Rahmedetalbrücke: Wurde das Desaster vertuscht?
Westpol. 13.07.2025. 28:34 Min.. UT. DGS. Verfügbar bis 13.07.2030. WDR.
Am 7. Mai 2023 wurde die Rahmedetalbrücke gesprengt. Ihr Ende wurde allerdings schon neun Jahre früher besiegelt: 2014 verwerfen die Experten beim Landesbetrieb Straßen NRW den Plan, die marode Brücke zu verstärken.
Stattdessen wollen sie die Lebensdauer des Bauwerks durch neue Vorgaben für LKW verlängern: Verbot für Schwertransporte, Tempolimit, Mindestabstand und veränderte Spurführungen. Wo genau die LKW künftig langfahren sollen, wird exakt von einem Ingenieurbüro berechnet.
Fehler passierte schon 2014
Doch dann passiert ein gravierender Fehler: In der Praxis wurde die LKW-Spur in beide Richtungen bis zur endgültigen Sperrung der Brücke 2021 nicht so über den Hauptträger geführt wie geplant. Sieben Jahre lang fiel das bei den zuständigen Behörden niemandem auf und sollte dann vertuscht werden. Das haben WDR-Recherchen aufgedeckt.
Nachhaltige Schädigung der Brücke
Jetzt muss die zuständige Autobahn GmbH des Bundes auf Anfrage des WDR-Magazins Westpol einräumen: Die LKW sind tatsächlich "nicht - wie geplant - ständig über den Hauptträgern gefahren." Die Verkehrsführung sei damit ein "Grund für die nachhaltige Schädigung der Brücke" gewesen, wenn auch nicht der alleinige.
Elfriede Sauerwein-Braksiek, Regionaldirektorin Autobahn GmbH
Allerdings ist es bisher der einzige Grund, für den es Belege gibt. Bisher hatte die Regionaldirektorin der Behörde, Elfriede Sauerwein-Braksiek, gemutmaßt, die Schäden an der Brücke seien durch einen illegalen Schwertransport verursacht worden. Die Autobahn GmbH schreibt jetzt, dies sei "wahrscheinlich, aber nicht erwiesen."
Fehler fiel bei Brückenprüfungen nicht auf
Auf die Frage, warum die falsche Verkehrsführung auf der Brücke trotz zweier Brückenprüfungen 2017 und 2020 niemandem auffiel, antwortet die Autobahn GmbH nicht. Ob die Direktorin jemals über die falsche Verkehrsführung informiert wurde, bleibt ebenfalls offen.
Derzeit findet bei der Autobahn GmbH eine Aufarbeitung des Jahres 2021 statt. Bernd Löchter, Pressesprecher Autobahn GmbH
Erst im Mai 2021 wurde der Fehler bemerkt. Korrigiert wurde er bis zur Sperrung im Dezember 2021 nicht. Auf die Frage, warum die Verkehrsführung nicht umgehend angepasst wurde, reagiert die Autobahn GmbH ausweichend: Es seien "zusätzliche Schäden" bekannt geworden und diese hätten "erneute Betrachtungen" notwendig gemacht.
Vermeintliche Standsicherheit beruhte auf Vorgaben für LKW
Besagte Schäden fielen allerdings erst bei einem Laserscan Ende November 2021 auf. Es gibt also keine nachvollziehbare Erklärung der Autobahn GmbH, warum zwischen Mai und November 2021 nichts passiert ist. Dabei war die offiziell bescheinigte Standsicherheit der Brücke seit 2014 stets an eine korrekte Ausführung der LKW-Verkehrsführung gekoppelt.
Ausschussvorsitzender ist irritiert
Stefan Engsfeld (Grüne), Vorsitzender Untersuchungsausschuss
Bei ihren Zeugenaussagen im Untersuchungsausschuss des Düsseldorer Landtags, der versucht das Behördenhandeln in den Jahren vor der Brückensperrung zu rekonstruieren, lassen die beteiligten Behördenmitarbeiter die Abgeordneten über die Brisanz des Fehlers im Unklaren. Ein Vorgehen, das Stefan Engstfeld (Grüne), den Vorsitzenden des Untersuchungsauschusses, "irritiert".
Das führt unweigerlich dazu, dass natürlich auch diese Zeugen wieder geladen werden. Stefan Engstfeld (Grüne), Vorsitzender Untersuchungsausschuss
Bundesverkehrsministerium wurde nicht über Fehler informiert
Auch das Bundesverkehrministerium, dem die Autobahn GmbH unterstellt ist, wurde von dieser nach eigener Aussage nicht über die jahrelang falsche Verkehrsführung informiert. Auf Westpol-Anfrage heißt es: "Die entsprechenden Erkenntnisse der Autobahn GmbH des Bundes aus einer Ortsbegehung wurden dem Ministerium damals nicht vorgestellt." Fragen zur versuchten Vertuschung des Fehlers innerhalb der Autobahn GmbH weicht das Verkehrsministerium aus. Dazu schreibt eine Sprecherin lediglich: "Das Ministerium geht davon aus, dass die Entscheidungen der Autobahn GmbH des Bundes allein auf fachlichen Erwägungen beruhen."
Wüst: Kein Anlass für Argwohn
NRW-Ministerpräsident Wüst (CDU) am 07.07.2025 vor dem Untersuchungsausschuss
Ministerpräsident Hendrik Wüst war von Mai 2017 bis Oktober 2021 Verkehrsminister in NRW. Als Zeuge vor dem Ausschuss hatte er am Montag betont, ihm gegenüber hätten die Fachleute die Rahmedetal-Brücke nie problematisiert. Er habe keinen Anlass für Argwohn gehabt. Als Hausspitze müsse man sich auf die Fachleute verlassen können.
Unsere Quellen:
- exklusive WDR-Informationen
- Antwort der Autobahn GmbH
- Antwort Bundesverkehrsministerium
- Aussagen im Untersuchungsausschuss
- Interview mit Stefan Engstfeld

