NRW will mehr Geld in marode Straßen investieren

WDR 02:05 Min. Verfügbar bis 11.03.2028

Kaputte Straßen und Brücken Das sind die wichtigsten Bau-Projekte in NRW

Stand:

In NRW werden 3,5 Milliarden Euro in marode Straßen und Brücken investiert. Wo fließt das Geld genau hin? Wir schauen uns einige Projekte im Westen an.

Den größten Teil - rund zwei Milliarden - dürfen die Kommunen selbst für ihre Straßen verplanen. Das Land legt mit seinem Anteil einen Schwerpunkt unter anderem auf wichtige Rhein-Brücken: Neben der "Brücke der Solidarität" in Duisburg oder der Severinsbrücke in Köln ist das die viel befahrene Theodor-Heuss-Brücke in Düsseldorf.

Brückensanierung in Düsseldorf und Neubau Bochum

Theodor-Heuss-Brücke D ist sehr marode

Die Theodor-Heuss-Brücke in Düsseldorf ist marode

Sie ist stark beschädigt und soll ab Sommer umfassend saniert werden. Bereits jetzt ist sie für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen gesperrt, die Vorbereitungen laufen. Während der Bauarbeiten bis Anfang 2029 ist nur eine Fahrspur pro Richtung geöffnet, zudem gilt ein Tempolimit von 30 km/h.

Ingenieure haben zuletzt mehr als 500 Risse im Bauwerk festgestellt - deutlich mehr als erwartet. Ob die Einschränkungen nach der Sanierung wieder vollständig aufgehoben werden können, ist unklar.

Neveltalbrücke in Bochum

Die Neveltalbrücke in Bochum wird neu gebaut.

Die Neveltalbrücke auf dem Munscheider Damm in Bochum ist bereits seit 1980 für Fahrzeuge mit mehr als 16 Tonnen gesperrt. Über die Jahre hat sich der Zustand trotzdem so verschlechtert, dass die Brücke neu gebaut werden muss. Die neue Brücke wird etwa 15 Meter nordöstlich der alten gebaut.

Ist sie fertig, wird die alte abgerissen. Anfang 2027 soll sie fertig sein, so der Plan. In den vergangenen Jahren musste der Zeitplan immer wieder angepasst werden. Unter anderem weil Kohleflöze entdeckt worden waren. Jetzt soll aber alles im Zeitplan liegen. Die Gesamtkosten liegen bei mehr als acht Millionen Euro.

In Königswinter wird die rund 85 Meter lange Brücke der Hauptstraße (L 193) neu gemacht. Sie führt im Stadtteil Oberkassel über die Bahnschienen. Das Bauwerk aus dem Jahr 1963 soll in nur zehn Monaten abgerissen und durch eine neue Stahlbrücke ersetzt werden. Der Asphalt ist schon zum Teil entfernt. Bis Anfang 2027 soll die neue Stahlbrücke fertig sein.

Neue Brücken in Lemgo und Herford

Frontalansicht von der Passadetalbrücke in Lemgo

Die Passadetalbrücke in Lemgo wird neu gebaut.

Die Passadetalbrücke auf L 712 ist mit 30 Millionen Euro das größte Projekt in Ostwestfalen-Lippe. Sie ist Teil der Ortsumgehung Lemgo. Damit der Verkehr weitergeführt werden kann, wird zunächst eine Behelfsbrücke gebaut. Trotzdem sei mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen, sagt Straßen.NRW.

Die alte Brücke werde dann komplett ersetzt. Sie hat ihre Restnutzungsdauer erreicht, quasi das "Haltbarkeitsdatum". Baubeginn soll im Frühjahr 2027 sein. Die Bauzeit beträgt vier Jahre. Kosten: etwa 30 Millionen Euro.

Werre-Brücke in Herford

Die Werre-Brücke in Herford ist Teil der viel befahrenen Ringstraße.

In Herford muss eine marode Brücke der Ringstraße L 860 über die Werre abgerissen und neu gebaut werden. Sie habe ihr "Verfallsdatum" erreicht, sagt Straßen.NRW. Die Brücke verbindet die B 239 mit der Mindener Straße, ist also Teil der Ortsumgehung Herford und daher viel befahren.

Schon jetzt kommt es im Bereich der Kläranlage, wo die Straße verläuft, zu häufigen Staus. Beim Neubau der Brücke ist damit zu rechnen, dass die Ausweichstraßen über viele Monate völlig überlastet sein werden. Wann gebaut wird, ist noch nicht klar.

Europatunnel in Stolberg bei Flut 2021 beschädigt

Eines der größten Projekte in der Städteregion Aachen ist der Europatunnel Stolberg: Den hat es bei der Flut 2021 heftig getroffen, er stand mehrere Tage fast komplett unter Wasser. Unter anderem die Elektrik und Steuerungstechnik des Tunnels wurden dabei zerstört. Er wurde dann Ende 2021 provisorisch wieder hergerichtet, so dass er befahren werden kann, muss aber immer wieder bei Hochwasser gesperrt werden. Deshalb ist der Tunnel auch wichtiger Teil eines Masterplans des Wasserverbandes Eifel Rur, um die Stadt gegen Hochwasser resilient zu machen.

Der Kiesbergtunneleingang mit einem Schild daneben mit der Aufschrift "855m Kiesberg"

Der Kiesbergtunnel in Wuppertal

Ein anderes Projekt ist der Kiesbergtunnel in Wuppertal. Er verbindet den Süden der Stadt mit dem Autobahnkreuz Sonnborn. Bei seiner Eröffnung im Jahr 1970 war er mit rund 900 Metern Deutschlands längster Straßentunnel. Heute ist auch er marode und muss komplett saniert werden.

Kaputte Straßen rund um die Rahmedetalbrücke

Ein Mammutprojekt läuft seit mehr als zwei Monaten in Südwestfalen rund um Lüdenscheid. Dort werden in den kommenden zehn Jahren 124 Straßenabschnitte saniert, die wegen der Umleitung beim Bau der Rahmedetalbrücke erheblich beschädigt worden waren. Das Land hatte dafür vor zwei Jahren ein Sonderprogramm von 100 Millionen Euro aufgelegt.

Kleinere und größere Projekte gibt es auch in Gronau. Dort wird die Fahrbahn der L 510 saniert und schmaler gemacht. Ziel sei es, so das Verkehrsministerium, solche breiten Straßen auch für Fahrradfahrer oder Fußgänger zu verbessern. Dort kommt dann ein breiter, sicherer Radweg neben die Fahrbahn.

Das NRW-Verkehrsministerium listet in seiner Pressemitteilung hunderte Bau- und Sanierungsprojekte auf. Eine Liste über alle Bauvorhaben findet ihr hier:

Krischer: Mehr Staus und Baustellen

NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) stellt die Menschen in NRW auf noch mehr Staus ein: "Es wird viele Baustellen geben. Das, was in Jahrzehnten zu wenig investiert worden ist, kann man nicht in einem Jahr wegmachen. Aber mit den zusätzlichen Möglichkeiten sehen wir jetzt, um im Bild zu bleiben, Licht am Ende des Tunnels."

Die Autobahnen in NRW werden mit dem Geld übrigens nicht instand gesetzt. Für sie ist der Bund zuständig.

Unsere Quellen:

  • NRW-Verkehrsministerium
  • WDR-Reporter
  • Straßen NRW

Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 15.05.2026, 12:45 Uhr

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