Asiatische Hornissen-Nester früh entfernen
WDR. 03:14 Min.. Verfügbar bis 11.03.2028.
Später Nachmittag in einer Kleingartenanlage in Hagen. Eine Parzelle reiht sich an die andere, alles ist ruhig. Doch vor einem kleinen weißen Häuschen hat sich eine Handvoll Menschen versammelt. Gespannt schauen sie unter das Vordach. An einem Holzbalken hängt ein cremefarbenes Nest, vielleicht so groß wie ein Apfel. Doch von der Bewohnerin ist nichts zu sehen.
"Hier ist es zu unruhig, die kommt wahrscheinlich nicht." Etwas ernüchtert dreht einer nach dem anderen dem Nest den Rücken zu. Doch es dauert nicht lange, da ist ein "Da ist sie!" zu hören. "Sie" hat eine schwarze Brust, eine gelbe Binde am Hinterleib und ist etwas kleiner als ihre heimische Verwandte: eine Königin der Asiatischen Hornisse.
Das verlassene Nest der Asiatischen Hornisse
Wegen ihr ist Patrick Kraus, Vorsitzender des Hagener Imkervereins, heute hierher gekommen. Der 46-Jährige ist ausgebildeter Wespen- und Hornissenberater sowie Multiplikator für die Asiatische Hornisse. Schnell greift er nach seinem Kescher, geht vorsichtig in Richtung des Nestes und stülpt das Netz darüber. Er hat die Königin in der Falle.
Hornisse breitet sich schnell aus
Die Asiatische Hornisse wurde aus China nach Europa eingeschleppt und vermehrt sich rasant. Alleine die Zahl der gemeldeten Insekten in NRW lag 2025 laut des Landesamts für Natur, Umwelt und Klima bei über 7.300 Exemplaren. Das Problem: Sie fressen heimische Insekten in großer Zahl, darunter auch Bienen. Auf Menschen reagieren sie vor allem dann aggressiv, wenn diese sich in der Nähe ihres Nestes aufhalten.
Im Frühjahr baut die Asiatische Hornisse tieferliegende Primärnester. Im Sommer folgen dann die erheblich größeren und höher liegenden Sekundärnester mit laut Kraus 5.000 bis 7.000 Hornissen.
Nest und Hornisse werden eingefroren
Auf einer Leiter stehend entfernt Patrick Kraus die Reste des Nestes. Die Hornisse hat er in ein Schraubglas gesetzt. Um sowohl sie als auch die Larven unschädlich zu machen, wird er alles einfrieren. Das sei die einzige Möglichkeit, der Ausbreitung zumindest etwas Herr zu werden. "Die Asiatische Hornisse ist eine Herausforderung", sagt Kraus.
Erleichtert: Wibke und Christian Gernert hatten Sorge um ihre Kinder.
Entdeckt hat Kleingärtner Christian Gernert das Nest vor etwa drei Wochen. Worum es sich dabei handelt, sei ihm schnell klar gewesen. Immerhin lebt auch die heimische, unter Artenschutz stehende Hornisse auf seiner Parzelle. "Ich habe über meine Arbeitskollegin, Biolehrerin, einen befreundeten Imker und die KI sofort die Gewissheit gekriegt." Einen Tag nachdem er seinen Fund gemeldet hatte, habe auch die Stadt Hagen die Vermutung bestätigt.
Nester nicht selbst entfernen
Patrick Kraus rät davon ab, Nester auf eigene Faust zu entfernen. "Es ist einfach gefährlich. Deswegen würde ich da ohne Schutzanzug selbst nicht drangehen." Da in den Sekundärnestern nicht nur wesentlich mehr Hornissen leben, sondern sie sich oft auch in schwer zu erreichender Höhe befinden, sei es sinnvoll, bereits jetzt im Frühjahr die Primärnester zu entfernen.
Kraus wünscht sich mehr Unterstützung durch die Politik. Immerhin ist er Hobby-Imker, entfernt die Nester in seiner Freizeit. Das Land NRW will jetzt noch mehr Schulungen zur Bekämpfung der Asiatischen Hornisse anbieten. Wer ein Nest fachgerecht entfernt, kann eine Prämie bis zu 300 Euro bekommen.
Mit dem Einfangen der Königin lässt sich die Vermehrung der Hornisse etwas bremsen.
Hat die Europäische Kommission die Asiatische Hornisse laut Umweltbundesamt noch 2016 auf die Liste invasiver Arten aufgenommen, gilt das Tier in Deutschland seit 2025 durch seine starke Ausbreitung als "etabliert".
Was tue ich, wenn ich eine Asiatische Hornisse entdecke?
Das Fangen von Asiatischen Hornissen ist Expertensache! Wer die Tiere sieht, kann sie über das Neobiota-Portal des Landes NRW melden. Dort können Nutzer ein Foto hochladen, um bestätigen zu lassen, dass es sich tatsächlich um die Asiatische Hornisse handelt. Auch der Standort kann automatisch übermittelt werden. Kommunen können auf die Daten zugreifen. Je nach Fundort müssen die Kosten für die Entfernung gegebenenfalls privat getragen werden.
Chancen, es noch vollständig zurückzudrängen, sieht Kraus nicht. "Der Zug ist definitiv abgefahren." Maximal könne man die Hornissen-Population noch etwas eindämmen. "Die ist gekommen, um zu bleiben", sagt der Imker. Doch wenigstens im Garten von Familie Gernert kann jetzt wieder Ruhe einkehren.
Unsere Quellen:
- Patrick Kraus, Imkerverein Hagen
- NRW-Landesamt für Natur, Umwelt und Klima
- NRW-Landwirtschaftsministerium
- Umweltbundesamt
- Deutsche Presse-Agentur
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 03.05.2026, 18:45 Uhr
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