Schweinepest im Sauerland
Aktuelle Stunde . 17.06.2025. 28:08 Min.. Verfügbar bis 17.06.2027. WDR. Von Anne Bielefeld.
Afrikanische Schweinepest: Fünf Fälle in NRW bestätigt
Stand:
Landwirtschaftsministerin Gorißen hat am Mittwoch bestätigt, dass inzwischen fünf tote Wildschweine mit dem Virus der Afrikanischen Schweinepest gefunden wurden. Im betroffenen Gebiet bei Olpe gilt eine Tierseuchenverordnung.
Wir wollen deine Meinung hören!
Jetzt mitdiskutierenAuch die vier weiteren, am vergangenen Samstag gefundenen toten Wildschweine im Kreis Olpe sind am Virus der Afrikanischen Schweinepest verendet. Insgesamt sind damit bislang fünf Todesfälle in NRW bekannt. Das bestätigte Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU) am Mittwoch vor dem Umweltausschuss im Landtag.
Die Suche mit Hunden nach weiteren Kadavern gehe weiter. Die Suchtrupps gingen dabei "sehr diskret" vor, um mögliche weitere infizierte Tiere nicht aufzuschrecken. So solle eine unnötige Verbreitung des für Schweine tödlichen Virus verhindert werden.
Jäger sollen Fleischproben abgeben
Derweil herrscht in dem betroffenen Gebiet, das als "infizierte Zone" ausgewiesen wurde, ein Jagdverbot. Jäger, die in den letzten Tagen Wildschweine erlegt haben, sollen Fleischproben zu Sammelstellen bringen. Dort stünden Kühlschränke, die "praktisch täglich" geleert würden, so Gorißen.
Menschen, die durch den Wald bei Olpe spazieren wollen, sollten die Wege nicht verlassen und Hunde anleinen. Auch an Schuhsohlen oder Kleidung könne das Virus hängen bleiben und weiter verbreitet werden.
Vergangene Woche hatte Gorißen bei einem Besuch im Kreishaus in Olpe den Menschen als die größte Gefahr für die Verbreitung des Virus bezeichnet.
Schutzradius von 15 Kilometern wegen Schweinepest eingerichtet
Gegen die weitere Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) arbeiten der zuständige Kreis Olpe und das Landeslandwirtschaftsministerium eng zusammen. Die Behörden legten in einem Radius von rund 15 Kilometern um den Fundort des nachweislich an der Schweinepest verendeten Tieres eine so genannte "infizierte Zone" fest, in der seit Dienstag Auflagen für Schweinehalter, Jäger und Hundehalter gelten.
Die Maßnahmen beinhalten:
- ein Jagdverbot mit wenigen Ausnahmen
- ein Transportverbot für Wildschweine und Schweine aus dieser Zone - gleiches gilt für Fleisch und Nebenprodukten von Schweinen
- Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen für diejenigen, die in Kontakt mit Wildschweinen in der Zone gekommen sind - das gilt auch für Autos und Hunde
- eine Leinenpflicht für private Hunde
Außerhalb der Zone gilt außerdem:
- ein Verbot der Freilandhaltung für Schweine
- eine Meldepflicht für Schweinehalter über die Anzahl ihrer Tiere sowie über Todesfälle und Krankheitsanzeichen
"Jetzt ist es zentral, dass es uns gelingt, die notwendigen Maßnahmen zur Eindämmung des lokalen Falls umzusetzen", sagte ein Sprecher aus dem nordrhein-westfälischen Landwirtschaftsministerium.
Weitere Kadaver gefunden - Virus inzwischen bestätigt
Der Kadaver lag vermutlich erst wenige Tage im Wald
Am Samstag hatte das Ministerium mitgeteilt, dass bei einem toten Wildschwein in der Gemeinde Kirchhundem die Afrikanische Schweinepest nachgewiesen worden war. Es war der erste nachgewiesene ASP-Fall in Nordrhein-Westfalen.
Am Sonntag hatte das Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz dann bestätigt, dass vier weitere tote Tiere aufgespürt wurden. Auch bei diesen verendeten Wildschweinen ist das Virus mittlerweile bestätigt.
Großangelegte Suchaktion
Rund 50 Einsatzkräfte suchen weitere tote Tiere
Entdeckt wurden die Tiere im Zuge einer Suchaktion, bei der rund 50 Einsatzkräfte das Gebiet in Olpe/Kirchhundem mit einer speziellen Hundestaffel nach Wildschwein-Kadavern absuchten - und auch fündig wurden.
Seitdem seien keine weiteren infizierten Tiere entdeckt werden, sagte Gorißen am Mittwoch. Systematisch werden immer weitere Kreise rund um den Ursprungsfundort durchsucht. Für den Olper Kreisveterinär Christian Kaiser ist es besonders wichtig, trotz aller Maßnahmen, Tiere nicht zu verschrecken und damit ungewollt zur Flucht anzustiften. Bereits seit Jahren wird jedes gemeldete verendete Tier auf das Virus hin untersucht.
Schweinezüchter seit langem vorbereitet
Robert Gördes ist Schweinezüchter in Sundern. Damit liegt sein Betrieb noch außerhalb der befallenen Zone. "Also da ändert sich momentan noch nichts wirklich", sagt er. Man sei jedoch schon seit langem auf eine solche Situation vorbereitet. Der Betrieb sei beispielsweise eingezäunt, um einen Zutritt von Wildschweinen zu verhindern.
Sollte die Schweinepest den Hof doch erreichen, müsse die Veterinärbehörde über das weitere Vorgehen entscheiden, meint Gördes. Man müsse jedoch davon ausgehen, dass der Betrieb dann komplett gekeult würde. Das heißt, alle Tiere würden vor Ort getötet und verladen werden. Die Stallungen müssten gereinigt und desinfiziert werden. Dann müssten die Stallungen vermutlich erst mal leer stehen. Gördes erklärt: "Wir züchten Tiere. Das bedeutet, eh wir wieder auf dem Stand sind, wie wir heute sind, würde es etwa zweieinhalb Jahre dauern."
Afrikanische Schweinepest für Menschen ungefährlich
Die Afrikanische Schweinepest ist für Menschen sowie für andere Haus- und Nutztiere ungefährlich. Für Haus- und Wildschweine verläuft jedoch eine Infektion mit dem ASP-Virus fast immer tödlich. Eine Impfung gibt es nicht.
Daher ist das oberstes Ziel der Fachleute, eine Ausbreitung der Tierseuche zu verhindern. Ein Expertenteam aus Epidemiologen unterstützt die Veterinärbehörde des Kreises Olpe vor Ort.
Von Waldspaziergängen absehen
Auch das Kreisveterinäramt appelliert an alle Bürgerinnen und Bürgern aus Kirchhundem, den Wald momentan großflächig zu meiden. Außerdem soll niemand alleine auf die Suche nach toten Tieren gehen. Unter allen Umständen soll verhindert werden, dass das bestehende Wild aufgeschreckt wird, um eine Verschleppung des Virus in bisher ASP-freie Gebiete vorzubeugen.
Tote Wildschweine melden
Schutzzonen im Wald sind eingerichtet
Dennoch bittet das Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministerium darum, Funde von toten Wildscheinen auch außerhalb des Kreises Olpe unmittelbar zu melden. Wer tote oder auffällige Tiere entdecke, solle sich sofort mit Angabe des Standorts und gegebenenfalls mit Fotos bei der Bereitschaftszentrale des LANUV (Tel.: 02 01/71 44 88 oder nbz@lanuv.nrw.de) melden.
2024 erste Ausbrüche in Hessen und Rheinland-Pfalz
Die ursprünglich in Afrika verbreitete Schweinepest wurde 2014 erstmals in der Europäischen Union nachgewiesen. NRW hat bereits seit langem vorbeugende Maßnahmen gegen ASP ergriffen und sich auf einen Ausbruch der Tierseuche vorbereitet.
Im Juni 2024 wurde die Erkrankung erstmals bei Wildschweinen in den benachbarten Bundesländern Hessen und Rheinland-Pfalz nachgewiesen.
Schweinepest bei Wildschwein bestätigt
NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU) hatte bereits vergangenes Jahr gesagt, dass ein Ausbruch der Schweinepest in NRW keine Frage des Ob, sondern des Wann sei.
Der Mensch ist Haupt-Risikofaktor
Neben dem direkten Kontakt zu infizierten Wildschweinen gelten wir Menschen und unser Verhalten als Hauptübertragungsquelle. Über Kleidung, Schuhe, Autoreifen oder über Essensreste wie etwa ein achtlos weggeworfenes Wurstbrot durch Reiserückkehrer an einer Raststätte kann das Virus übertragen und verbreitet werden. Es wird zum Beispiel vermutet, dass der Ausbruch im Rhein-Main-Gebiet durch Speisereste verursacht wurde.
Unsere Quellen:
- Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW
- Sitzung Ausschuss für Umwelt, Landwirtschaft, Forsten und ländliche Räume am 18.06.25
- Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband
- Deutsche Presseagentur dpa
- WDR-Reporter begleitet die Suche
Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes stand fälschlicherweise, dass auch zwei Hausschwein-Bestände in NRW betroffen seien. Das haben wir korrigiert und bitten, unseren Fehler zu entschuldigen.
5 Kommentare
Kommentar 5: Jörg Süwolto schreibt am 19.06.2025, 16:13 Uhr :
Ich verstehe das an dieser Stelle stattfindende Hundehalterbashing gar nicht. Anstatt pauschal sinnbefreit daher zu schreiben, sollte man sich vielleicht einmal mit dem Übertragungsweg des Virus beschäftigen, z.B durch Zecken, weggeworfene kontaminierte Lebensmittel, Beutegreifer (Wolf) und Wildschweine die Kadaver von infizierten Artgenossen fressen. Ausserdem kann auch ein ordnungsgemäß angeleinter Hund, genauso wie sein Herrchen/Frauchen über Kontakt zu infizierten Ausscheidungen das Virus verbreiten. Dies gilt auch für Wanderer, Jogger, Biker, Walker, usw.. Der Erreger hat eine sehr hohe Umwelresistenz und bleibt daher sehr lange infektiös. Also, wie früher in der Schule, erst recherchieren, dann denken und sich dann äußern. Vielen Dank.
Antwort von Anonym , geschrieben am 20.06.2025, 09:48 Uhr :
Das ist richtig, aber leider ist die Mehrheit , für mein Empfingen, der Hundehalter beratungsresistent. Daher hat das Thema ein großes Streitpotential.
Kommentar 4: Dani L schreibt am 18.06.2025, 11:32 Uhr :
Ja ja immer schön den Wau Wau ohne Leine im Wald laufen lassen, kontrolliert ja eh keiner und der kleine Menschenersatz verteilt schön die Schweinepest. Macht ja nix, Hauptsache die Kotpumpe ist zufrieden
Kommentar 3: Frischling schreibt am 17.06.2025, 18:13 Uhr :
Globalisierung ist nicht nur ein Segen. Viren die aus abgelegenen Orten die Weltreise antreten sind an der Tagesordnung. Vor 20 Jahren wurden alle Überseecontainer begast um evtl. Wirtstiere zu erledigen. Aber wir Alle tragen auch dazu bei mit exotischen Mitbringseln ( die dem Zoll durchgehen) den Viren dieser Welt Tor und Tür zu öffnen. Und da sind die nicht angeleinten Hunde, die auch so nerven, das kleinere Übel.
Kommentar 2: Axel schreibt am 17.06.2025, 16:28 Uhr :
Eine Karte mit Betroffenen Gebieten oder ein Link dorthin wäre hilfreich.
Kommentar 1: Brianna Harer schreibt am 17.06.2025, 13:08 Uhr :
.... bin mal gespannt, wieviele sich nicht an die Leinenpflicht bei Hunden halten, das kriegen ja jetzt die meisten schon nicht hin. ... weder aus Rücksicht bei Begegnungen mit anderen Hunden oder aus Rücksicht der Natur gegenüber oder in der Brut und Setzzeit .
Antwort von Axel , geschrieben am 17.06.2025, 16:29 Uhr :
Da stimme ich Ihnen zu! Es gibt verantwortungsvolle Hundehalter und solche, die es weniger sind.
Antwort von Udo Scharfenstein , geschrieben am 17.06.2025, 17:48 Uhr :
Ehr nein, ist halt ein ewiger Kindergarten mit den lieben Hundehaltern. Die Behörden sind, selbst bei bestem Willen, gar nicht in der Lage da irgendwas durch zu setzen.🤷