Schweinepest - Regeln werden verschärft
01:44 Min.. Verfügbar bis 17.07.2027.
In NRW wurden inzwischen 26 Fälle bestätigt. Im Sauerland muss der Rothaarsteig-Marathon abgesagt werden. Denn die Afrikanische Schweinepest droht sich auszubreiten. Die Wildschweine sollen durch den Menschen nicht aufgescheucht werden.
Der Fund infizierter Tiere wirft viele Fragen auf: Können sich Menschen mit dem Virus anstecken? Darf man jetzt noch im Wald spazieren gehen? Ist infiziertes Schweinefleisch gefährlich? Ein Überblick.
- Ist die Afrikanische Schweinepest für den Menschen gefährlich?
- Für wen ist das ASP-Virus gefährlich?
- Was weiß man über die neue Virusvariante?
- Welche Tiere können die Afrikanische Schweinepest kriegen?
- Können Menschen sich über verzehrtes Schweinefleisch anstecken?
- Darf man Schweinefleisch von infizierten Tieren essen?
- Woran erkenne ich Fleisch von Schweinen, die das ASP-Virus hatten?
- Wie gefährlich ist die Afrikanische Schweinepest?
- Soll ich meine im Wald benutzte Kleidung desinfizieren?
- Wie finde ich heraus, ob ein Wald wegen ASP-Fällen eine Sperrzone ist?
- Ist die Afrikanische Schweinepest eine Gefahr für meinen Hund?
- Was muss ich tun, wenn ich ein infiziertes Wildschwein im Wald sehe?
- Welche Tierseuchen sind anzeigepflichtig?
Ist die Afrikanische Schweinepest für den Menschen gefährlich?
Nein, Menschen können sich nicht mit dem ASP-Virus infizieren.
Für wen ist das ASP-Virus gefährlich?
Die Afrikanische Schweinepest ist nur für Haus- und Wildschweine gefährlich, da das Virus nur diese Tiere befällt. Für Haus- und Wildschweine ist es eine hochansteckende, unheilbare Virusinfektion, die fast immer innerhalb weniger Tage zum Tod der infizierten Schweine führt. Es gibt keine Impfung.
Was weiß man über die neue Virusvariante der Schweinepest?
"Die Variante aus NRW unterscheidet sich signifikant sowohl von den bisher bekannten westdeutschen Fällen in Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg als auch von den Varianten aus den östlichen Bundesländern (Sachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern)“, sagt das Friedrich-Loeffler-Institut. Nah verwandte Viren kämen aber in der italienischen Region Kalabrien vor. Wie genau das Virus von dort nach NRW gekommen ist, sei unklar – ebenso die Antwort auf die Frage, ob sich die neue Virusvariante möglicherweise schneller ausbreiten kann. Ob die Variante infektiöser sei, könne man noch nicht ableiten. "Dazu sind weitere Untersuchungen nötig", sagte eine Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts auf WDR-Nachfrage.
Welche Tiere können die Afrikanische Schweinepest kriegen?
Die Afrikanische Schweinepest können nur Haus- und Wildschweine bekommen. Haustiere wie Hunde und Katzen oder Wildtiere wie beispielsweise Rehe und Hirsche können sich nicht anstecken. Aber sie alle können - ebenso wie der Mensch - das Virus weiterverbreiten. Schweine können sich im direkten Kontakt mit anderen Schweinen anstecken - über Blut und Speichel, oder wenn sie virushaltige Gegenstände, Speisereste oder Fleischprodukte fressen. Eine Tröpfcheninfektion über die Luft ist nicht möglich.
Können Menschen sich über verzehrtes Schweinefleisch anstecken?
Nein, Menschen können sich nicht mit dem ASP-Virus infizieren - auch nicht über die Aufnahme von verseuchten Nahrungsmitteln.
Darf man Schweinefleisch von infizierten Tieren essen?
Nein, man darf aus seuchenschutztechnischen Gründen kein infiziertes Fleisch essen. Die Afrikanische Schweinepest stellt keine Gefahr für Menschen dar. Allerdings könnte etwa die Entsorgung von Fleischresten für die Weiterverbreitung der Seuche sorgen.
Die Entsorgung von infizierten Fleischresten könnte die Seuche weiterverbreiten.
Woran erkenne ich Fleisch von Schweinen, die das ASP-Virus hatten?
Verbraucherinnen und Verbraucher können nicht erkennen, ob es sich möglicherweise um ASP-viruslastiges Fleisch handelt. Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat geht davon aus, dass verseuchtes Fleisch nicht in den Handel gelangt. Experten aus der Agrarwirtschaft halten es gar für unmöglich, dass infizierte Tiere in die Lebensmittelkette gelangen. Die Afrikanische Schweinepest verlaufe so akut, dass die Symptome sehr schnell zu erkennen seien. Zudem müssten Betriebe in den Restriktionsgebieten eine Vielzahl an Auflagen erfüllen.
Wie gefährlich ist die Afrikanische Schweinepest?
Für Haus- und Wildschweine verläuft eine Infektion mit dem ASP-Virus fast immer tödlich. Andere Haus- oder Nutztiere sowie Menschen können sich nicht anstecken. Für sie ist die Afrikanische Schweinepest nicht gefährlich.
Soll ich meine im Wald benutzte Kleidung desinfizieren?
Kleidung und ähnliche Gegenstände müssen nur desinfiziert werden, wenn sie Kontakt mit Wildschweinen, Blut, Kot, Körperflüssigkeiten oder Wildschweinkadavern hatten. Kleidung kann 20 Minuten bei 60 Grad gewaschen werden.
Der ASP-Erreger ist sehr widerstandsfähig. Er ist auch bei einem verwesten Schweinekadaver mehrere Wochen bis Monate infektiös.
Wie finde ich heraus, ob ein Wald wegen der Afrikanischen Schweinepest eine Sperrzone ist?
Hunde sind nicht gefährdet.
Die zuständige Veterinärbehörde macht öffentlich, welche Zonen gesperrt sind. Dabei gibt es eine Sperr- und eine Pufferzone. Die betroffenen Gebiete werden mit Schildern gekennzeichnet. Bei Fragen kann man sich bei der für das betroffene Gebiet zuständigen Behörde melden.
Ist die Afrikanische Schweinepest eine Gefahr für meinen Hund?
Nein, nur Schweine und Wildschweine können sich mit der Afrikanischen Schweinepest infizieren. Hunde sind nicht gefährdet. Aber es besteht die Gefahr, dass Hunde das Virus verschleppen können. Deshalb herrscht in den betroffenen Gebieten eine Anleinpflicht für Hunde.
Was muss ich tun, wenn ich ein infiziertes Wildschwein im Wald sehe?
Man sollte sich generell von Wildschweinen fernhalten. An dem Virus erkrankte Tiere zeigen teils eine verringerte Fluchtbereitschaft oder andere Auffälligkeiten wie Desorientierung. Auch Wildschwein-Kadaver können noch infiziert sein.
Auffälligkeiten können beim Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministerium gemeldet werden:
- Telefon: 0201 714488
- E-Mail: nbz@lanuv.nrw.de
Welche Tierseuchen sind anzeigepflichtig?
Es besteht ein Unterschied zwischen Anzeigepflicht und Meldepflicht. Bei einer Meldepflicht müssen nur bestätigte Fälle gemeldet werden, die Anzeigepflicht ist strenger: Hier muss schon der Verdacht angezeigt werden.
Bei anzeigepflichtigen Tierseuchen greift der Staat bei der Eindämmung und Bekämpfung ein: "Wenn eine Tierseuche als sehr gefährlich eingestuft wird, weil sie gravierende Auswirkungen auf die Volkswirtschaft und den Handel mit Tieren oder ein großes Risiko für die menschliche Gesundheit hat, wird sie anzeigepflichtig", heißt es beim Informationszentrum Landwirtschaft.
Zu den bekanntesten Tierseuchen, die anzeigepflichtig sind, gehören:
- Milzbrand
- Blauzungenkrankheit
- Geflügelpest
- Maul- und Klauenseuche
- Rinderpest
- Tollwut
- Amerikanische Faulbrut
Zu den meldepflichtigen Krankheiten gehören beispielsweise Toxoplasmose, Vogelpocken, Listeriose und SARS-CoV-2-Infektionen bei Haustieren.
Unsere Quellen:
- Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat
- Nachrichtenagentur dpa
- WDR-Reporter vor Ort im Kreis Olpe
- Pressestelle Friedrich-Loeffler-Institut
- Bericht des Friedrich-Loeffler-Instituts: Afrikanische Schweinepest in Nordrhein-Westfalen: Nächstverwandte Viren stammen aus Süditalien
- Bundesinformationszentrum Landwirtschaft
- Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat