Von Sonntag an ist die marode Theodor-Heuss-Brücke in Düsseldorf für alle Fahrzeuge über 3,5 Tonnen gesperrt. Das betrifft vor allem Lkw, aber auch insgesamt sechs Buslinien der Rheinbahn.
Für tausende Pendler, aber auch für viele Unternehmen in der Region bedeutet das ab sofort deutlich längere Wege. Die Stadt hatte die Sperrung erst vor wenigen Wochen angekündigt, weil die Schäden an dem Bauwerk deutlich größer sind als angenommen. Stadt und Rheinbahn wollen die Auswirkungen in der ersten Zeit genau beobachten.
Längere Wege für Bus-Pendler
On-Demand-Busse als kleine Alternative für Pendler
Bus-Pendler über den Rhein im Düsseldorfer Norden müssen nun andere Routen nutzen, die betroffenen Linien werden teils weitläufig umgeleitet oder enden früher. Die Rheinbahn weitet ihr On-Demand-Angebot "Flexy" mit Kleinbussen aus, die weiter über die Brücke fahren dürfen, aber nur wenige Fahrgäste transportieren können.
"Das ist eine Notlösung", räumt Rheinbahn-Betriebsleiter Christian Finke ein, "wir wissen, dass die Sperrung für die Betroffenen ein wahnsinniger Einschnitt ist, mit längeren Fahrzeiten und mehr Umstiegen." Hunderte Haltestellenpläne und Schilder mussten in den vergangenen Wochen umgestellt werden. Die Rheinbahn arbeitet aktuell noch an einer praktikablen Lösung für die rund 500 betroffenen Schüler.
Wirtschaft befürchtet massiven Schaden
Die Unternehmen in der Region befürchten durch die Sperrung einer weiteren Rheinbrücke für den Schwerlastverkehr deutlich negative Folgen. Denn bereits die Kardinal-Frings-Brücke in Richtung Neuss ist für Lkw über 7,5 Tonnen gesperrt, bleiben als Ausweichrouten nur die Flughafenbrücke ganz im Norden der Stadt sowie die Fleher Brücke im Düsseldorfer Süden.
Befürchtet negative Folgen: Unternehmer Robert Lamers
"Das ist für uns ein Riesenproblem für die gesamte Wirtschaft, wir sind als Industrie- und Logistikstandort nicht mehr wirklich zu erreichen", sagt Robert Lamers von den Fortin Mühlenwerken im Düsseldorfer Hafen. Die Düsseldorfer Industrie- und Handelskammer rechnet durch die Sperrung mit einem jährlichen Schaden von mehr als 50 Millionen Euro - durch längere Fahrtwege, höhere Kosten und mögliche Kundenverluste der betroffenen Firmen.
Einschränkung für die kommenden Jahre
Ob die neuen Einschränkungen überhaupt nochmal zurückgenommen werden können, steht derzeit in den Sternen. Bei der jüngsten Prüfung haben Ingenieure mehr als 500 Risse im Brückenbauwerk festgestellt, deutlich mehr als gedacht. Ab dem Sommer soll die Brücke deshalb umfassend saniert werden, bis Anfang 2029.
Sieht keine Alternative: Kämmerin Dorothée Schneider
Für diese Zeit wird neben der Sperrung für Lkw und Busse dann auch nur noch eine Fahrspur pro Richtung frei sein und das Tempolimit auf 30 Stundenkilometer reduziert. "Es gibt dazu keine Alternative, wenn wir möglichst vielen ermöglichen wollen, weiter über die Brücke fahren zu können", betont die für den Neubau der Brücke federführende Stadtkämmerin Dorotheé Schneider.
Neubau wird noch dauern
Der Düsseldorfer Rat hat im vergangenen Jahr den Neubau der Theodor-Heuss-Brücke beschlossen, die mittlerweile fast 70 Jahre alt ist und bei ihrem Bau für deutlich weniger Verkehr ausgelegt war. Heute fahren rund 80.000 Fahrzeuge täglich über das Bauwerk, darunter mehrere tausend Lkw.
Silhouettenblitzer im Einsatz
Vor allem letztere haben die massiven Schäden an der Brücke verursacht. Die Stadt prüft deshalb, ob zeitnah sogenannte Silhouttenblitzer an der Brücke installiert werden können, um Gewichtsverstöße kontrollieren und ahnden zu können. Diese kamen auch schon an anderen Düsseldorfer Rheinbrücken zum Einsatz.
Klar ist bisher, dass die neue Brücke ohne Bahntrasse gebaut werden soll. Bis die aber fertig ist, dürfte es - Stand jetzt - noch rund zehn Jahre dauern. So lange soll und muss die marode Brücke wohl noch halten.
Unsere Quellen:
- Stadt Düsseldorf
- WDR-Interview mit Stadtkämmerin Dorotheé Schneider
- WDR-Interview mit Rheinbahn-Betriebsleiter Christian Finke
- IHK Düsseldorf
- WDR-Interview mit Robert Lamers, Fortin Mühlenwerken
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Düsseldorf, 30.01.2026, 19.30 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 01.02.2026, 18.45 Uhr
