Philipp Henk vor einem großen Holzgerüst eines Stalls. Im Hintergrund einige Bauarbeiter.

Für den Taum von Heumilch aus NRW: Der neue Stall in Bad Berleburg ist im Bau

Heumilch aus NRW? Landwirt aus Bad Berleburg wagt Millionen-Projekt

Stand:

Landwirt Philipp Henk stellt als einer der ersten in NRW seinen Betrieb im Wittgensteiner Land auf Heumilch um. Warum Milch und Käse der "Milcherei Henk" dadurch im nächsten Jahr besser schmecken sollen.

Von Silke Schmidt

Hof Henk in Bad Berleburg ist eine Riesenbaustelle. Betonbauer arbeiten gerade am Fundament für einen neuen Kuhstall. 60 Tiere mussten vorübergehend ausziehen. Doppelt so viele sollen hier später Platz finden. Nebenan wird eine neue Halle gebaut. Nur ein paar Meter entfernt grasen ein paar Kühe. Mittendrin in dem Trubel: Landwirt Philipp Henk. Mal spricht er mit den Arbeitern, dann hängt er wieder am Telefon. "Gerade kämpfen wir an allen Fronten", sagt der 38-Jährige. Warum der ganze Aufwand?

Besserer Käse durch Heu statt Silofutter

"Wir haben gemerkt, dass wir bei unseren Produkten große Geschmacksunterschiede im Winter und Sommer hatten", erklärt der Milchbauer. Der Grund für die Qualitätsschwankungen sei das Futter. Im Sommer bekommen die Kühe mehr Heu und frisches Gras. Im Winter Grassilage aus dem gepressten Ballen - luftdicht verpacktes, durch Milchsäuregärung haltbar gemachtes Gras.

Vogelperspektive auf zahlreiche weiße und graue Ballen, in denen Gras konserviert wird

In solchen Folien-Ballen steckt Grassilage

In Zukunft will der Betrieb auf das sogenannte Silofutter verzichten und die Tiere im Winter nur noch mit Heu füttern. Wie das klappen soll, erfährst du auch in der aktuellen YouTube-Folge von WDR Lokalzeit Land.Schafft.

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Regionale Heumilch: Eine Besonderheit in NRW

Der Landwirt setzt große Hoffnungen auf die Produktion von Heumilch - also Milch von Tieren, die nicht mit Silage gefüttert werden. Alpenliebhaber kennen den gesetzlich geschützten Begriff aus dem Urlaub in Österreich. Dort hat Heumilch nach Angaben eines Verbands von Molkereien und Bauern einen Marktanteil von 15 Prozent.

In Deutschland sei der Anteil von Heumilch an der gesamten Milchmenge kaum messbar - unter 0,5 Prozent. Im Südwesten Deutschlands gibt es inzwischen einige Heumilch-Betriebe. In NRW ist diese Art der Bewirtschaftung dagegen noch sehr selten.

Eine Halle nur für die Heutrocknung

Für die Umstellung auf Heumilch braucht Henk eine Heutrocknungs-Halle, die gerade gebaut wird. "Wir kriegen hier das Gras Anfang Mai beim Grasschnitt sonst nicht trocken. Da braucht man drei bis vier Tage beständiges Wetter", erklärt Henk. Da das Wetter aber längst nicht jedes Jahr mitspielt, müsse er technisch nachhelfen, um eine gleichbleibende Qualität sicherzustellen.

Zwei Arbeiter sind über Holzbalken gebeugt, hinter ihnen stehen auf einer Wiese Kühe.

Hof Henk in Bad Berleburg ist im Umbruch, die Kühe sind live dabei

Das System ist simpel, aber effektiv, sagt Henk: Auf dem Dach soll eine Photovoltaik-Anlage montiert werden. Die Abwärme der Sonnenkollektoren werde gesammelt und dann mit einem großen Gebläse unter den Heustock geleitet. "Der Luftdruck von dem Gebläse erzeugt so viel Druck, dass die Luft durch das Heu durchdrückt und oben in sechs Meter Höhe kommt sie dann wieder raus", erklärt Henk und schwärmt: "Frisches Heu - das riecht wie Tee."

Heumilch - nur etwas für "Überzeugungstäter"?

Wirtschaftlich ist die Veränderung für den Hof in Bad Berleburg ein Risiko. Die Investitionen für Kuhstall und Heubergehalle betragen mehr als drei Millionen Euro. Dennoch gab es für Henk keine Alternative: "Als kleiner Direktvermarkter können wir ja nur über Qualität punkten. Und die muss halt besser sein als bei den anderen." Auch seine Frau Jenny sieht das so. Die studierte Betriebswirtin kümmert sich um das Controlling. "Wir haben das gut durchgerechnet", meint sie.

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Der Verband der Deutschen Milchviehwirtschaft sieht hingegen in der Sparte wenig Potenzial: Wer Heumilch macht, der müsse Überzeugungstäter sein, heißt es. Im Wittgensteiner Land beurteilt man das nach den Erfahrungen mit den eigenen Kühen anders.

Landwirt Philipp Henk steht neben einer seiner Kühe und streichelt ihre Nase.

Mit Heu und Gras als Futter geht es Philipp Henks Kühen besser

Zwar sei die Milchleistung pro Kuh geringer, meint Henk, aber die Kühe seien gesünder, wenn sie statt Silofutter frisches Heu bekämen. Die Tierarztkosten hätten sich halbiert. Darüber hinaus müsse man weniger Getreide zukaufen. Und das schonend in der Halle getrocknete Heu sei um etwa 20 Prozent energiereicher als gepresstes Silofutter.

Besseres Futter: Landwirt sieht viele Vorteile

Warum das so ist, demonstriert der Landwirt auf der frisch gemähten Wiese. Bei konventioneller Bewirtschaftung werde das Heu mehrmals mechanisch gewendet. Dabei käme es zu sogenannten Bröckelverlusten. Henk hält ein Kleeblatt in seiner Hand und zupft die Blätter einzeln ab: "Was übrig bleibt, ist nur noch der dürre Halm." Anders bei der Trocknung in der Heuhalle. Da wird das Gras leicht feucht bereits nach 24 Stunden eingelagert und dann nicht mehr bewegt.

Was ist das Problem mit den Bröckelverlusten?

00:21 Min. Verfügbar bis 07.09.2027

Dadurch, dass weniger Fahrten über das Feld nötig sind, spart Henk auch Diesel ein. "Und Silofolie brauchen wir auch keine mehr", ergänzt Jenny Henk. Immerhin betragen die Kosten dafür bis zu 10.000 Euro im Jahr.

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Manchmal hat Philipp Henk ein bisschen Angst vor der eigenen Courage. Trotzdem glaubt der 38-Jährige, dass er mit dem Alleinstellungsmerkmal "Heumilch aus dem Wittgensteiner Land" überzeugen kann: "Sonst hätten wir hier den ersten Baggerstich nicht machen dürfen."

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