Aufarbeitung Rahmedetalbrücke
01:47 Min.. Verfügbar bis 05.09.2027.
Die Direktorin der Niederlassung Westfalen der Autobahn GmbH, Elfriede Sauerwein-Braksiek, hat das Vorgehen ihres Hauses in der Angelegenheit Rahmedetalbrücke verteidigt. Sie bestätigte am Freitag WDR-Berichte, denen zufolge ein achtseitiger Protokollentwurf auf eine knappe Notiz mit drei Spiegelstrichen verkürzt wurde.
Dadurch habe man eine "nicht korrekte Protokollierung" zu einer Besprechung korrigiert. "Es wurde nichts vertuscht", so Sauerwein-Braksiek im Untersuchungsausschuss des Landtags. Das habe auch ein Rechtsgutachten im Auftrag der Autobahn GmbH ergeben.
Direktorin rechtfertigt Kürzungen
In dem Protokollentwurf war detailliert festgehalten worden, dass Berechnungen zur Stabilität des Bauwerks nicht nach Vorschrift durchgeführt wurden. Außerdem, dass im Jahr 2014 Lkw-Fahrspuren darauf falsch eingerichtet worden waren.
Passagen dazu habe man gestrichen, weil sie nicht der eigentliche Gegenstand des Meetings gewesen seien: Die Besprechung habe vielmehr dazu gedient, "den zukünftigen Umgang mit dem Bauwerk" festzulegen - und nicht "mögliche Versäumnisse von Straßen.NRW in der Vergangenheit" aufzudecken. Deshalb sei die Streichung dieser brisanten Passagen "fachlich und sachlich geboten" gewesen, so Sauerwein-Braksiek. Die fehlerhafte Verkehrsführung und die nicht vorschriftsmäßigen Berechnungen bestritt sie nicht.
Direktorin widerspricht ihrem Pressesprecher
Elfriede Sauerwein-Braksiek
Mit Blick auf die falsch eingerichteten Fahrspuren widersprach die Direktorin allerdings ihrem Pressesprecher. Der hatte dem WDR im Juli mitgeteilt, dass die fehlerhafte Verkehrsführung ein Grund "für die nachhaltige Schädigung der Brücke" sei, wenn auch "nicht der alleinige". Nun sagte Sauerwein-Braksiek vor dem Ausschuss das Gegenteil: "Die Brücke wurde durch diese Verkehrsführung entlastet – aber nicht in dem Maße, wie sie sie hätte entlasten sollen." Zugleich räumte sie allerdings ein: "Ich kann Ihnen nicht sagen, wie sehr die Brücke geschädigt wurde."
Lkw-Spur: "Das war nicht gut, dass sie so fahren"
Nach der Direktorin wurde der Leiter der Außenstelle Hagen der Autobahn GmbH zum gleichen Thema befragt. Er gab zu Protokoll, man könne nicht sagen, dass es durch die falsche Verkehrsführung nicht zu Schäden gekommen ist. Wie Sauerwein-Braksiek zu ihrer Aussage kam, die falsche Lkw-Fahrspur habe nicht zu Schäden geführt, könne er nicht nachvollziehen. Vielmehr betonte er: "Das war nicht gut, dass sie so fahren".
Druck auf Mitarbeiterin: Aussage gegen Aussage
Sauerwein-Braksiek bestritt, dass auf eine ihrer damaligen Mitarbeiterinnen Druck ausgeübt wurde, die Rahmedetalbrücke für den Verkehr offen zu halten. Eine Ingenieurin hatte im Juni vor dem Untersuchungsausschuss von "enormem Druck" berichtet: "Wir müssen die Restnutzungsdauer verlängern. Dieser Druck war da", hatte sie ausgesagt. "Aber wir hatten keine Grundlage dafür". "Dass jemand bei mir drängt und verlangt: Du musst jetzt die Restnutzungsdauer verlängern, das ist kein normaler Vorgang", hatte die Fachfrau erklärt.
SPD-Obmann Gordan Dudas sprach von "Widersprüchen" in den Aussagen. "Ich hatte heute insgesamt den Eindruck, dass die Autobahn GmbH sehr nervös war" sagte er am Rande des Untersuchungsausschusses.
Unsere Quellen:
- Aussagen im Untersuchungsausschuss des Landtags
- Gordan Dudas (SPD)
- Eigene Recherche
