Drei Landwirte aus Stemwede gründen eine Hofgemeinschaft
Allein ackern war gestern: Die Hofgemeinschaft als Modell der Zukunft?
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Für eine Hofgemeinschaft müsse man "ein bisschen bekloppt in der Birne sein", meint Dominik Schmedt. Er ist einer der drei Landwirte aus Stemwede, die sich Arbeit, Maschinen und Verantwortung teilen. Ihr Ziel: Kosten senken, Erträge steigern. Wie das Modell funktioniert und welche Herausforderungen es gibt.
Drei Landwirte, ein Ziel
Eine große rote Maschine zum Säen zieht lange Bahnen auf einem braunen Acker. Am Steuer sitzt Christian Wiese in Polohemd und Arbeitshose. Aus seinem Treckerfenster kann er seinen Kollegen Andre Schmedt sehen, der auf dem gleichen Feld mit einem anderen Traktor die Erde umgräbt. Wieder einige hundert Meter entfernt sitzt Dominik Schmedt ebenfalls auf seinem Trecker, hinter dem eine große Pflanzenschutzspritze hängt. Alle drei wollen gemeinsam eine möglichst gute Ernte im nächsten Jahr erwirtschaften.
Eine Stunde vorher. Die drei Männer stehen zusammen, an einen Trecker gelehnt. Sie diskutieren, nicken und lachen laut. Zeit für die tägliche Einsatzbesprechung. Christian Wiese, Dominik Schmedt und Andre Schmedt tragen Oberteile, auf denen ein grünes Logo zu sehen ist. Die Aufschrift: S.W.S. Agrar GbR. S.W.S steht für ihre Nachnamen und ist der Name ihrer Hofgemeinschaft.
Wiese und Dominik Schmedt aus Stemwede im Kreis Minden-Lübbecke kennen sich schon seit ihrer Kindheit. Beide sind Landwirte mit einem eigenen Betrieb. "Man steht irgendwann alleine vor relativ viel Arbeit", erzählt Dominik Schmedt. Deshalb haben Wiese und Schmedt vor drei Jahren beschlossen, zusammenzuarbeiten. Gemeinsam mit Andre Schmedt, der ebenfalls einen eigenen Betrieb hat, haben sie die Hofgemeinschaft gegründet - ein Schritt, der vieles verändert hat, erzählen sie. Das Ziel: weniger Arbeit, niedrigere Ausgaben, gemeinsame Verantwortung. Im Interview erklären sie, wie das in der Praxis klappt, wie ihr Alltag aussieht und ob sie sich immer einig sind.
Warum man "ein bisschen bekloppt in der Birne sein" muss
Lokalzeit: Wie hat sich euer Alltag verändert, seitdem ihr zusammen arbeitet?
Dominik Schmedt: Wir haben vor einigen Tagen zum Beispiel Gerste gesät. Früher musste ich erst alleine auf meinen Flächen pflügen oder grubbern. Erst danach konnte ich säen und musste mich zum Schluss noch um den Pflanzenschutz kümmern. Jetzt teilen wir die Arbeiten auf drei Leute auf. Jeder konzentriert sich auf seinen Part und wir sind dadurch viel schneller.
Christian Wiese: Und wir nutzen unsere Maschinen viel besser aus. Das spart Geld.
Andre Schmedt: Wir haben gemeinsam in eine neue Sämaschine und eine neue Pflanzenschutzspritze investiert. Dadurch, dass jeder von uns ein Drittel zahlt, konnten wir wesentlich größere Maschinen kaufen. Das macht uns wiederum schlagkräftiger und witterungsunabhängiger.
Eine Sämaschine der Hofgemeinschaft auf dem Acker
Lokalzeit: Das sieht auf den ersten Blick so aus, als gäbe es nur Vorteile. Trotzdem arbeitet der Großteil der Landwirte allein. Zusammenarbeit gibt es meist nur innerhalb der Familie. Woran liegt das?
Dominik Schmedt: Ich glaube, damit das funktioniert, müssen alle ein bisschen bekloppt in der Birne sein. Jeder muss eine gewisse Offenheit mitbringen und ehrlich gegenüber den anderen sein. Es funktioniert nicht, wenn sich jemand nicht in die Karten gucken lässt.
Christian Wiese: Genau. Das Ziel muss sein, für jeden Betrieb die beste Lösung zu finden.
Andre Schmedt: Wer auf jeden Cent schaut, kommt mit dem Konzept wahrscheinlich nicht zurecht. Es kann vorkommen, dass jemand mal einen finanziellen Nachteil von vielleicht 100 Euro hat. Aber wer das nicht in Kauf nehmen kann, ist hier nicht richtig.
Welche wichtige Zutat nicht fehlen darf
Lokalzeit: Ihr habt euch auf verschiedene Aufgaben spezialisiert. Dominik Schmedt ist zum Beispiel Experte für Pflanzenschutz. Das heißt: Du bist nicht nur auf den eigenen Feldern unterwegs, sondern auch auf den Feldern der Kollegen. Wie gehst du mit dieser Verantwortung um?
Dominik Schmedt: So viel Mühe, wie ich mir auf meinem Feld gebe, gebe ich mir auch auf den Feldern der Kollegen. Wenn ich einen Fehler gemacht habe, muss ich mir ihn eingestehen, statt ihn bei jemand anderem zu suchen. Dann erhalte ich vielleicht einen kleinen Rüffel von den Kollegen - aber beim gemeinsamen Feierabend-Bier kriegen wir das Problem schnell gelöst.
Christian Wiese: Der Austausch ist wichtig. Wir setzen uns regelmäßig zusammen und reden ganz offen über alles, was gut und was schlecht gelaufen ist. Was hat uns gefallen - und was nicht? Immer mit dem Ziel, es nächstes Jahr besser zu machen.
Lokalzeit: Ihr seid alle gelernte Landwirte und habt viel Erfahrung. Trotzdem müsst ihr euch in vielen Punkten einigen, zum Beispiel bei der Frage des Saatguts oder wann ihr erntet. Wie funktioniert das?
Andre Schmedt: Wir alle müssen ab und zu einen Kompromiss eingehen.
Dominik Schmedt: Bei drei Landwirten gibt es nicht selten auch drei Meinungen. Und da kommt es auch zu Meinungsverschiedenheiten. Da reden wir dann drüber. Und am Ende brauchen wir Akzeptanz füreinander. Verständnis dafür, dass der Kollege es nicht so gemacht hat, wie ich es selbst gemacht hätte.
Voneinander lernen statt alleine arbeiten
Lokalzeit: Wäre es dann nicht einfacher zu sagen: Ich mach das alles allein?
Christian Wiese: Einfacher wäre das vielleicht manchmal. Aber es wäre langweilig und würde weniger Spaß machen.
Lokalzeit: Also geht es euch am Ende nicht nur um die Arbeitserleichterung, sondern auch um den Spaß an der Arbeit?
Christian Wiese: Unbedingt. Wir sitzen oft nach der Arbeit noch zusammen, machen gemeinsame Ausflüge. Es gibt jedes Jahr eine Weihnachtsfeier.
Dominik Schmedt: Das hilft auch dabei, mal abzuschalten von der Arbeit. Und wir alle lernen deutlich mehr. Sonst ist man ja immer sehr auf seiner eigenen Scholle unterwegs. In der Hofgemeinschaft erfahre ich, wie die anderen beiden arbeiten und denke immer wieder: Okay, so wie er das gemacht hat, ist das gar nicht so doof. Vielleicht sollte ich auch etwas verändern.
Christian Wiese: Der Spaß an der Sache muss bleiben. Dann hat die Hofgemeinschaft auch Zukunft.
