Ein Hähnchen

Mehr Tierwohl? Kameras und KI beobachten Hühner in Soest

Stand:

Wie geht es Masthähnchen in Freilandhaltung? Ein neues Forschungsprojekt in Soest soll Antworten liefern – mit Kameras und KI.

Von Eva Schulze-Gabrechten

Empört schlägt das kleine Huhn mit den Flügeln, als Landwirt Sebastian Gockel es aus der roten Transportkiste hebt. Gerade sind die Tiere auf dem Hof in Soest-Ruploh angekommen. Der 35-Jährige hält das Huhn vorsichtig in seinen Händen und ist fasziniert: "Wahnsinn, wie klein die noch sind." Masthähnchen hat er zuvor noch nicht gehalten.

Auswirkungen von Freilandhaltung auf Masthähnchen

Ein neues Forschungsprojekt zusammen mit der FH Südwestfalen macht es jetzt möglich. Das will untersuchen, wie sich die Freilandhaltung auf die Tiere auswirkt.

In Pose mit den Hähnchen

Geflügelhalter Sebastian Gockel und Agrarwissenschaftlerin Sandra Kronenberg vor dem Mobilstall.

Die Hähnchen werden dazu in einem Mobilstall untergebracht - der sieht aus wie ein Bauwagen, und bietet Platz für rund 400 Tiere. Tagsüber sollen sie draußen auf der Wiese laufen, nachts kommen sie in den Stall. Landwirt Gockel hält so schon seit einigen Jahren seine Legehennen.

Kameras und KI sollen bei der Forschung helfen

Für das neue Forschungsprojekt werden Kameras das Verhalten der Masthähnchen beobachten. Mithilfe von KI werten die Wissenschaftler dann die Aufnahmen aus: Sie wollen zum Beispiel sehen, wie aktiv die Tiere sind und ob sie Stress zeigen. Agrarwissenschaftlerin Sandra Kronenberg von der FH Südwestfalen in Soest hofft auf wertvolle Erkenntnisse.

"Masthähnchen aus Freilandhaltung sind in Deutschland bisher ein absolutes Nischenprodukt. Wir freuen uns, durch das neue Projekt jetzt ganz praxisnah forschen zu können." Sandra Kronenberg, Agrarwissenschaftlerin an der FH Südwestfalen
Der mobile Stall von Innen

Kameras (rechts oben im Bild) filmen das Verhalten der Tiere für Forschungszwecke.

Landwirt Sebastian Gockel steht vor der Herausforderung, die Masthähnchen erfolgreich zu vermarkten. Sie werden teurer sein als das übliche Supermarkt-Produkt. Denn die Tiere haben täglichen Auslauf und werden langsamer gemästet als üblich: Schlachtreif sind sie im Alter von 62 Tagen - fast doppelt so alt wie ein Standard-Masthuhn.

Sinnvolle Geschäftsidee?

Der 35-Jährige hält das für den richtigen Weg. Und eine gute Geschäftsidee: "Masthähnchen aus diesen Haltungsbedingungen gibt es so gut wie gar nicht. Aber ich glaube, dass viele Verbraucher sich solch ein Fleisch wünschen. Und ich möchte es anbieten."

Bis zum Ende der Woche bleiben die Hähnchen noch im Stall, um sich einzugewöhnen. Dann sollen sie die Welt draußen erkunden - und wichtige Forschungsergebnisse liefern.

Mehr Tierwohl? Kameras und KI beobachten Hühner in Soest

WDR Studios NRW 16.03.2026 00:50 Min. Verfügbar bis 15.03.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen und Gespräche von WDR-Reporterin vor Ort
  • Fachhochschule Südwestfalen
  • Bundesinformationszentrum Landwirtschaft

Sendung: WDR 2 Südwestfalen, Lokalzeit, 16.03.2026, 11:31 Uhr

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