Der Emix-Maskendeal in NRW - ein Politkrimi der Corona-Krise

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Teil 2/4 - Wie der Emix-Auftrag zustande kam

NRW sucht händeringend Masken

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) setzt sich eine Maske auf, Aufnahme vom 04.02.2021

NRW-Gesundheitsminister Laumann

Im März 2020 versucht das NRW-Gesundheitsministerium direkt beim renommierten Marken-Hersteller 3M zu ordern. Das tut auch das bayerische Gesundheitsministerium und wohl alle anderen, die dringend Schutz für das Gesundheitssystem benötigten. In dieser Lage wendet sich Andrea Tandler, Inhaberin der Agentur "Pfennigturm", an das NRW-Gesundheitsministerium. Abteilungsleiter W., ein Jurist mit doppeltem Staatsexamen, wird die nächsten Wochen zunächst mit ihr, dann mit den Emix-Chefs direkt verhandeln.

Das Angebot: Eine Million Masken für 9,9 Millionen – Entscheidung bis morgen

Am Dienstag, den 3. März schickt Andrea Tandler um 20:14 Uhr ein Angebot an W.: Eine Million FFP2-Masken von 3M für 9,90 Euro das Stück, in Summe also für 9,9 Millionen Euro. Eine Anzahlung von 50 Prozent sei zur Auftragsbestätigung nötig. Das Angebot gelte bis zum Folgetag, also den 4. März. Abteilungsleiter W. antwortet wenige Minuten später: "Wir werden das Angebot möglichst kurzfristig prüfen." Dann hakt er nach: "Lieferung ist in der 11. KW, also kommenden Montag?" Und er will wissen, bis wieviel Uhr das Angebot gültig ist: "Sie können sich sicherlich vorstellen, dass wir die Zustimmung des Finanzministers einholen müssen." Und W. bittet: "Können wir eine genauere Produktbeschreibung, ein Foto der Ware oder Testexemplar sehen?"

Noch am Abend versichert W. per Mail das große Interesse des Ministeriums und sendet den Mailverkehr zur Kenntnis an eine Kollegin im bayerischen Gesundheitsministerium, das ebenfalls mit Emix verhandelt. Tandler mailt W. ein Produktdatenblatt der Firma 3M. Bereits am nächsten Morgen um 9:32 Uhr schickt W. die Auftragsbestätigung an Tandler: "Gerne werden wir die FFP2-Masken – wie angeboten – kaufen." Handschriftlich vermerkt er auf dem Angebot nochmals die Bedingungen, u.a. dass "Hersteller die Firma 3M ist".

Anzahlung von fünf Millionen ist raus – und Tandler nicht erreichbar

Einige Stunden später sendet Tandler eine Auftrags-Bestätigung und Rechnung mit dem Hinweis "Wir benötigen heute die Anzahlungsbestätigung über 50 Prozent." In Rechnung gestellt werden "3M 1860 N95" Masken. "Die Lieferung erfolgt bis spätestens KW 11." Unvorhergesehene Liefereinschränkungen seien aufgrund gesetzlicher Vorschriften vorbehalten. KW 11, das ist die Woche vom 9. bis zum 15. März 2020.

Noch am selben Tag überweist das NRW-Gesundheitsministerium die Anzahlung in Höhe von 4,95 Millionen Euro. Am Donnerstagnachmittag fragt W. bei Tandler nach, wann genau wieviel geliefert wird. Keine Antwort. Am Freitagnachmittag erneutes Nachhaken bei Tandler: "Leider kann ich Sie telefonisch nicht erreichen. Ich muss noch einmal nachfragen, wie der Sachstand bezüglich der Lieferung ist. Der Druck hier nimmt zu und ohne Informationen bin ich nicht sprachfähig."

Statt 3M plötzlich No-Name-Ware aus Ägypten!

Atemschutzmasken der Schuzklasse FFP-2

Begehrte Markenware

In der darauffolgenden Woche kommen am Dienstag, es ist der 10. März, statt der 3M-Masken per Tandler-Mail mehrere englische und arabische Masken-Zertifikate der ägyptischen Firma "Chemi Pharma Medical for Medical Supplies" in Düsseldorf an. Grund für diesen Schwenk vom Marken-Hersteller zum ägyptischen No-Name laut Tandler: Die Auftragserteilung bei 3M sei weltweit eingefroren worden.

Am Mittwoch bietet Emix dem Ministerium an, entweder eine Million FFP2-Masken aus Hongkong bis Ende KW 12 (also bis zum 22. März) zu liefern. Wahlweise könne das Ministerium auf eine Lieferung durch 3M warten oder den Kauf rückabwickeln. Abteilungsleiter W. hakt nach: "Ist es möglich, die Masken in Bayern oder der Schweiz zu sehen, bevor wir Ihnen die verbindliche Abnahme der alternativ angebotenen Masken zusagen?"

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