Höcke auf Promo-Tour bei NRW-AfD: Warum ist der Faschist hier?
Aktuelle Stunde . 22.02.2026. 33:18 Min.. UT. Verfügbar bis 22.02.2028. WDR. Von Nicolas Vordonarakis.
Björn Höcke ist ein ungewohnter Gast in NRW - eigentlich. Doch gerade wird ein Besuch in Dortmund heftig diskutiert: Die dortige Ratsfraktion der Dortmunder AfD hat den rechtsextremen Politiker heute Abend (22.02.26) zu ihrem Neujahrsempfang eingeladen.
Bürgermeister Alexander Kalouti (CDU) war dagegen und hatte die Veranstaltung verboten. Begründung: Die Veranstaltung sei so kein Empfang mehr, sondern eine parteipolitische Veranstaltung, und die seien im Rathaus nicht erlaubt.
Doch die AfD hatte vor Gericht Erfolg: Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hat das Verbot am Freitagabend gekippt - und für eine Beschwerde vor einer höheren Instanz war es so knapp vor dem Wochenende dann zu spät. Ergebnis: Höcke war am Sonntag dabei, begleitet von Protest. Mehr als 3.000 Menschen versammelten sich vor dem Rathaus, um gegen den Auftritt zu demonstrieren.
Höcke mit weiteren Auftritten in NRW
Protest gegen Höcke am Hermannsdenkmal
Hinter dem Auftritt könnte mehr stecken als Eigenwerbung für den höchst umstrittenen Politiker. Denn Höcke ist nicht nur in Dortmund zu Gast. Geplant war für Sonntagvormittag in Detmold auch ein Fototermin am Hermannsdenkmal. Dort versammelten sich jedoch vorab im strömenden Regen etwa 350 Demonstranten, um gegen Höckes Auftritt zu protestieren. Zu dem Protest aufgerufen hatten die "Linksjugend Lippe" und die Grünen.
Höcke wich daraufhin in das wenige Kilometer entfernte Horn-Bad Meinberg aus. Dort ließ er sich an den Externsteinen mit einigen AfD-Anhängern fotografieren. Sowohl das Hermannsdenkmal als auch die Externsteine bekamen im Nationalsozialismus eine propagandistische Bedeutung. In rechtsextremen Kreisen gelten sie bis heute als besondere Kultorte. Der Landesverband Lippe als Betreiber der beiden Ausflugsziele kämpft seit Jahren gegen die Vereinnahmung der Orte durch Rechtsextreme.
Am Montag möchte Höcke darüber hinaus in Düsseldorf bei einer AfD-Versammlung im Stadtteil Garath dabei sein. Dort hatte die AfD bei den nordrhein-westfälischen Kommunalwahlen im vergangenen Herbst einen Spitzenwert von rund 32 Prozent erzielt.
Dass der Kreisverband in Düsseldorf und die Fraktion in Dortmund Höcke einladen, kann man als Machtkampf innerhalb der AfD verstehen. Denn der Landesverband NRW gilt als gemäßigter als in anderen Bundesländern, unter anderem wegen des Vorsitzenden Martin Vincentz. Der hat sich in der Vergangenheit für eine gewisse Abgrenzung nach Rechtsaußen ausgesprochen.
Extreme wollen Einfluss in NRW-AfD
Doch das passt nicht allen Mitgliedern in NRW: Mit dem prominenten Höcke als Gast positionieren sie sich auf der ganz äußeren rechtsextremen Linie. Seit Monaten formiert sich in der AfD Widerstand gegen Parteichef Vincentz.
Dazu passt auch, dass Höcke am Hermannsdenkmal zusammen mit dem Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich aus Dortmund auftreten wollte - was nun an den Externsteinen stattfand. Helferich wurde vergangenes Jahr aus dem Landesverband der AfD ausgeschlossen, wegen "völkischer Tendenzen". Auch er gehört also zum besonders rechten Lager.
Anfang März veranstaltet die NRW-AfD einen Parteitag in Marl. Dabei soll auch der Landeschef neu gewählt werden. Amtsinhaber Vincentz gilt als geschwächt. Die extremeren Kräfte in der AfD könnten ihm den Kampf ansagen, um im NRW-Verband die Macht zu übernehmen - unter anderem mit Auftritten wie denen von Björn Höcke.
Unsere Quellen:
- Stadt Dortmund, Stadt Düsseldorf
- Verwaltungsgericht Gelsenkirchen
- Einschätzungen der landespolitischen Redaktion des WDR
- WDR-Archiv
- WDR-Reporter vor Ort
- dpa
Transparenzhinweis: Der Landesverband Lippe ist der Betreiber der Externsteine. In einer früheren Version war der Landschaftsverband Westfalen-Lippe benannt worden. Dies haben wir korrigiert.
Sendung: WDR 5, WDR aktuell, 21.02.2026, 9 Uhr