Kaum Kontrollen: LKW auf maroden Brücken | Westpol

05:30 Min. Verfügbar bis 15.02.2028

Überladene Lkw: Nur wenige werden in NRW erwischt

Stand:

Fahrverbote für schwere Lkw auf maroden Brücken werden nur selten kontrolliert. Die Schäden dadurch sind groß. Sperrungen drohen.

900 Leute hat das zuständige Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM) bundesweit für Lkw-Kontrollen zur Verfügung. Das wirkt viel, sei aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn man rund um die Uhr im Einsatz sein wolle, stellt Stefan Attermeier, Regionalkoordinator beim BALM in Münster fest. Da sei der Kontrolldruck nicht sehr hoch. "Also die Unternehmer kalkulieren das schon ein, dass sie mehr laden und dadurch mehr Gewinn haben", so Attermeier im WDR-Interview.

Nur sieben LKW an einem Vormittag kontrolliert

Ein LKW wird vor der Wiehltalbrücke von zwei Männern in gelben Jacken kontrolliert.

Für das WDR-Magazin Westpol hat ein Kamerateam eine Kontrolle des BALM an der Wiehltalbrücke auf der A4 zwischen Köln und Olpe begleitet. Die Wiehltalbrücke ist so marode, dass sie kurz vor einer Vollsperrung stand. Deshalb gilt für Schwerlastverkehr ein Fahrverbot und die Achslast der Lkw darf jeweils maximal 11,5 Tonnen betragen. Die BALM-Kontrolleure holen verdächtige LKW auf eine Rastanlage und wiegen dort jede Achse einzeln. Das dauert. Denn die Fahrer müssen auf eine Platte fahren, die aussieht wie eine Personenwaage, die man zu Hause hat, nur viel größer. An einem Vormittag schaffen die Kontrolleure so gerade sieben Fahrzeuge.

Viele Verstöße auf der Wiehltalbrücke

Bei einer Kontrolle hat ein Brummi mit Anhänger zu schwere Betonteile geladen. Der Fahrer berichtet, dass dies seine erste Kontrolle in 25 Berufsjahren sei. Auch wenn er als Konsequenz den Anhänger abkoppeln muss und nur mit der Zugmaschine weiterfahren darf, findet er Kontrollen grundsätzlich richtig. Im Falle einer Brückensperrung würden Umwege die Firmen Unmengen an Geld kosten, sagt er. Doch viele Speditionen haben diese Einsicht offenbar nicht. Laut Autobahn GmbH waren auf der Wiehltalbrücke zu Beginn des Jahres im Schnitt 234 LKW pro Woche schwerer als die erlaubten 44 Tonnen.

Besondere Gefahr durch zu hohe Achslasten

Dr.-Ing. Dirk Kemper, Lehrstuhl und Institut für Straßenwesen

Prof. Dirk Kemper vom Institut für Straßenwesen der RWTH

Gerade zu hohe Achslasten sind für die Brücken besonders gefährlich. Die Belastung steigt exponentiell, erklärt Dirk Kemper vom Institut für Straßenwesen an der RWTH Aachen. Bei 20 Tonnen sei die Straßenschädigung sechzehnfach höher als bei einer Achslast mit nur 10 Tonnen. Unter einer so starken Belastung auf einer begrenzten Fläche würden die Materialien darunter versagen, weil sie dafür nicht dimensioniert worden seien, so Kemper. Ein Großteil der Brücken in NRW wurde in den 1960er und 1970er Jahren gebaut.

Dynamische Messverfahren überfällig

Der Aachener Ingenieur fordert deshalb mehr Kontrollen durch andere Messverfahren. Schon lange arbeiten Wissenschaftler wie er an  einem dynamischen Verfahren "Weigh-In-Motion", bei dem Messstreifen in der Fahrbahn liegen und jedes Fahrzeug bei Überfahrt wiegen. Das BALM plant bis zum Sommer 16 Anlagen bundesweit an Autobahnen einzurichten - zwei davon in NRW. Das Problem: Die Fehlerquote liegt bei fünf Prozent und damit höher als vorgeschrieben, um Verstöße gerichtsfest ahnden zu können. Doch das könnten die Systeme nicht erreichen, weil unterschiedliche Güter oder Fahrzeugschwingungen Einfluss auf das Wiegeergebnis hätten, erklärt Dirk Kemper. Deshalb fordert er von Politik und Gesetzgeber, das Ahndungsverfahren entsprechend zu ändern.

Landesregierung fordert höhere Bußgelder

NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (B‘90/Grüne) sieht ein weiteres Problem: Die Bußgelder seien zu niedrig. In einem Brief an den Bundesverkehrsminister erwähnt Krischer als Beispiel, "dass die übermäßige Straßennutzung, also das Führen eines Fahrzeugs ohne Erlaubnis, dessen Abmessungen, Achslasten oder Gesamtmasse die gesetzlichen Grenzen tatsächlich überschreiten, lediglich mit 60 Euro geahndet wird." Im Westpol-Interview betonte er, die aktuellen Bußgelder hätten keine abschreckende Wirkung. Bei bewusstem und organisiertem Vorgehen handele es sich aus seiner Sicht um eine Straftat. Die Landesregierung fordert vom Bund, die Strafen zu erhöhen und bereitet eine Bundesratsinitiative dazu vor.

Verkehrsminister Oliver Krischer im Westpol-Interview

05:27 Min. Verfügbar bis 15.02.2028

Schrankenanlage als letztes Mittel

Um die Wiehltalbrücke befahrbar zu halten, bereitet die Autobahn GmbH eine Schrankenanlage vor, um zu schwere Lkw an der Überfahrt zu hindern. Der Preis dafür werden lange Staus sein. Doch Stand jetzt gibt es keine Alternative. Denn bis zu einem Neubau der Brücke werden noch viele Jahre vergehen.

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporterin vor Ort
  • Bundesamt für Logistik und Mobilität
  • Autobahn GmbH
  • Verkehrsministerium NRW
  • Institut für Straßenwesen RWTH Aachen

Sendung: WDR Fernsehen, Westpol, 15.02.2026, 19.30 Uhr
Sendung: WDR 5, Westblick, 16.02.2026, 17:05 Uhr

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