, denn sie galt bei der Deponie als Sondermüll". Sie ist froh, wenn sie 8 bis 10 Cent pro Kilogramm Schafwolle bekommt. "Reich wird man damit jedenfalls nicht".
Nicht jeder Tag ist so anstrengend, wie die Schur
Der Beruf der Schäferin hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Vicky Diemel sieht sich mehr und mehr als Landschaftsschützerin. Sie wird in erster Linie von Kommunen beauftragt, Grünflächen umweltschonend in Schuss zu halten und bekommt dafür Geld. Mit drei Herden ist sie unterwegs. Ein kleiner Bauernhof bei Anröchte dient als Homebase: Ihre Schafe beweiden Wiesen und Weiden im Grenzbereich zwischen den Kreisen Soest und Paderborn, zurzeit ist sie mit einer Herde in Wadersloh im Kreis Warendorf unterwegs.
Blauzungenkrankheit: Eine Herausforderung für die Schäferei
Dort hat sie ein offenes Zelt als Schattenspender für die Schafschur aufgestellt. Die beiden Schermaschinen summen fast ohne Pause, dazu ist laut Reggae-Musik zu hören. Das hat Tradition bei den beiden Scherern. Zehn Stunden dauert die Schicht - beide trinken in dieser Zeit je acht Liter Wasser.
Vicky Diemel erklärt, wie lange es dauert, ein Schaf zu scheren
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Wasser sorgt zurzeit auch für viel Arbeit mit den Schafen. Es ist schon lange warm und trocken: Regen fehlt. Die Schäferin ist deshalb viel mit ihrem Anhänger unterwegs, karrt Wasser heran. "Trotzdem, dieses trockene Wetter hat einen riesigen Vorteil: Die kleinen Stechmücken sind noch nicht unterwegs". Die haben genau vor einem Jahr dafür gesorgt, dass viele Schäferinnen und Schäfer das schlimmste Jahr ihrer Berufslaufbahn erleben mussten. Die Blauzungenkrankheit wird durch infizierte Mücken übertragen. Diemel hat ein Drittel ihres Bestandes verloren. Viele Tiere sind elendig verendet. "Das war sehr schlimm". Durch Impfungen und das trockene Wetter scheint die Blauzungenkrankheit im Moment gerade ihren großen Schrecken verloren zu haben. "Wir hoffen sehr, dass sich unsere Bestände und auch wir uns jetzt wieder erholen können", sagt die Anröchterin.
Tiere erkennen sich erstmal nicht
Am Ende der ersten Schicht ist eine halbe von drei Herden geschoren. Vicky Diemel und ihr Kollege sind abgekämpft, klatschen sich erschöpft und erleichtert ab. Die noch nicht frisierten Schafe stehen auf der einen, die frisch geschorenen Schafe auf einer anderen Wiese. In der Herde ist es unruhig. "Das ist in den ersten Tagen normal", erklärt Diemel: "Die Tiere erkennen sich auch an der Frisur. Viele erkennen sich jetzt gar nicht mehr und suchen ihre Freundinnen", aber nach kurzer Zeit haben sich die Tiere auch an ihren Sommer-Look gewöhnt.
Über dieses Thema berichten wir voraussichtlich am 28.05.2025 auch im WDR-Fernsehen: Lokalzeit Südwestfalen, 19.30 Uhr.