Angebot erbeten – Rechnung erhalten
Tandler schickt statt eines erneuten Angebots einen Tag später gleich eine Rechnung: "Im Auftrag von EMIX Trading hier die gewünschten Unterlagen. Da Sie bereits anbezahlt haben, wurde es als Rechnung ausgestellt." Es ist – trotz des Hersteller-Wechsels – bei 9,90 Euro pro Stück geblieben! "Die Lieferung sowie Zoll- und Frachtformalitäten werden durch EMIX erledigt und separat verrechnet." Die Lieferung erfolge in zwei Tranchen in der KW 12. Mehrfach muss W. zunächst bei Tandler, dann direkt bei Emix nachhaken, um Vertragsdetails zu klären, beziehungsweise sich bestätigen zu lassen. Bis er dann am Abend eine verbindliche Bestellung an Emix schickt.
Polizei muss Fracht eskotieren
Parallel ist das NRW-Gesundheitsministerium im Kontakt mit dem Landes-Innenministerium. Denn in Zeiten des "Goldrauschs" sind Masken extrem kostbar. Berichte über erste Diebstähle machen die Runde. Darum soll die NRW-Polizei den Transport in Deutschland absichern.
Ein weiterer Koordinations-Kraftakt, denn nur mühselig sind die nötigen Infos – wann landet wo welches Flugzeug – von Emix zu erhalten. Die Polizei braucht wegen der Anreise nach München oder Frankfurt natürlich einen entsprechenden Vorlauf. Es folgt ein Hin und Her, das W. später schlicht als "Chaos" bezeichnet.
Wo bleibt die Ware?
FFP2-Masken mit CE-Zeichen
Am Mittwoch, den 18. März kündigt Emix-Chef Jascha Rudolphi an: "Die Airline schafft es erst auf morgen, weil das CE-Dokument nicht geprüft wurde." Die CE-Produktkennzeichnung ist nötig für die Einfuhr in die EU. Parallel steigt der zweite Emix-Chef Luca Steffen in die Kommunikation mit dem Ministerium ein: 670 Kartons mit 1,3 Millionen Masken seien am Vortag von Kairo nach München transportiert worden, aber aufgrund fehlender Dokumente nicht verzollt und abgeladen worden. "Bis anhin haben wir die Masken immer erst nach Hongkong geliefert, um diese Problematik zu umgehen." Wegen des Zeitdrucks habe man darauf verzichtet. "Spätestens am Freitag kommt die Ware in München an."
Zusätzlich seien 290 Kartons mit 409.410 Masken "im Flieger nach Zürich". Die Ware könne noch in dieser Woche geliefert werden. "Wie vereinbart werden wir sie mit den Masken beliefern – da gibt es nach wie vor keine Zweifel." Dazu ein Foto mit Kartons vor einem ägyptischen Flugzeug.
W. hakt beim Zoll nach - das Misstrauen wächst
Jetzt herrscht Riesen-Verwirrung um Anzahl und Anlieferung der Masken. W. fragt noch am 18. März bei Emix nach, ob morgen bereits 400.000 Masken zur Abholung bereit stehen? "Die Zahlen aus dieser Mail ergeben zusammen keine 2 Mio Masken (für NRW und BY). Kommt da noch was?"
W. wird anscheinend immer skeptischer und hakt bei den deutschen Zollbehörden nach. Dann konfrontiert er Emix mit den Recherche-Ergebnissen: "Die Generalzolldirektion hat uns mitgeteilt, dass ein entsprechender Vorgang am Münchner Flughafen nicht bekannt ist. Können Sie sich das erklären?" Dann erbittet er Flugnummer und Frachtpapiere.
Emix-Chef Steffen: "Ich verstehe Ihre Skepsis"
Nun folgt eine lange Mail von Emix-Boss Luca Steffen an W. und das bayerische Gesundheitsministerium: "Ich verstehe Ihre Skepsis und bedanke mich für das bisher geschenkte Vertrauen!" Die Ware sei auf Grund eines fehlenden CE von Ägypten nicht zur Einfuhr freigegeben und auch nicht vom Flugzeug entladen worden. "Dies hat jedoch nichts mit dem deutschen Zoll und dessen Restrictions zu tun." Sonst habe man "Hongkong als Schleuse" benutzt.
Und dann geht Steffen lösungsorientiert in die Offensive: "Falls Sie ein Schreiben aufsetzen, welches die Freigabe der 670 Kartons für Emix ohne CE erwirken kann, wäre ich Ihnen dankbar." W. antwortet an Emix, sich darum zu kümmern: "Ich hoffe, wir können etwas tun." Es ist nicht die letzte Unterstützung, die das Ministerium bei diesem Deal leisten muss.
Inhaltsverzeichnis
- Teil 1/4 - Der Emix-Maskendeal in NRW - ein Politkrimi der Corona-Krise
- Teil 2/4 - Wie der Emix-Auftrag zustande kam
- Ausgewählter Teil: Teil 3/4 - Wie Emix das Ministerium auch noch für die CE-Zertifizierung einspannt
- Teil 4/4 - Plötzlich gilt die Ware als verschollen
