Hilferuf wegen Sicherheit in der Dortmunder Innenstadt

WDR 02:34 Min. Verfügbar bis 11.03.2037

Drogenabhängige Hilferuf wegen Sicherheit in der Dortmunder Innenstadt

Stand:

Der Dortmunder Handel hat wegen der vielen Drogenabhängigen in der Stadt einen Hilferuf an die Politik geschickt. Zum ersten Mal scheint eine Lösung des langjährigen Streits möglich. Der Sozialausschuss der Stadt hat am Dienstag zu dem Thema getagt.

"Das Sicherheitsgefühl (...) ist in Teilen der Innenstadt weiterhin erheblich beeinträchtigt", schreibt der Handel in einem Brief an die Dortmunder Politik. Kunden blieben wegen der Situation weg, Kaufkraft falle weg und Händler müssten immer mehr Geld für Sicherheitspersonal ausgeben, heißt es in dem Offenen Brief. Neben der Vereinigung der City-Händler haben diesen auch der Handelsverband Westfalen-Münsterland und die Industrie- und Handelskammer unterzeichnet.

"Wir erwarten, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen." Appell im Offenen Brief vom City-Ring (Dortmunder City-Kaufleute) an die Dortmunder Politik

Seit Jahren streitet die Politik in Dortmund über den Umgang mit hunderten Drogenabhängigen und Bettlern in der Stadt. Die Situation war auch das Hauptthema im Wahlkampf vor einem halben Jahr. Das Problem sei "hinlänglich bekannt", schreiben die Händler und appellieren an die Politik: "Wir erwarten und fordern, dass alle Beteiligten - Verwaltung, Politik und Akteure vor Ort - jetzt geschlossen und ohne Verzögerung gemeinsam an einem Strang ziehen".

Parteien diskutieren über "Zürcher Modell"

Die Händler reagieren damit auf eine Veranstaltung von SPD und Grünen zum "Zürcher Modell", das sie in der vergangenen Woche im Rathaus vor Publikum diskutiert haben. Zugeschaltet war eine Vertreterin aus Zürich. In den 1980er galt Zürich als Drogen-Hauptstadt Europas. Heute sind dort kaum noch Abhängige auf der Straße zu sehen. Dank des Zürcher Modells, das auf vier Säulen beruht: Prävention, Repression, Therapie und Schadensminderung. Der Handel sprach sich ausdrücklich für dieses Modell aus.

Veranstaltung von SPD und Grünen im Dortmunder Rathaus zum Zürcher Modell

Veranstaltung von SPD und Grünen im Dortmunder Rathaus zum Zürcher Modell

Sozialausschuss Dortmund beschliesst Einstieg in Zürcher Modell

Am Dienstag hat der Sozialausschuss der Stadt Dortmund einen Einstieg in das Zürcher Modell beschlossen. Dafür reichte die Mehrheit von SPD, Grünen und Linken, die einen gemeinsamen Antrag eingebracht hatten. Die CDU, die das Modell 2023 schon einmal in die Diskussion gebracht hatte, enthielt sich. Die Christdemokraten hatten noch Beratungsbedarf. Die AfD lehnt das Zürcher Modell.

In den 1980er galt Zürich als Drogen-Hauptstadt Europas.

In den 1980er galt Zürich als Drogen-Hauptstadt Europas.

Mehr Hilfen, aber auch mehr Druck auf Abhängige

Im Grundsatz besteht trotz der Enthaltung der CDU Einigkeit. Allerdings war die Debatte von gegenseitigem Misstrauen geprägt. Die linken Parteien glauben, dass die CDU zu sehr auf Kontrollen und Repressionen setzen will. Die CDU wiederum fürchtet, dass SPD, Grüne und Linke in erster Linie Hilfsangebote entwickeln wollen. CDU-Fraktionschef Jendrik Suck betonte im Gespräch mit dem WDR: "Es kann nicht sein, dass wir die eine Seite des Zürcher Modells machen, die anderen nicht".

Letztendlich müssten SPD, Grüne und LInke genauso wie die CDU über ihren Schatten springen, will man das Zürcher Modell konsequent umsetzen. Rot-Rot-Grün könnte die Null-Toleranz-Politik in Zürich Probleme bereiten. Drogenkonsum und Betteln sind dort in der Öffentlichkeit verboten. Die CDU müsste akzeptieren, dass weitere Drogenkonsumräume in der Stadt gebaut werden und dass der umstrittene Raum in der Innenstadt erhalten bleibt.

Jendrik Suck, Fraktionsvorsitzender der CDU-Ratsfraktion in Dortmund an einem Schreibtisch sitzend

Jendrick Suck, CDU-Fraktionsvorsitzender im Rat Dortmund

Kann sich die Politik einigen?

Der Beschluss gestern im Sozialausschuss war erst der Einstieg in die Debatte. Das Konzept wird in weiteren Ausschüssen beraten und muss letztendlich im Mai im Rat endgültig auf den Weg gebracht werden. SPD und Grüne haben die Hoffnung, dass es dann eine breite Mehrheit zusammen mit der CDU geben könnte. Das wäre wohl auch im Sinne der Innenstadt-Händler, die in ihrem offenen Brief schreiben, dass es jetzt ein abgestimmtes Verhalten "frei von politischem Taktieren" geben müsse.

Hilferuf wegen Sicherheit in der Dortmunder Innenstadt

WDR 28.04.2026 00:38 Min. Verfügbar bis 27.04.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • Offener Brief
  • WDR-Reporter bei der Diskussionsveranstaltung von SPD und Grünen
  • SPD-Fraktion Dortmund
  • Christoph Naumann, Fraktion Die Grünen - Volt Dortmund
  • Jendrik Suck, CDU-Fraktionsvorsitzender
  • Gemeinsame Presseerklärung von SPD, Grünen und Linkspartei
  • WDR - Reporter im Sozialausschuss der Stadt Dortmund

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Dortmund, 27.04.2026, 19.30 Uhr

Sendung: WDR.de, Umgang mit Süchtigen im Sozialausschuss: Wie geht es weiter, 28.04.2026, 19.32 Uhr

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