Auf einem gespannten Flatterband stehen die Worte "Schutzzaun" und "Afrikanische Schweinepest". Darunter befindet sich der Schutzzaun.

Die hochansteckende Afrikanische Schweinepest erfordert schnelles Handeln

Afrikanische Schweinepest: Wie können Landwirte ihren Hof schützen?

Stand:

Die Afrikanische Schweinepest hat inzwischen auch NRW erreicht. Für Menschen zwar ungefährlich, ist sie für Schweine fast immer tödlich. Die Sorge bei Landwirten steigt. Tierärztin Sandra Löbert berät Betriebe, wie sie ihre Tiere und Höfe jetzt schützen können.

Von Markus Wollnik
1

Vorbereitungen für den Ernstfall

Auf dem Hof von Heike Wattendrup-Nordhoff laufen die Vorbereitungen für einen Ernstfall, den niemand erleben will: einen Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Die Krankheit ist für Menschen harmlos, für Schweine jedoch meist tödlich. Die Schweinemästerin aus Greven nimmt die Gefahr ernst. Gemeinsam mit Tierärztin Sandra Löbert sucht sie nach kritischen Punkten auf dem Hof, an denen frühzeitig gehandelt werden kann. Wie genau das abläuft, zeigen wir auch auf dem YouTube-Kanal WDR Lokalzeit LandSchafft.

Datenschutzhinweis

Dieses Element beinhaltet Daten von YouTube. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Inzwischen gibt es erste Fälle in NRW. Mitte Juni bestätigte das NRW-Landwirtschaftsministerium mehrere Wildschweine im Kreis Olpe, die an der Afrikanischen Schweinepest gestorben sind. Entsprechend groß ist die Sorge bei den gut 5000 schweinehaltenden Landwirten in NRW. Tierärztin Sandra Löbert vom Schweinegesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer NRW berät Landwirte, wie sie ihre Höfe vor der Seuche schützen können, und gibt hier Tipps.

2

Was können Landwirte tun?

Lokalzeit: Sie beraten Höfe zur Biosicherheit in Bezug auf die Afrikanische Schweinepest. Wie läuft so eine Beratung genau ab?

Sandra Löbert: Ich treffe mich mit dem Landwirt und schaue mir zunächst den Außenbereich des Betriebs an. Ist der Zaun dicht? Sind die Zufahrtstore bis unten geschlossen, sodass kein Wildschwein-Frischling unten durchschlüpfen kann? Denn das ist eine sehr große Gefahr, wenn möglicherweise infizierte Wildschweine aufs Grundstück kommen und so Viren zu den Hausschweinen gelangen können.

Sandra Löbert in blauem Schutzanzug, links neben ihr Schweine in Ställen.

Tierärztin Sandra Löbert überprüft die Gesundheit von Schweinen

Lokalzeit: Gibt es noch weitere Risiken?

Löbert: Ja, wenn verendete Schweine vom Hof abgeholt werden. Der Kadaver-Lkw birgt immer die Gefahr, in Kontakt mit anderen schweinehaltenden Betrieben zu kommen, die möglicherweise von ASP betroffen sind, es aber noch gar nicht wissen. Deshalb empfehle ich immer, die Kadavertonne außerhalb des Betriebsgeländes aufzustellen.

Lokalzeit: Was ist im Stall zu berücksichtigen?

Löbert: Im Stall ist eine wirksame Hygieneschleuse wichtig. Also ein Bereich, in dem die Straßenkleidung abgelegt und die Stallkleidung angezogen wird. Können die Stiefel nach dem Stallrundgang gereinigt und desinfiziert werden? Gibt es Eintragsquellen im Stall? Außerdem sollten sich Schweinehalter immer Gedanken über eine Insektenbekämpfung im Stall und in der Gülle unter den Spaltenböden machen.

Lokalzeit: Was passiert nach dem ersten Beratungsbesuch?

Löbert: Wenn wir alle Punkte durchgegangen sind, erstelle ich am Laptop eine Zeichnung des Betriebs und einen Plan, was noch alles für die optimale Biosicherheit gemacht werden muss. Ein paar Wochen später gibt es ein zweites Treffen, um die Lösungen zu besprechen. Für diese Beratungsbesuche durch die Landwirtschaftskammer NRW oder die Hoftierarztpraxis gibt es finanzielle Unterstützung durch die Tierseuchenkasse. Inzwischen haben über 1.100 schweinehaltende Betriebe in NRW diese Beihilfe beantragt.

3

Wie überträgt sich die Seuche?

Lokalzeit: Nun wurden auch in NRW erste Schweinepest-Fälle gemeldet. Über welchen Weg infizieren sich die Tiere?

Löbert: Es gibt die Übertragung durch den direkten Kontakt von infiziertem zu nichtinfiziertem Schwein. Vor allem, wenn dabei Blut im Spiel ist. Aber auch in Kadavern von verendeten Schweinen kann das Virus lange überleben. Dieser Übertragungsweg dürfte oft bei Wildschweinen vorkommen. Wenn wir uns aber die letzten Ausbrüche in Deutschland anschauen, dann ist der größte Risikofaktor der Mensch. Ziemlich genau vor einem Jahr, am 15. Juni 2024, wurde das ASP-Virus zum ersten Mal in Hessen nachgewiesen - bei einem Wildschwein nahe dem Flughafen in Frankfurt am Main. Dieser Erregerstamm wurde davor zuletzt in Südosteuropa bei ASP-infizierten Schweinen nachgewiesen. Damit hat die Seuche einen Riesensprung von mehreren hundert Kilometern gemacht, sodass es naheliegend ist, dass höchstwahrscheinlich ein Mensch der Überträger war.

  • Ob der Verzehr von infiziertem Schweinefleisch gefährlich ist und wie wir uns jetzt verhalten sollten, klären wir hier.

Lokalzeit: Wie kann das sein?

Löbert: Da reicht schon zum Beispiel das weggeworfene Wurstbrot eines LKW-Fahrers, der seinen Proviant aus einem betroffenen Gebiet mitgebracht hat, oder ein Stück Salami oder Schinken, das aus dem Urlaub mitgebracht und nach dem Picknick liegengelassen wird. Wildschweine finden dieses Brot mit infizierten Wurstresten, fressen es und stecken sich an.

Lokalzeit: Auf vielen Höfen kommen Mitarbeiter und Saisonkräfte aus Osteuropa. Dort gibt es schon länger Fälle von ASP. Stellt das ein Risiko dar?

Löbert: Definitiv. Und einige Landwirte erkennen manchmal das Risiko nicht. Manche Mitarbeiter aus ost- und südosteuropäischen Regionen, in denen ASP verbreitet ist, haben in ihrer Heimat selber eine kleine Schweinehaltung im Hinterhof. Wenn von dort entsprechende Lebensmittel mitgebracht werden, kann das brandgefährlich werden. Alle Mitarbeiter müssen entsprechend geschult werden. Und generell gilt: Am besten gar keine Lebensmittel aus Osteuropa mitbringen.

Ein Wildschweinkadaver liegt auf einer trockenen Wiese. Rund herum ist die Stelle mit einem Band markiert.

Lokalzeit: Welche Fehler nehmen Sie darüber hinaus häufig wahr?

Löbert: Fehler entstehen oft durch Routine, Gewohnheit, Betriebsblindheit. Manchmal hat sich ein Landwirt zwar daran gewöhnt, im Stall die Schuhe zu wechseln. Doch wenn er dann mit den Stiefeln draußen zum Futtermittel-Lkw geht und danach mit denselben Stiefeln zurück in den Stall, dann ist das seuchentechnisch riskant. Neben den großen Betrieben gibt es auch Hobby- und Minischweinehaltungen. Bei diesen Liebhabern ist oft das Problembewusstsein nicht so groß oder die Afrikanische Schweinepest nicht bekannt. Längst nicht jeder hat bei Freilandhaltung solcher Kleinstbestände einen doppelten Zaun errichtet, wie es eigentlich vorgeschrieben ist. Außerdem werden diese Liebhabertiere insbesondere im städtischen Bereich häufig von Tierarztpraxen betreut, die ihren Schwerpunkt bei Kleintieren wie Hund und Katze haben und die mit den gesetzlichen Vorgaben zur Schweinehaltung nicht so vertraut sind.

4

Wie kann die Ausbreitung eingedämmt werden?

Lokalzeit: Die Sorge bei den Landwirten in NRW steigt. Wovor haben die Landwirte konkret Angst?

Löbert: So, wie ich das erlebe, haben die Schweinehalter gleich vor mehreren Konsequenzen Angst. Einerseits natürlich davor, dass sich eigene Schweine mit ASP infizieren könnten. Dann müsste aus Gründen der Seuchenbekämpfung der gesamte Tierbestand getötet werden. Die Landwirte haben aber auch Angst davor, plötzlich mit ihrem Betrieb in einer Restriktionszone zu liegen, weil es in der Nachbarschaft bei Haus- oder Wildschweinen Ausbrüche gab.

Lokalzeit: Was passiert, wenn der Hof in einer Restriktionszone liegt?

Löbert: Dann dürfen erstmal keine Schweine mehr transportiert werden. Zu wissen, die eigenen Schweine werden immer schwerer, brauchen immer mehr Platz und können gerade aber nicht vermarktet werden - das ist nicht leicht. Noch heftiger ist das für Ferkelerzeuger. Es kommen ja immer neue Ferkel nach, die Älteren dürfen aber nicht verkauft werden. Es kann also sehr eng im Stall werden. Und dann ist da bei vielen Schweinehaltern die bange Frage: Wie wird sich wohl der Lebensmitteleinzelhandel verhalten? Bei Ausbrüchen in der Vergangenheit sind Mäster wochenlang auf ihren schlachtreifen Schweinen sitzen geblieben.

Lokalzeit: Um ein solches Szenario zu verhindern, gibt es das ASP-Früherkennungsprogramm. Was ist das genau?

Löbert: Bei einem Ausbruch von ASP gilt in dem betroffenen Gebiet eigentlich, dass keine Schweine mehr transportiert werden dürfen. Aber es gibt eine Ausnahme, und die hat die EU beschlossen. Wer nämlich freiwillig am Programm zur Früherkennung der Afrikanischen Schweinepest teilnimmt, stellt damit die Voraussetzungen für das Verbringen von Schweinen sicher und minimiert damit Verzögerungen bei der Vermarktung seiner Schweine.

Lokalzeit: Was halten Sie von dem Programm?

Löbert: Ich empfehle Schweinehaltern sehr, daran teilzunehmen. Was sie dafür tun müssen? Sie müssen einen sogenannten Biosicherheitsplan haben und diesen vom Veterinäramt genehmigen lassen. Außerdem muss der Betrieb zweimal jährlich eine klinische Untersuchung der Schweine auf Anzeichen der ASP durch einen amtlich beauftragten Tierarzt durchführen lassen. Eine wichtige Säule des Früherkennungsprogramms ist die wöchentliche Untersuchung von Blutproben verendeter Schweine, die dann bei einem staatlichen Untersuchungsamt untersucht werden. Die Kosten für die Untersuchung der Blutproben auf ASP übernimmt die Tierseuchenkasse NRW, wenn die Betriebe vorher ihre Teilnahme am Programm angemeldet haben. Die Idee dahinter ist einfach: Je öfter ich beprobe, desto schneller entdecke ich einen Ausbruch. Und je schneller so ein Fall erkannt wird, desto schneller kann die Seuche eingedämmt werden. Leider nehmen landesweit noch nicht viele Betriebe an diesem Früherkennungsprogramm teil, das dürften gerne mehr werden.

Weitere Beiträge aus der Landwirtschaft

1 / 2