Wie Krefeld und Mönchengladbach Schrottimmobilien beleben

Lokalzeit aus Düsseldorf 03.03.2026 03:15 Min. Verfügbar bis 03.03.2028 WDR Von Raphael Boch

Wie Krefeld und Mönchengladbach Schrottimmobilien beleben

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Mangelnder Brandschutz, Vermüllung und unwürdige Zustände: Krefeld und Mönchengladbach haben diesen Zuständen den Kampf angesagt.

Von Raphael Boch

Sogenannte Schrottimmobilien sind für Anwohner und Stadtplaner ein Albtraum. Krefeld und Mönchengladbach haben ihnen jetzt den Kampf angesagt. Mit harten Auflagen, Vorkaufsrechten und einer Portion Hartnäckigkeit gehen sie gegen die Verwahrlosung vor.

Über 20 Jahre lang stand das ehemalige Studentenwohnheim an der Alten Gladbacher Straße in Krefeld leer. Als "Horrorhaus" bekannt, galt es lange als hoffnungsloser Fall.

Jens Franke, ein grauhaariger Mann mit Dreitagebart steht draußen auf einem Gehweg und lächelt freundlich.

Jens Franke befasst sich mit den Problemimmobilien in Krefeld

Doch nun geschieht, was selbst die Stadt kaum noch für möglich hielt: Ein Investor saniert die baufällige Immobilie und erhält dafür auch Fördermittel von der Stadt. Bis 2028 entstehen 54 Wohnungen, zwei Drittel davon als geförderter Sozialwohnraum. Ergänzt wird das Projekt durch einen Neubau auf dem Nachbargrundstück. Jens Franke, Koordinator für Problemimmobilien in Krefeld, spricht von einer positiven Wendung.

"Es ist wie ein kleines Wunder. Es hat kaum noch jemand daran geglaubt. Die Brüstungen sind schon da, im Frühjahr sollen die Fenster eingebaut werden. Danach geht es weiter mit dem Innenausbau. Das wird dem gesamten Viertel hier gut tun." Jens Franke

Durchgreifen mit der Taskforce

Dass die Stadt auch "harte Kante" zeigen kann, bewies sie an der Lindenstraße. Vor sechs Jahren eskalierte dort die Situation. Bei einem gemeinsamen Einsatz von Stadt und Polizei wurden bei einem Gebäude massive bauliche Mängel, fehlender Brandschutz und eine völlige Verwahrlosung festgestellt. Das Gebäude war zu diesem Zeitpunkt völlig vermüllt. Die Stadt zog die Reißleine, nutzte ihr Vorkaufsrecht und verkaufte das Objekt an einen neuen Eigentümer – allerdings unter strengen Sanierungsauflagen.

Auch wenn noch nicht alles perfekt ist, zeigt das Beispiel: Der Druck wirkt. Es sei ein schmaler Grat zwischen Unterstützung und konsequentem Durchgreifen, so Jens Franke. "Es geht darum, immer wieder Unterstützung anzubieten, aber auch einen gewissen Druck aufzubauen, damit die Eigentümer was tun. Da heißt es dran bleiben und einen langen Atem haben."

Strategischer Hebel in Mönchengladbach

In Mönchengladbach geht man das Problem strukturell an. In den Stadtteilen Rheydt und in der Innenstadt wurden zwei spezielle Sanierungsgebiete ausgewiesen, die insgesamt über 2.000 Gebäude umfassen. In diesen Zonen hat die Stadt weitreichende Befugnisse: Jeder Verkauf, jeder Umbau und jede Sanierung muss behördlich genehmigt werden.

Zudem verfügt die Stadt über ein strategisches Vorkaufsrecht, sobald eine Immobilie auf den Markt kommt. So kann sie direkt steuernd eingreifen und den neuen Käufern verbindliche Sanierungsauflagen machen, um den weiteren Verfall zu stoppen.

Ein Museum für den Fitness-Pionier

Ein besonderer Coup gelang der Stadt Mönchengladbach mit dem Geburtshaus von Joseph Hubertus Pilates. Die Stadt kaufte das Gebäude und plant nun den Weiterverkauf an die Pilates-Gesellschaft in den USA.

Frank Schulz, ein braunhaariger Mann mit Vollbart sitzt vor einem Bildschirm und lächelt freundlich.

In Mönchengladbach ist Frank Schulz für die Stadterneuerung tätig

Frank Schulz von der Stadterneuerung und Stadtsanierung Mönchengladbach steht mit den Amerikanern im Kontakt.

„Die haben großes Interesse dran, daraus ein Museum mit dem Schwerpunkt Pilates zu machen. Da soll seine Geschichte und seine Methode erzählt werden. Eventuell wird im Erdgeschoss eine Gastronomie eingerichtet. Das Ziel ist klar: Das Projekt soll als Initialzündung für die gesamte Nachbarschaft dienen." Frank Schulz

Geduldsprobe am Krefelder Südwall

Wie mühsam der Kampf gegen den Verfall sein kann, zeigt das Stadtschlösschen am Krefelder Südwall. Das denkmalgeschützte Juwel steht seit fast zehn Jahren leer. Ein Verkaufsversuch für 800.000 Euro im unsanierten Zustand scheiterte jahrelang kläglich, da niemand das finanzielle Wagnis eingehen wollte.

Nach intensiven Verhandlungen hat sich der Eigentümer nun doch zur Eigeninvestition durchgerungen. Trotz der hohen Risiken soll das Gebäude jetzt in zweijähriger Bauzeit aufwendig saniert werden.

Auch hier erhofft sich die Stadt Krefeld eine Signalwirkung für das gesamte Quartier. Es bleibt ein mühsamer Kampf um jeden Quadratmeter. Doch Dranbleiben lohnt sich – für das Gesicht der Stadt und die Menschen, die in ihr leben.

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporter vor Ort.
  • Stadt Krefeld
  • Stadt Mönchengladbach

 
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Rheinland, 03.03.2026, 19.30 Uhr 

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