Das Zürcher Modell: Vorbild für das Kölner Drogenproblem
Lokalzeit aus Köln. 11.09.2025. 05:00 Min.. Verfügbar bis 11.09.2027. WDR. Von Markus Schmitz, Jochen Hilgers.
Wir sind in der Züricher Innenstadt. Florian Meyer, Typ cooler junger Familienvater, zeigt uns eine von drei Einrichtungen des sogenannten "Zürcher Modells". Im Umfeld gibt es Büros, coole Kneipen, Co-Working-Spaces.
"Konsum- und Anlaufstelle" steht auf einer Tafel am Eingang eines Hauses. Dass hier in diesem Gebäude jede Menge härtester Drogen konsumiert werden, ist nicht zu erkennen. Der schlauchähnliche Eingang wird von zwei freundlichen Sicherheitsleuten bewacht. Die Abhängigen, die wie im Taubenschlag kommen und gehen, grüßen höflich, viele kennen sich seit Jahren.
Kleine Drogendeals dulden
Florian Meyer, Leiter des Zürcher Modells
Florian Meyer leitet das Zürcher Modell seit acht Jahren und wirbt bei internationalen Tagungen, auf Seminaren oder bei Interviews in Radio und Fernsehen dafür. Die Stadt hatte vor allem in den neunziger Jahren ein massives Problem mit ausufernder Drogenkriminalität. Die Bilder gingen um die Welt.
Durch das Zürcher Modell bekam die Stadt das Problem in den Griff, sagt Florian Meyer. Er lädt uns zum Rundgang ein. Der Schlüssel zum Erfolg sei, dass in den Einrichtungen der Handel mit kleinen Drogenmengen geduldet sei. Das nehme den Beschaffungsdruck, sagt Meyer weiter.
Im hinteren Eingangsbereich ist die Zone, in der gehandelt wird. „Aber nur im Microbereich“, versichert Meyer. Beim Handel von größeren Mengen würde man sofort die Polizei rufen.
Konsum auf der Straße führt zu Druck
Desmond hat Kokain erworben. Es sind zwei winzig kleine Kristalle. In aller Ruhe bereitet er den Konsum vor, schraubt die Pfeife zusammen, entzündet die Kristalle. Er inhaliert sie in einem tiefen Zug, behält den Rauch lange in der Lunge. Danach guckt er zufrieden.
Desmond ist abhängig und konsumiert im Drogenkonsumraum Crack
Alleine die Tatsache in Ruhe den Konsum vorbereiten zu können, würde viel Stress nehmen, erfahren wir. Auf der Straße sei das anders. Dort gibt es Druck, Gewalt und Verwahrlosung. Hier, in der Konsum- und Anlaufstelle, sind Bilder der Verwahrlosung die Ausnahme. Obwohl viele Süchtige Crack rauchen, das genau dafür verantwortlich gemacht wird.
Crack rauchen auf dem Vormarsch
Es gibt verschiedene Konsumräume, die uns Florian Meyer zeigt. Mittlerweile wird überwiegend Kokain konsumiert, Crack geraucht. In einem Raum sitzen circa 15 Süchtige zusammen und konsumieren. Crack gilt nicht nur als schnell süchtig machend. Auf der Straße reagieren viele auch aggressiv. Hier ist das anders. Die Menschen gehen gelassen miteinander um.
Aufenthaltsraum einer Konsum- und Anlaufstelle in Zürich
Es geht hier nicht nur um Konsum. Mittags wird gekocht. Es gibt einen Wäschedienst. Es kann hier geschlafen werden zu jeder Zeit. Kein Vergleich zum Leben auf der Straße. Drei Einrichtungen gibt es in Zürich für 1.000 Süchtige. Sie öffnen und schließen nacheinander, so dass die Szene in Bewegung bleibt. Ruhetage gibt es nicht.
Florian Meyer ist mittlerweile in Deutschland ein gefragter Mann und reist von Expertenrunde zu Expertenrunde. Am Freitag ist der 42-Jährige bei der NRW-Landespräventionskonferenz in Dortmund.
Unsere Quellen:
- Florian Meyer, Leiter Zürcher Modell