Bayern und Nordrhein-Westfalen sind die beiden größten Bundesländer, seit Jahrzehnten politisch tonangebend, wirtschaftlich dominant und kulturell durchaus unterschiedlich. In München wie in Düsseldorf schaut man gern auf den jeweils anderen und nimmt an ihm Maß.
Dabei ist das Verhältnis immer wieder von einer freundlichen Rivalität geprägt. BR und WDR, die beiden zuständigen Landesrundfunkanstalten, beleuchten in Kooperation ihrer landespolitischen Fachredaktionen unregelmäßig die Politik in beiden Ländern: Wie läuft es im Süden, wie im Westen, wer hat wo die Nase vorn, wer ist zweiter Sieger, was lässt sich vom anderen lernen?
Wettbewerb zwischen Isar und Rhein
Wenn der Ministerpräsident von NRW, Hendrik Wüst (CDU), heute mit dem Slogan "Von der Kohle zur KI" für sein Bundesland als Wirtschaftsstandort wirbt, erinnert das an den bayerischen Polit-Spruch "Laptop und Lederhose". Die Botschaft ist dieselbe: Wir sind modern und verstehen was von neuen Technologien, verleugnen aber auch unsere Tradition nicht - die Geschichte als Industrieland (NRW) oder als Agrarland (Bayern).
Egal ob aktuell Markus Söder (CSU) und Hendrik Wüst (CDU) oder früher Horst Seehofer (CSU) und Jürgen Rüttgers (CDU), Edmund Stoiber (CSU) und Wolfgang Clement (SPD) oder Franz-Josef Strauß (CSU) und Johannes Rau (SPD) - die Regierungschefs in München und Düsseldorf sind seit eh und je durch einen Standortwettbewerb verbunden. Stets freundschaftlich-ambitioniert versteht sich. Ob es um Wirtschaftsstärke, Schulleistungen, Länderfinanzausgleich oder Fußball-Bundesliga geht, zwischen Isar und Rhein entzündet sich mit schöner Regelmäßigkeit ein Wettbewerb, wer es besser kann.
Achse München-Düsseldorf
Als Stoiber und Rüttgers in einem Anflug von Euphorie vor zwanzig Jahren von Wettbewerb auf Kooperation umschalten und gar eine "Achse München-Düsseldorf" bilden wollten, zog man in Berlin die Augenbrauen hoch. Ein Schulterschluss zwischen zwei mächtigen Bundesländern hatte aus Sicht des Kanzleramtes auch etwas latent Bedrohliches.
Schwergewichte in Deutschland
In der Tat: Bayern und Nordrhein-Westfalen sind die Schwergewichte im deutschen Bundesstaat, das belegen schon die nackten Zahlen. Nach der Größe ihrer Bevölkerung bilden sie das unangefochtene Spitzenduo im Konzert der 16 Bundesländer: NRW mit 18 Millionen die Nummer eins, Bayern mit 13 Millionen die Nummer zwei. Das gilt auch für die Wirtschaftsleistung: Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 871 Mrd. Euro liegt NRW vorn, Bayern folgt mit 792 Mrd. Euro.
Bayern ist nach der Fläche unangefochten die Nummer eins in Deutschland. Mit nahezu 71.000 Quadratkilometern ist Bayern fast doppelt so groß wie NRW mit 34.000 Quadratkilometern auf Platz vier. (Dazwischen liegen Niedersachen und Baden-Württemberg.)
Rekorde im Westen und Süden
Das Bindestrichland NRW beheimatet 30 Großstädte - einsamer Rekord in Deutschland. Der Freistaat zählt acht Großstädte ab 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Die bayerische Hauptstadt München ist bundesweit die drittgrößte Stadt, die NRW-Metropole Köln landet dicht dahinter auf Platz vier.
Gut, die Zugspitze ist höher als der Langenberg, der FC Bayern München erfolgreicher als Fortuna Düsseldorf. Und Bayern hat mehr Weltkulturerbestätten und Brauereibetriebe als NRW. Dafür hat NRW mehr Autobahnkilometer, mehr Exzellenzcluster für Spitzenforschung, mehr Studierende und eine größere Anzahl an Fußball-Bundesligisten. Und mit dem Kölner Dom Deutschlands meistbesuchte Sehenswürdigkeit.
Man kann es also drehen und wenden, wie man will: Bayern und NRW sind Schwergewichte, vergleichen lässt sich fast alles, mal liegt der eine vorn, mal der andere. Diesen landespolitischen Wettbewerb analysieren und begleiten wir hier.
Bisher wurden in der Reihe folgende Beiträge veröffentlicht:
