Ministerin Gorißen gibt einem Roboter Nachhilfe beim Packen von Kisten

Digitale Landwirtschaft Wie KI auf die Felder kommen soll

Stand:

Digitale Gießwagen, Roboter als Erntehelfer - in NRW bahnt sich Künstliche Intelligenz den Weg in die Landwirtschaft.

Wenn's sein muss, greift die NRW-Landwirtschaftsministerin auch schon mal einem Roboter unter die Arme. Silke Gorißen (CDU) hilft dem KI-betriebenen Maschinenmann gerade dabei, seine Hände einzusetzen. Es dauert bis er es schafft, einen gelben Ball in eine Kiste zu legen. Künstliche Intelligenz braucht viel Training, bevor sie tatsächlich effizient dabei helfen kann, die Landwirtschaft in NRW mit voranzubringen. Ministerin Gorißen hat sich davon gerade wieder ein Bild gemacht.

Roboter soll Felder bearbeiten

Beim Landmaschinenhersteller AI.Land in Krefeld-Hüls lernt sie von Geschäftsführer Josef Franko, dass die farbigen Computer-Simulationen um sie herum das sind, "was die Roboter nachts träumen". Dann würden die sich überlegen: "Wie kann ich einen Kohlrabi pflücken, die Wurzel entfernen, Radieschen pflanzen und so weiter." Denn eines Tages, erklärt Franko, sollen die lernenden Roboter allround-Kräfte sein.

Silke Gorißen und Josef Franko

Silke Gorißen und Josef Franko

"Der Roboter kann dann alles: von Bodenbearbeitung übers Pflanzen und Bewässern und Düngen zum Ernten und Verpacken." Und am Ende soll er sogar in der Lage sein, den Kunden ihre individuell frisch zusammengestellten Gemüsekisten nach Hause zu liefern. Noch ist das Vorzeigeprojekt des Unternehmens in der Entwicklung. Doch schon in ein paar Jahren könnte es hunderten landwirtschaftlichen Betrieben helfen, effizienter zu werden.

Lösungen entstehen nicht am Schreibtisch

Die Vision von Landwirtschaftsministerin Gorißen ist, dass solche helfenden und komplex denkende Maschinen in naher Zukunft einmal zum Alltag in der Forst- und Landwirtschaft gehören. Durch Klimawandel, steigende Anforderungen im Umwelt- und Naturschutz und Fachkräftemangel stehe die zunehmend unter wirtschaftlichem Druck, erklärt Gorißen.

KI immer mehr auch beim Gemüsebau

WDR 5 Westblick - aktuell 11.05.2026 05:29 Min. Verfügbar bis 11.05.2027 WDR 5

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"Gleichzeitig geht es darum, qualitativ hochwertige und bezahlbare Lebensmittel zu erzeugen." Und Lösungen dafür würden nicht am Schreibtisch entstehen, sondern draußen bei den Betrieben - und im Austausch mit Praxis, Forschung und Unternehmen. Auf ihren Touren unter dem Motto "Starke Zukunft in NRW" holt sich die Landwirtschaftsministerin in mehreren Etappen Einblicke in konkrete Anwendungen von Künstlicher Intelligenz.

Smarte grüne Wände und Gießwagen

Landwirtschaftsministerin Gorißen lässt sich am Earth Observation Lab der Hochschule Rhein–Waal einen digitalen Gieswagen demonstrieren

Markus Baumgärtner (links), Landwirtschaftskammer, René Roeterink, EOlab, Ministerin Gorißen am "Digitalen Gieswagen"

Wie vielseitig KI-Technologien bereits heute einsetzbar sind, erforscht die Hochschule Rhein-Waal. Im "Earth Observation Lab" auf dem Campus in Kamp Lintfort entwickelt ein Team um den Physiker Rolf Becker intelligente Systeme, wie einen digitalisierten Gießwagen, der im Zierpflanzenanbau zum Wassersparen beitragen soll. Mithilfe von KI wird der Standort eines Pflanztopfes präzise ermittelt und die Bewässerung punktgenau gesteuert. Das spart Wasser und entlastet gleichzeitig das Personal.

Eine intelligente grüne Wand, die "Smart Green Wall" verbindet dagegen moderne Begrünungskonzepte mit intelligenter Steuerung. Hier sorgt KI dafür, dass Bewässerung, Nährstoffzufuhr und Pflege automatisch an die jeweiligen Bedingungen angepasst werden - für gesündere Pflanzen bei reduziertem Ressourcenverbrauch.

Gorißen: Offen für Neues sein

Silke Gorißen lobt das Potenzial von Forschungseinrichtungen und Unternehmen in NRW, die solche Lösungen weiter ausfeilen, um sie alltagstauglich zu machen. "Wir sehen anhand dieser Beispiele, wie künstliche Intelligenz immer mehr dazulernt - etwa, was den Bedarf von Pflanzen angeht oder wo es Erkrankungen gibt." Es gelte, offen für Neues zu sein, doch momentan werde noch sehr viel erforscht.

Dennoch sei sie zuversichtlich, dass die KI in den nächsten drei bis fünf Jahren verbreitet Einzug in landwirtschaftlichen Betrieben halten wird. Hier setzt das Land mit der „Europäischen Innovationspartnerschaft für Produktivität und Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft“ (EIP-agri) an. Mit Mitteln des Landes und der Europäischen Union werden bis 2029 knapp zehn Millionen Euro an Zuschüssen gegeben.

Unsere Quellen:

  • NRW Landwirtschaftsministerium
  • Interview Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen
  • Interview Rolf Becker, Campus Kamp-Lintfort der Hochschule Rhein-Waal
  • Interview Josef Franko, AI.Land

Sendung: WDR 5, Westblick 11.05.2026, 17:10 Uhr

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