Ein gefüllter Korb mit frischen Lebensmittel. Darunter Johannisbeeren, Stachelbeeren, Kirschen, Salat und frischer Honig.

Silvia Albers "Einkauf" auf der Kleinod-Farm in Greven

Rundum-Service für das eigene Gemüse: Ernten, ohne selbst zu ackern

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Himbeeren, Salat, Kohlrabi und dazu noch ein paar Eier frisch aus dem Nest - Lebensmittel aus dem eigenen Garten sind voll im Trend. Doch der Weg bis zur Ernte ist ein langer. Damit alles wächst und gedeiht, ist tägliche Pflege nötig. Nicht so auf der Kleinod-Farm in Greven. Hier wird nur eins erwartet: Ernten muss jeder selbst.

Von Nicole Albers

"Ich fand es schon immer toll, wenn ich weiß, wo mein Essen herkommt. Und noch toller ist es, wenn man vom Ursprung an dabei ist", sagt Jens Heitmann. Er ist ein Kerl wie ein Baum, groß und durchtrainiert. Er steht an einer Reihe mit Salatpflanzen, lockert den Boden und zieht Unkraut heraus. Hinter einem Zaun ein paar Schritte entfernt steht eine große weiße Gans und schnattert laut. "Die wartet auf ein paar Leckereien von mir." Er lacht und wirft ihr ein Bündel Gräser hin. Der 43-Jährige hat seinen Traum zum Beruf gemacht, er ist Chef der Kleinod-Farm in Greven.

Kleinod-Farm in Greven: Ein Rundum-Sorglos-Paket

Die Farm besteht aus 30 einzelnen Gärten mit reihenweise Gemüse- und Salatpflanzen. Dazwischen ranken Beerensträucher, Apfelbäume sorgen in den ältesten Gärten bereits für Schatten. Zu jeder etwa 100 Quadratmeter großen Kleinod-Farm gehört neben einem Gemüsegarten auch ein Hühnerstall mit Auslauf sowie ein Bienenstock. Um all das kümmert sich Heitmann im Auftrag seiner Kunden, denn jeder einzelne Garten ist vermietet.

Jens Heitmann will seinen Kunden den Weg der Lebensmittelherstellung vermitteln

00:50 Min. Verfügbar bis 31.07.2027

"Ich möchte meinen Kunden ein Stück Landleben bieten, gleichzeitig aber die negativen Aspekte, die sowas mit sich bringt, dem Kunden abnehmen", sagt der gelernte Biotechnologe. Heißt: Wer Zeit und Lust hat, packt mit an. Wenn nicht, nimmt Heitmann seinen Kunden die meisten Aufgaben ab. Vor acht Jahren wagte er den beruflichen Sprung raus aus dem Labor in die Selbständigkeit. Mit seinem Konzept scheint er viele Kunden anzusprechen.

Zu wissen, wo die Lebensmittel herkommen, wird vielen Menschen immer wichtiger. Regional finden viele am besten. 87 Prozent ist es wichtig, dass frisches Obst und Gemüse aus der Region sind, in der sie wohnen. Bei Eiern sind es 88 Prozent. Das ergab eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft im Jahr 2023.

Einkaufen wie im Supermarkt

Eine seiner Kunden ist Silvia Albers. Sie steht in ihrer Parzelle und hat zwei leere Körbe dabei. "Ich gehe einkaufen", sagt sie und lacht. "Wenn ich was brauche, gehe ich immer erst zur Kleinod-Farm. Das Konzept ist für mich ideal." Schon immer habe sie es geliebt, zuzugucken, wie alles wächst und gedeiht. Doch sie liebt auch das Reisen und das verträgt sich nicht mit Gemüseanbau. "So ein Garten braucht ja ständige Pflege, und das funktioniert nicht, wenn ich unterwegs bin", sagt Albers. 

Silvia Albers hält glücklich einen Kiste gefüllt mit Gemüse und Obst, das sie auf der Kleinodfarm geerntet hat.

Der Korb von Silvia Albers füllt sich schnell

Während Albers ihre Körbe mit frischem Obst und Gemüse füllt, hebt Heitmann den Deckel eines Bienenstockes an und zieht eine Wabe heraus. Hunderte kleine Bienen krabbeln auf ihr und fliegen um den gelernten Imker herum. Er steht da in kurzer Hose und T-Shirt und ist völlig entspannt. "Ich weiß gar nicht, wann ich zuletzt einen Anzug getragen habe. Das ist mir viel zu heiß." Seine Bewegungen sind langsam. Dadurch werde er für die Bienen quasi unsichtbar. Grundregeln, die er auch seinen Kunden beigebracht hat.

"Außerdem habe ich nur liebe Bienen", sagt Heitmann und lacht, aber eigentlich meint er es ernst. Denn Bienen, so erklärt er, reagieren auf die Königin. Wenn die aggressiv ist, würde sich das auf das Volk übertragen. In der Kleinod-Farm würden aber alle entspannt ihren Job machen, und zwar ziemlich gut. Jedes Jahr kommen fast 1000 Kilogramm Honig zusammen.

Konzept Mietgärten geht auf

Heitmanns Konzept ist voll aufgegangen. Mittlerweile gibt es schon eine Warteliste. "Klar, das ist schon viel Arbeit, gerade jetzt im Sommer, das geht schon von früh bis spät. Aber für mich ist es ein Traumjob", sagt der 43-Jährige. "Ich habe wirklich das Gefühl, angekommen zu sein. Und wenn die Kunden zufrieden sind, dann ist das auch eine tolle Belohnung." 

Bei seinen Küken geht Jens Heitmanns Herz auf

00:31 Min. Verfügbar bis 30.07.2027

Auch Silvia Albers ist zufrieden. Ihre beiden Körbe sind mittlerweile randvoll gefüllt mit Johannisbeeren, Gemüse, Salat und Eiern. Sie freut sich schon auf die nächste Mahlzeit zu Hause. Ob das Gemüse anders schmeckt, als Gemüse aus dem Supermarkt, kann sie gar nicht sagen. "Aber mir schmeckt es anders, weil ich es selbst geerntet habe."

Über dieses Thema haben wir am 07.07.2025 auch im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit Münsterland, 19.30 Uhr.

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