Der Emix-Maskendeal in NRW - ein Politkrimi der Corona-Krise

Stand:

NRW machte, wie Jens Spahn, Geschäfte mit Emix. Der Deal gibt tiefe Einblicke in den Maschinenraum der Politik in einer Krise.

Die Maskenaffäre rund um Jens Spahn (CDU) schwelt weiter, dem damaligen Bundesgesundheitsminister und heutigen Vorsitzenden der Unionsfraktion im Bundestag droht ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss. Fakten liefert der Sudhof-Bericht, der inzwischen auch in Gänze für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Zuvor hatte ihn Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) in weiten Teilen schwärzen lassen - wegen Persönlichkeitsrechten, wie sie argumentierte.

Die "Masken-Kids" aus der Schweiz im Kaufrausch

Geschwärzt wurden vom Bundesgesundheitsministerium im Sudhof-Bericht unter anderem die Passagen zur Schweizer Firma Emix Trading und deren Geschäftsführer Luca Steffen und Jascha Rudolphi.

Roter Ferarri mit Logo

Symbolbild Ferrari

Zwei schillernde Figuren, die in der Pandemie mit der Zurschaustellung ihrer frisch verdienten Masken-Millionen in Form von Luxusautos der Marken Bentley und Ferrari für Schlagzeilen sorgten. Ein Fehler, wie sie damals reumütig sagten. Um sich kurz darauf eine Luxusjacht im Wert von 5,5 Millionen Euro zu kaufen, wie der Schweizer Tagesanzeiger im Februar berichtete. Die Jungs tauften die Jacht "Plan A".

Die 23-jährigen Jung-Unternehmer wurden 2020 als "Masken-Kids" tituliert. Da konnten sie schon auf fünf Jahre Unternehmertum zurückblicken: Gestartet waren sie als 17-jährige Schüler mit dem Versuch, in den Handel mit - Ironie der Geschichte - Corona-Bier einzusteigen. Der Deal scheiterte, aber mit dem Corona-Virus machten sie richtig Kasse über den Verkauf von Schutzmasken.

Interview der Emix-Gründer

Am 16. Mai 2025 veröffentlichte die "Zeit" ein Interview mit den ansonsten medienscheuen Emix-Chefs. Die beiden haben nicht nur mit dem Bundesgesundheitsministerium Geschäfte gemacht, sondern auch mit NRW und Bayern. Wer die Papiere zum NRW-Maskendeal mit Emix kennt, reibt sich angesichts der Interview-Äußerungen der beiden verwundert die Augen. Ihr Geschäftsmodell schildert Luca Steffen in der "Zeit" so:

Statt uns auf die einzelnen Aspekte eines Import-Geschäfts zu konzentrieren, wie das die meisten anderen Handelsfirmen tun, entwickelten wir früh Rundum-sorglos-Pakete. Wir übernahmen für die Besteller sämtliche Risiken: von der Wahl der Lieferanten über den Transport und die Finanzierung bis zur Qualitätskontrolle. Luca Steffen von Emix Trading

Statt eines Rundum-sorglos-Pakets entwickelte sich der Emix-Maskendeal mit dem NRW-Gesundheitsministeriums zu einem Polit-Beschaffungs-Krimi. Die Geschichte gewährt tiefe Einblicke in die turbulenten Anfangswochen der Pandemie.

Es ist ein nervenaufreibendes Hin und Her – weit jenseits der üblichen Bürozeiten. Mails werden am Wochenende, am späten Abend, sogar tief in der Nacht verschickt - und offenbaren bei aller Sachlichkeit eine große Nervosität der Beteiligten.

Der NRW-Maskendeal mit Emix in Kurzform

Andrea Tandler kommt zur Sitzung des Masken-Untersuchungsausschusses im Bayerischen Landtag zur Zeugenvernehmung, Aufnahme vom 27.07.2022

Andrea Tandler im Jahr 2022

Bezogen auf den Einzelpreis, ist es wohl der teuerste Maskendeal, den das Land NRW in der Pandemie abgeschlossen hat: Mit 9,90 Euro für eine FFP2-Maske zahlte NRW einen Spitzenpreis. Am Ende wird nur die Hälfte geliefert und fünf Millionen Euro schlagen für die Landeskasse zu Buche. Vermittelt wurde der Deal von der bayerischen Unternehmerin Andrea Tandler. Mit der Vermittlung von Maskengeschäften verdiente sie in der Pandemie Provisionen von fast 50 Millionen Euro. Ein Teil dieser Summe stammt aus NRW.

Wegen millionenschwerer Steuerhinterziehung wurde die Tochter des CSU-Spitzenpolitikers Gerold Tandler 2023 verurteilt. Erst vor wenigen Tagen hat der Bundesgerichtshof die Strafe abgemildert: Statt vier Jahren und fünf Monaten Haft muss sie nur noch eine dreijährige Haftstrafe verbüßen.

Die Rahmenbedingungen im März 2020

Zur Einordnung des Emix-Geschäfts ist es wichtig, sich die Situation im März 2020 zu vergegenwärtigen. "Die Marktlage spitzte sich innerhalb von wenigen Tagen dramatisch zu, weil viele Staaten weltweit gleichzeitig auf einen begrenzten asiatischen Markt (rund 90 Prozent der Produktionskapazität in China) zugegriffen haben. Dies hat nicht nur die Preise drastisch steigen lassen, sondern auch Einfluss auf die am Markt vorhandenen Produktqualitäten gehabt." So umschreibt es später die Bundesregierung. Es droht nicht weniger als der Zusammenbruch des Gesundheitssystems, wenn medizinisches Personal schutzlos Corona-Infizierte behandeln müsste.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) garantiert im März 2020 in einem umstrittenen "Open-House-Verfahren", dass die Bundesregierung ohne Limit Masken kauft zum Stückpreis von 4,50 Euro. Das löst bei seriösen und windigen Unternehmern einen wahren "Goldrausch" aus.

Spahn selbst sprach ein Jahr später von "Wild-West-Zeiten". Und der wilde, wilde Westen fängt gleich hinter Düsseldorf an. Er erstreckt sich über die Schweiz bis nach China, Hongkong und Ägypten. All diese Länder spielen beim Emix-Maskendeal mit NRW eine Rolle.

Weitere Beiträge zur Politik in NRW

1 / 2