Luftaufnahme von der Montage des Abschlusselementes des ersten Pylons der Leverkusener Rheinbrücke.

Straßen NRW Interne Infos zur Leverkusener Brücke an privates Postfach geschickt

Stand:

2020 kündigte Straßen NRW den Vertrag mit der Firma Porr, die die Leverkusener Rheinbrücke auf der A1 neu bauen sollte, weil Stahlbauteile erhebliche Mängel aufwiesen. Ein neues Vergabeverfahren für den Auftrag wurde gestartet, an dessen Ende eine Bietergemeinschaft um den Hochtief-Konzern den Zuschlag erhielt.

Nach WDR-Informationen wurde eine Mail zum damals noch laufenden Vergabeverfahren vom dienstlichen E-Mail-Postfach einer Mitarbeiterin von Straßen NRW an ihre private E-Mail-Adresse geschickt, die auch den Namen ihres Ehemannes trug. Dieser war damals führender Mitarbeiter der mitbietenden Firma Hochtief. Nachdem die private Verbindung öffentlich geworden war, wurde die Mitarbeiterin zur Vermeidung von Interessenkonflikten von dem Projekt abgezogen.

Dienstliche Inhalte in privatem Postfach

Der Parlamentarische Untersuchungsausschuss "Brückendesaster" befasste sich jetzt länger mit der Mail. Weitere Empfänger waren damals Mitarbeiter unter anderem bei Straßen NRW sowie im Landes- und Bundesverkehrsministerium. Im Untersuchungsausschuss wurde dazu der kaufmännische Direktor von Straßen NRW, Sascha Kaiser, befragt. Er war unter anderem an der Vertragsauflösung mit der Firma Porr beteiligt. Auf Nachfrage von Carolin Kirsch (SPD) gab Kaiser an, die Mail nicht zu kennen. Er gestand aber ein, dass dienstliche Inhalte nichts in einem privaten Postfach zu suchen hätten.

Straßen NRW will sich nicht äußern

Streit um Auftrag für Leverkusener Brücke

WDR Studios NRW 27.04.2026 01:28 Min. Verfügbar bis 26.04.2028 WDR Online

Auch ob der Vorgang Konsequenzen für die Mitarbeiterin hatte, konnte Kaiser nicht sagen. Straßen NRW wollte sich mit Verweis auf den noch laufenden Untersuchungsausschuss auf WDR-Anfrage nicht weiter äußern. Martin Metz (Grüne) nannte den Vorgang im Untersuchungsausschuss "interessant", gab aber auch zu bedenken, dass die private E-Mail-Adresse der Mitarbeiterin im Verteiler offen einsehbar gewesen sei, weswegen er eine heimliche Informationsübermittlung für unwahrscheinlich hielt.

Interview mit Porr CEO Karl-Heinz Strauss

15:52 Min. Verfügbar bis 17.03.2028

Mittlerweile steht der unter anderem durch Hochtief gebaute, erste Neubau-Teil der Leverkusener Brücke und ist seit 2023 befahrbar, der zweite soll es 2027 sein. Es läuft aber noch ein Rechtsstreit um die Kosten für das fehlgeschlagene Bauprojekt. Den dreistelligen Millionenbetrag muss entweder Porr oder die Staatskasse übernehmen.

Unsere Quellen:

  • Parlamentarischer Untersuchungsausschuss III
  • Eigene Recherchen

Sendung: wdr.de "Streit um Auftrag für Leverkusener Brücke", 27.04.2026, 18 Uhr

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