Eine verschmierte und mit Brettern verschlossene Hausfassade

Kampf gegen Problemimmobilien Mönchengladbach will Druck auf Hausbesitzer ausüben

Stand:

Mit einer Taskforce will die Stadt Missstände schneller angehen und beheben. In Nachbarkommunen gibt es damit gute Erfahrungen.

SPD und CDU in Mönchengladbach wollen die aus ihrer Sicht zunehmenden Missstände in Wohnhäusern schneller und effektiver bekämpfen. Der Planungs- und Bauausschuss hat am Dienstag beschlossen, die Einrichtung einer fachübergreifenden Taskforce auf den Weg zu bringen. Darüber muss noch der Rat abschließend entscheiden.

Damit sollen künftig alle rechtlichen Möglichkeiten besser ausgeschöpft werden, um untätige Eigentümer oder Vermieter von Wohnimmobilien zum Handeln zu bewegen.

Politik: Missstände nehmen zu

Aus Sicht von SPD‑Fraktionschef Janann Safi nehmen die Probleme rund um Immobilien in den vergangenen Jahren zu. Im vergangenen Jahr hatte beispielsweise eine Rattenplage rund um mehrere Häuserblöcke im Stadtteil Hardterbroich‑Pesch für Schlagzeilen gesorgt. Oft im Fokus: der LEG‑Konzern als Vermieter.

Ein junger Mann im Anzug, weißem Hemd, mit dunklen Haaren und Bart

Mönchengladbachs SPD-Fraktionschef Janann Safi

Auch andere Städte kämpfen gegen sogenannte Problemimmobilien und versuchen, etwas gegen massive bauliche Mängel, fehlenden Brandschutz und eine völlige Verwahrlosung zu unternehmen.

Denn laut Safi würden die Problemimmobilien auch die Nachbarschaft in Mitleidenschaft ziehen. "Wir wollen alle Fachbereiche in der Taskforce bündeln, vom Infektionsschutzrecht bis zum Ordnungs- und Baurecht, damit die Stadt künftig schneller eingreifen kann", so Safi.

Ziel: Bewohner schützen und Häuser in Schuss halten

Eine bröckelnde Hausfassade

Eine heruntergekommene Hausfassade in Mönchengladbach

Die Taskforce soll nach Vorstellung der Politik auch effektiver gegen Eigentümer oder Vermieter vorgehen können, von Verfügungen bis hin zur Ersatzvornahme. In diesem Fall würde sich die Stadt selbst um die Beseitigung von Missständen kümmern, die Kosten müsste aber der Vermieter tragen.

Ein anderer Aspekt des SPD/CDU-Antrags: Die städtische Wohnungsaufsicht soll ausgebaut werden, mit einem Außendienst, der in bekannten Problemvierteln Präsenz zeigt und mit Infoveranstaltungen als Ansprechpartner für Bewohner in betroffenen Häusern da ist.

Positive Erfahrungen in Krefeld und Duisburg

Immobilie in NRW

Die Krefelder Taskforce hat bereits mehr als 200 Gebäude überprüft

In einigen Nachbarkommunen sind bereits solche Taskforces gegen Problemimmobilien im Einsatz - aus Sicht der Verwaltungen mit positiven Effekten. In Krefeld wurden laut Stadt seit 2020 mehr als 200 Gebäude von einer fachübergreifenden Arbeitsgruppe kontrolliert und die zuständigen Eigentümer kontaktiert.

"Nach aktueller Erfassung durch den Koordinator für Problemimmobilien werden derzeit rund 50 als Problemimmobilien im Fokus stehende Objekte saniert bzw. modernisiert. Bei rund 55 Gebäuden sind diese Maßnahmen bereits abgeschlossen und die Häuser wieder bewohnt", zieht die Stadt eine positive Bilanz.

Stadtschlösschen soll saniert werden

So soll in Krefeld zum Beispiel das Stadtschlösschen am Krefelder Südwall jetzt in einer rund zweijährigen Bauzeit aufwendig saniert werden. Das denkmalgeschützte Juwel steht seit fast zehn Jahren leer. Ein Verkaufsversuch für 800.000 Euro im unsanierten Zustand scheiterte über Jahre hinweg. Nach intensiven Verhandlungen hat sich der Eigentümer jetzt doch zur Eigeninvestition durchgerungen. Auch hier erhofft sich die Stadt Krefeld eine Signalwirkung für das gesamte Quartier.

Auch die Stadt Duisburg spricht von "durchweg positiven Erfahrungen" mit der seit zehn Jahren tätigen Taskforce für Problemimmobilien: "Insbesondere der Schutz der Bewohner konnte deutlich gestärkt werden. Missstände in Problemimmobilien werden schneller erkannt und konsequenter verfolgt." Allerdings gibt es am Vorgehen der Duisburger Taskforce immer wieder Kritik, etwa von Bewohnern eines Problemhauses, die sehr kurzfristig ihre Wohnungen räumen mussten.

Land will Möglichkeiten für Städte erweitern

Ina Scharrenbach geht mit einer Handtasche in der Hand durch den Landtag NRW

NRW-Kommunalministerin Ina Scharrenbach (CDU)

Mit dem Vorstoß will die Mönchengladbacher Politik auch die zusätzlichen Handlungsmöglichkeiten für Städte nutzen, die die NRW-Landesregierung mit dem "Faires-Wohnen-Gesetz" schaffen will, das voraussichtlich bis zum Sommer verabschiedet werden soll.

Eine der geplante Maßnahmen: Eine Treuhandverwaltung soll bei untätigen Eigentümern, deren Immobilien verwahrlosen, die Verwaltung des Gebäudes übernehmen können. Als letztes Mittel soll auch eine Enteignung möglich sein. So will das Land zusammen mit den Kommunen Problemimmobilien besser und schneller in den Griff bekommen.

Mönchengladbach will Taskforce

WDR Studios NRW 00:40 Min. Verfügbar bis 19.04.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

  • WDR-Gespräch mit Janann Safi, SPD Mönchengladbach
  • Gemeinsamer Antrag von SPD und CDU für den Planungs- und Bauausschuss
  • Stadt Krefeld
  • Stadt Duisburg
  • NRW-Kommunalministerium

Sendung: WDR.de, Mönchengladbach will Taskforce, 21.04.2026, 05.40 Uhr

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