Neue Airline in Paderborn als Lufthansa-Alternative

Lokalzeit OWL 01.09.2025 03:15 Min. Verfügbar bis 01.09.2027 WDR Von Stefan Leiwen

Neue Airlines für Inlandsflüge: Zukunftsmodell oder Klimakiller?

Stand:

An den Flughäfen Paderborn, Münster und Mönchengladbach gibt es von nun an Inlandsflüge neuer kleiner Airlines. Wie sinnvoll ist das? Fragen und Antworten.

Vom Flughafen Paderborn/Lippstadt starten von nun an wieder Flieger nach München. Unternehmen aus Ostwestfalen-Lippe haben dafür eine eigene Fluggesellschaft namens Skyhub PAD gegründet. Außerdem gibt es jetzt Flüge ab Mönchengladbach und ab Münster/Osnabrück nach Friedrichshafen - ein KI-unterstütztes Angebot des Start-ups Flyvbird.

Sind solche kleinen Fluggesellschaften für Kurzstrecken ein Zukunftsmodell? Oder nicht doch ein klimaschädliches Auslaufmodell?

Was ist das für eine neue Airline am Flughafen Paderborn?

Die neue Airline hat eine Vorgeschichte: In Paderborn gibt es seit Mai keine Lufthansa-Flüge mehr nach München. Die Begründung: Es lohne sich nicht mehr. Als Reaktion darauf investierten 59 vorwiegend mittelständische Unternehmen aus der Region mehr als zwei Millionen Euro, um die Fluggesellschaft Skyhub PAD zu gründen. Unterstützung gab es aus der Politik.

Skyhub PAD gilt als virtuelle Airline. Denn sie hat keine eigene Flotte. Flugzeug, Crew, Wartung und Versicherung mietet die Fluggesellschaft als Gesamtpaket von der dänischen Airline DAT. Geflogen werde mit dem Flugzeugtyp ATR72-600, teilte der Flughafen Paderborn/Lippstadt bin. Darin haben 70 Passagiere Platz. Zwischen Montag und Freitag sowie am Sonntag soll es täglich bis zu drei Flüge in jede Richtung geben.

Was ist das Besondere an der neuen Airline, die nun Mönchengladbach und Münster ansteuert?

An den Flughäfen Mönchengladbach und Münster/Osnabrück starten nun Flieger der Stuttgarter Airline Flyvbird. Das Start-up sei "Europas erstes vollständig KI-gesteuertes On-Demand-Airline-Modell", teilt die Stadt Mönchengladbach mit. 

Zum Einsatz kommt ab Mönchengladbach aktuell eine Cessna Caravan, in der Platz für neun Passagiere ist. Zunächst geht es dreimal pro Woche vom Bodensee-Airport Friedrichshafen nach Mönchengladbach und zurück, zusätzlich lassen sich Wunschflüge zu weiteren Zielen buchen. Auch für die Flüge von und nach Münster/Osnabrück nutzt Flyvbird kleine Flugzeuge.

Wozu braucht es Flüge von Paderborn nach München?

Das Angebot sei für Ostwestfalen-Lippe der "Anschluss an die Welt", sagt Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt dem WDR. Er verweist auf die großen Mittelständler in der Region, aber auch auf Weltunternehmen wie Bertelsmann, Miele, Dr. Oetker und den Landmaschinen-Hersteller Claas. Ohne diese Flüge sei die Region "ein Stück weit von der Welt abgeschnitten".

Es gehe bei den Flügen zwischen Paderborn und München also nicht um "Lustflüge", sagt Großbongardt. Und es gehe in vielen Fällen auch nicht um Geschäftstermine in München, sondern um Anschlüsse von München als Drehkreuz für internationale Flüge, zum Beispiel in die USA oder nach Asien.

Sind neue Inlandsflüge mit Blick aufs Klima nicht rückschrittlich?

Kerstin Ciesla, stellvertr. Vorsitzende BUND NRW

Kerstin Ciesla vom BUND NRW

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisiert die neuen Flüge zwischen Paderborn und München: "Das ist einfach ökologischer Wahnsinn, in Zeiten der Klimakrise jetzt noch Kurzstreckenflüge einzuführen", sagt Kerstin Ciesla, stellvertretende Vorsitzende des Landesverbands NRW, dem WDR.

Die Bahn sei aber "in vielen Fällen" keine Alternative, entgegnet Luftfahrtexperte Großbongardt. Das liegt zum einen an der Reisedauer: Die Fahrt vom Hauptbahnhof Paderborn zum Flughafen München dauert auf der Schiene etwa sechs Stunden, einschließlich zweier Umstiege. Der Flug hingegen dauert nur knapp eineinhalb Stunden. Zum anderen kommt es bei der Bahn oft zu Verspätungen, sodass Reisende aus Paderborn am Flughafen München zum Beispiel ihren Asien-Flug verpassen könnten.

Fliegen ist klimaschädlichste Art der Fortbewegung, aber die Bilanz soll besser werden

Der CO2-Ausstoß pro Kopf beim Fliegen sei aber viel zu hoch, betont Ciesla vom BUND. So sieht es auch das Bundesumweltamt: "Fliegen ist die klimaschädlichste Art sich fortzubewegen."

Die Airlines Skyhub PAD und Flyvbird verweisen jedoch darauf, dass ihre Flugzeuge deutlich klimafreundlicher als herkömmliche Jets seien. Und in Zukunft könnten kleinere Flugzeuge noch weitaus klimafreundlicher werden, sagt Großbongardt: In den nächsten zwei, drei Jahren werde es die ersten regulären Flüge "mit hybridelektrischem Antrieb" geben. Das werde die Umweltbilanz "ganz kräftig verbessern", ist er überzeugt.

Unsere Quellen:

  • WDR-Interview mit Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt
  • Informationen der Airline Skyhub PAD
  • Pressemitteilung des Flughafens Paderborn/Lippstadt
  • Informationen der Airline Flyvbird
  • Reporter am Flughafen Mönchengladbach
  • WDR-Interview mit Kerstin Ciesla vom BUND NRW
  • Informationen des Bundesumweltamts zum CO2-Ausstoß von Flugreisen

Über dieses Thema berichten wir am 01.09.2025 auch im WDR Fernsehen: Aktuelle Stunde, 18.45 Uhr

Kommentare zum Thema

18 Kommentare

  • 18 Brigitta S. 03.09.2025, 11:53 Uhr

    Ich vermute viele die hier schreiben haben selten oder noch nie die Airlines beansprucht um von A nach B zu kommen. Würde keiner mehr fliegen der es aus berufliche Gründen machen muss, wie geht dann " Wirtschaft aufrecht zu erhalten? Alles nur vom Computer aus? Waren würden importiert die kein Firmenchef vorher kontrollieren kann.? Da ist nur ein Beispiel von vielen, warum man die Flugzeuge groß und klein nicht pauschal verurteilen sollte. Ohne Tourismus welches Land kann ohne ihn noch leben?

  • 17 Michael Gärtner 02.09.2025, 18:24 Uhr

    Ein aktuelles Beispiel: Am kommenden Samstag von Düsseldorf nach Zürich, ca. 600 km: mit der Bahn bei zweimaligem Umsteigen zwischen 6 und 7 Stunden - mit dem Flugzeug direkt zwischen 45 und 60 Minuten (bei frühzeitiger Buchung Reisepreis nahezu identisch). Für welches Verkehrsmittel habe ich mich wohl entschieden?

    Antworten (1)
    • Franziska 1 02.09.2025, 19:35 Uhr

      Für das Fliegen!

  • 16 Michael S. 02.09.2025, 16:24 Uhr

    Klimaschutz wird zur Gunsten der Wirtschaft immer abgewertet. Dahinter steckt das Prinzip: Gewinne privatisieren (einzelne Geschäftsleute profitieren) und Verluste sozialisieren (die Allgemeinheit trägt die Folgekosten). Wir haben unser noch nicht verstanden, dass sich die Naturgesetze und damit das Klima niemals nach den Gesetzen der Wirtschaft richten, aber die Wirtschaft massiv unter dem Klimawandel leidet und vor allem noch leiden wird. Die Ausgaben für Kühlung im Sommer, Schadensbeseitigung von Unwettern, steigende Versicherungen usw. nehmen drastisch zu. Und als Argument dient der schlechte Zustand der Bahn. Die Bahn die durch Privatisierung und Gewinnmaximierung der gleichen Wirtschaft komplett in den Ruin getrieben wurde. Für Bahn, die die Allgemeinheit nehmen muss, weil der Flieger zu teuer für sie ist. Fliegen ist ein Privileg der besser verdienenden. Und wenn sie schon fliegen müssen, dann bitte zu vollen Kosten ohne Subventionen durch die Allgemeinheit.

    Antworten (1)
    • Otto 03.09.2025, 10:44 Uhr

      @Michael, ohne Moos nix los, ohne Wirtschaft kein Handlungsspielraum. Wir können nur so viel Klimaschutz kaufen wie wir bezahlen können. Im Prinzip habe ich keine Probleme in den Markt einzugreifen, mit Verteuerung durch Steuern und Preissenkung durch Subventionierung. Märkte neigen manchmal zu Übertreibungen, die Regelungswut von SPD und Grüne blind auf das Klima gesehen war allerdings auch eine Übertreibung die uns auf breiter Front aus dem Gleichgewicht gebracht hat. Wir können in der Marktwirtschaft nicht ganz vorne beim Klimaschutz sein wenn der Nachbar die Verteuerung nicht mitmacht und die Wirtschaft einfach ein Land weiter geht. Es bringt auch dem Klima nichts, wenn Umweltlast mit Wirtschaft woanders einfach stattfindet. Auch klebe ich nicht ideologisch nicht am Kapitalismus, die Erfahrungen sind nur besser als bei anderen Wirtschaftssystemen; Soziale Marktwirtschaft ist ein guter Kompromiss. Soweit die Vorrede, der Markt wird regeln ob sich die Fluglinie auf Dauer halten kann.

  • 15 Jan 02.09.2025, 15:31 Uhr

    Hätte die Bahn die vergangene Jahren besser investiert, keine wahnsinns Gehälter an die Chefetage bezahlt hätte und das Schienennetz nicht so vergammeln lassen, wäre die Bahn uneingeschränkt konkurrenz fähig. Allerdings Frau Kerstin Ciesla, fahren Sie mal 2 x wöchentlich mit der Bahn von Paderborn nach Frankfurt oder München, dann werden Sie feststellen dass Verspätungen von 30 -45 Minuten "NORMAL" sind.

  • 14 Brigitta S. 02.09.2025, 12:55 Uhr

    Ein Inlandsflug nach München ist ein Kurz-Flug zu einer internationalen Bühne. Sollen Leute um nach München zukommen, stundenlang durch die DE-Landschaft mit Bus, Zug oder Auto gondeln, was die Umwelt nicht viel besser macht? Für Wirtschafts-Geschäftspartner wo Termine eingehalten müssen, sind Inlandsflüge ein Segen. Bei Privatleute kann es 1000 Schicksalsschläge - Gründe geben um schnell am Ziel sein zu müssen. Eine vermutete Komfortsache der Bequemlichkeit sehe ich nicht mit Blick auf die Region, die sonst isoliert wird. Diese Flieger nach München machen das Kraut auch nicht mehr fetter beim Klimaschutz. Viel kommt was klimaschädlich ist vom Ausland bei den großen Airports an, die eher wachsen aber nicht kleiner werden. Was ich ablehne, das sind Pläne über Lufttaxis in Deutschland, da könnten die Reichen sie nur benützen, Geld spielt da keine Rolle. Ewiger Streit über Klein- Flugzeuge macht das Klima nicht freundlicher, da ist jetzt die Forschung gefragt für die Zukunft, not later!

  • 13 Pest oder Cholera 02.09.2025, 11:07 Uhr

    Die Bahn ist unattraktiv (teuer, langsam, verspätet, unzuverlässig) und Kurzstreckenflüge unnötige Klimaschädiger. Es gibt also keine befriedigende Lösung heute. Ein Grund mehr, endlich die Bahn an die Bedürfnisse anzupassen, statt auf bedürfnislose Fahrgäste zu setzen.

  • 12 Carsten Müller 02.09.2025, 10:46 Uhr

    Die neue Verbindung nach München ist zur Zeit absolut alternativlos. Gut das es viele mutige Menschen in die Hand genommen haben, OWL wieder an das internationale Streckennetz der LH einzubinden. Mit der Bahn einmal am Tag um die Mittagszeit nach München ist für Weiterreisende nicht praktikabel. Vielleicht kommt ja in Zukunft noch das ein oder andere Ziel wie Rom oder auch Barcelona dazu.

  • 11 Grenzen des Wachstums 02.09.2025, 10:18 Uhr

    Klimakiller sind wir. Nicht was ein Einzelner an Umweltbelastung verursacht ist Problem, die Anzahl der Gattung Homo Sapiens auf dem Planeten führt zur Erdüberlastung. Wir können nicht Klimaneutral werden, nur ärmer wenn der Wirtschaftsstandort Deutschland in dem Tempo weiter erodiert und einfach Arbeitsplätze samt Umweltbelastung ins Ausland verlagert wird. Grundsätzlich wäre Bahnfahren besser, eine Nord-Süd Strecke mit Hochgeschwindigkeit. Ob da ein Haltepunkt Ostwestfalen-Lippe sinnvoll wäre steht auf einem anderen Blatt. Wie groß das Fluggastaufkommen In Paderborn ist wird sich zeigen. Aber selbst wenn Deutschland aufhören würde zu existieren würde das lediglich 2% weniger Klimabelastung bedeuten. 8 Milliarden Menschen auf der Erde sind zu viel und wenn das ignoriert wird, ignoriere ich jede Diskussion über sogenannten Klimaschutz. Und Grüne werde ich auch aus vielen anderen Gründen auf keinen Fall wählen.

  • 10 Sebastian 02.09.2025, 09:49 Uhr

    Global Market Forecast (GMF) geht in einer Studie davon aus, dass bis 2030 zur Deckung der anhaltend hohen Nachfrage mehr als 27.800 neue Flugzeuge benötigt werden, davon ein sehr großer Teil in Asien und Indien. 27.800 neue Flugzeuge, die am anderen Ende der Welt fliegen werden. Und wir wollen allen ernstes mit der Diskussion einer kleinen Propellermaschine, die zwischen Paderborn und München fliegt, das Klima retten? PS: Ein Flugzeug benötigt genau 2 kleine Infrastrukturen - einen Start- und Landeflughafen. Sonst keinerlei Infrastruktur! Auch Lärm entsteht bei Start und Landung. Während Autobahnen und Schienen-Trassen unser ganzes Land zerschneiden und Ökologien zerstören. Gleichzeitig produziert sowohl das Auto als auch die Bahn auf der gesamten Strecke Lärm und nervt die Anwohner, während das Flugzeug nur bei Start und Landung Infrastruktur benötigt & Lärm produziert und im besten Falle etliche Menschen gleichzeitig von A nach B bewegt.

  • 9 BeVau 02.09.2025, 09:37 Uhr

    Da nehmen einige Unternehmen selbst das Heft in die Hand und schaffen das, was sie brauchen. Zuverlässigkeit und Flexibilität. Gut so. Zudem profitieren kleinere Regionalflughäfen davon und die großen Airports werden entlastet.

  • 8 Bahnkunde 01.09.2025, 22:30 Uhr

    Wenn man unsere Steuermilliarden nicht in der Welt verteilen sondern endlich in die Sanierung der Bahn und ihre Strecken investieren würde brauchte es keine extra Flieger.

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