Kosten und Nutzen von Regionalflughäfen

Westpol 09.11.2025 23:32 Min. UT DGS Verfügbar bis 09.11.2030 WDR

Bleibt der Flughafen um die Ecke?

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Subventionen, Streit um Steuern, Druck aus der EU – die Zukunft kleiner Flughäfen steht auf dem Prüfstand. Wie viele kann sich NRW leisten? Während CDU und Wirtschaft für den Erhalt kämpfen, setzt der NRW-Verkehrsminister auf strengere EU-Regeln und ein nationales Flughafenkonzept.

Ann-Katrin Weidling nutzt den Flughafen Münster/Osnabrück regelmäßig. Sie ist Geschäftsführerin des mittelständischen Industrieunternehmens WEICON in Münster mit elf internationalen Standorten. Entsprechend viel muss sie reisen. Sie nutzt vor allem die Verbindung nach München. Von dort aus geht es dann weiter in die Welt.

Ann-Katrin Weidling, Geschäftsführerin WEICON

Ann-Katrin Weidling, Geschäftsführerin WEICON

Der Flughafen vor Ort sei deshalb für sie "superkomfortabel". Sie kann ihn innerhalb von 20 Minuten erreichen, ist schnell am Zielort. "Das kann man weder mit dem Auto ersetzen, noch mit der Bahn, auf die man sich nicht immer verlassen kann", sagt sie.
Doch die Verbindung nach München steht jetzt auf der Kippe. Nachdem die Lufthansa schon letztes Jahr die Strecke nach Frankfurt gestrichen hat, prüft sie nun aus Kostengründen, ob sie sich München noch leisten will.

Wirtschaft und Politik schlagen Alarm

Die regionale Wirtschaft befürchtet einen Standortnachteil. Mehrere CDU-Bundestagsabgeordnete aus der Region haben deshalb einen Brief an Bundeskanzler Merz und Finanzminister Klingbeil geschrieben. Sie fordern darin den Erhalt der Verbindung nach München und schlagen als Gegenmaßnahme eine Senkung der Luftverkehrssteuer vor, so wie es im Koalitionsvertrag vereinbart wurde. Sie wurde 2024 unter der Ampel erhöht.

Zum einen, um den Haushalt zu konsolidieren, zum anderen aus umweltpolitischen Erwägungen, um klimaschädliche Inlandsflüge teurer zu machen. Einer der Unterzeichner des Briefes ist Henning Rehbaum. Sein Wahlkreis ist Warendorf, er ist Mitglied im Verkehrsausschuss des Bundestages. Er argumentiert, Deutschland liege mit den Standortkosten "deutlich über dem internationalen Niveau".

Diskussion um Luftverkehrssteuer

Tatsächlich sind die Abgaben für Flughäfen in Deutschland im europäischen Vergleich hoch. Für Start, Gepäckabfertigung und Sicherheitsdienste fallen pro Flug Gebühren an. Für einen Airbus A320 sind das in Deutschland rund 5000 Euro, in Italien rund 2000, in Belgien etwa 1800 Euro, in Spanien nur 700 Euro.

Doch der Luftfahrtexperte Christoph Brützel, Professor für Flugmanagement und ehemaliger Mitarbeiter in verantwortlicher Position bei Lufthansa und LTU bezweifelt, dass eine Senkung der Steuer den kleinen Airports wirklich helfen würde. Denn die Steuer gilt ja für alle Flughäfen gleichermaßen. Würde sie reduziert, wäre das kein Vorteil allein für die kleinen.

Brützel weist darüber hinaus auf Untersuchungen unter anderem des Zentrums für Luft- und Raumfahrt hin, die "keinen Zusammenhang zwischen Standortkosten und Flugplanentscheidungen" gezeigt hätten. Airlines flögen dort, "wo sie Gewinne machen können". Die Zubringerflüge zu den großen Drehkreuzen Frankfurt oder München sind aber besonders teuer für die Lufthansa. In Zeiten, in denen der innerdeutsche Luftverkehr im Vergleich zu vor Corona um etwa die Hälfte eingebrochen ist, lohnt sich das nicht mehr. Ein Problem ist das besonders für die kleinen Flughäfen.

Millionen-Subventionen für kleine Flughäfen

Andrès Heinemann, Flughafensprecher Münster/ Osnabrück

Andrès Heinemann, Flughafensprecher Münster/ Osnabrück

Neben den zwei großen Airports Köln/Bonn und Düsseldorf gibt es in NRW vier Regionalflughäfen: Münster/Osnabrück, Paderborn, Weeze und Dortmund. Ihre finanzielle Situation ist sehr unterschiedlich. Während Weeze aktuell gut dasteht, macht Münster/ Osnabrück nur ein kleines Plus, allerdings nicht mit dem Hauptgeschäft, dem Betrieb des Flughafens, sondern vor allem mit Nebengeschäften, erklärt der neue Flughafenchef Andrès Heinemann: "Wir verdienen zum Beispiel mit Parken, Gastronomie und Mieter-Konzessionen."

So ähnlich sieht das an den meisten kleinen Flughäfen aus. Sie sind überwiegend in kommunaler Hand, werden oft mit Millionen Steuergeldern subventioniert. So erhält der Flughafen Münster/Osnabrück etwa Darlehen in Höhe von 3,5 Millionen Euro pro Jahr von den kommunalen Gesellschaftern, die er allerdings zurückzahlen muss.

Der Airport Dortmund hat trotz Nebengeschäften 2024 ein Minus von 1,8 Millionen Euro eingefahren. Der Verlust musste mit öffentlichen Geldern ausgeglichen werden. Flughafen-Geschäftsführer Ludger van Bebber gibt allerdings zu bedenken, dass der Verlust zehn Jahre zuvor noch viel größer gewesen sei. "Also man kann ja eine Entwicklung sehen". Er versuche jedes Jahr besser zu werden.

Wie viele Regionalflughäfen braucht NRW?

WDR Studios NRW 07.11.2025 02:10 Min. Verfügbar bis 07.11.2027 WDR Online

EU-Regeln könnten den Druck erhöhen

Landesumweltminister Oliver Krischer

Oliver Krischer (B‘90/Grüne)

Doch ab April 2027 sollen die EU-Beihilfe-Regeln auslaufen. Dann dürfen Regionalflughäfen – anders als in der Vergangenheit - keine staatlichen Betriebshilfen mehr erhalten. Sie müssen sich spätestens dann aus eigener Kraft finanzieren. NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer von den Grünen findet das aus klima- und wirtschaftspolitischen Erwägungen richtig, fürchtet aber, dass die alte Regelung – wie schon mehrfach – weiter verlängert wird. Gleichzeitig kritisiert er, dass Deutschland bislang kein "nationales Flughafenkonzept" umgesetzt habe.

Damit könnte der Bund entscheiden, welche Flughäfen wirklich gebraucht werden, um nicht viele unrentable, sondern weniger starke Airports zu haben. Doch das, erklärt Krischer, sei zwar immer wieder angekündigt worden, "aber von früheren Verkehrsministern der CSU und der FDP, die wir in den letzten Jahren hatten, ist leider nichts gekommen." Auch die aktuelle Koalition, meint der NRW-Verkehrsminister, scheint daran kein Interesse zu haben. Und so bleibt weiterhin erst mal ungeklärt, wie es mit den kleinen Flughäfen in Zukunft weiter geht. 

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