Erstes Bundeswehr-Gelöbnis vor Landtag | Kurzvideo
00:24 Min.. Verfügbar bis 04.09.2027.
Es war ein ungewohntes Bild an diesem Donnerstagmorgen vor dem Eingang des Landtags in Düsseldorf: Ein Leopard-Panzer stand dort, aber auch andere Bundeswehrfahrzeuge. An einem Stand konnte man Drohnen aus der Nähe betrachten. Auf der Wiese vor dem Landtag stellten sich Soldaten und Soldatinnen auf - für eine Probe.
Vor großem Publikum legten hier heute rund 420 Bundeswehr-Rekruten aus NRW ihr Gelöbnis ab. Das Wachbataillon marschierte, musikalisch begleitet durch das Luftwaffenmusikkorps der Bundeswehr Münster.
Treueschwur gesetzlich vorgeschrieben
Mit dem "feierlichen Gelöbnis" bekennen sich angehende Soldaten zur Treue gegenüber der Bundesrepublik: "Ich gelobe, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen." Die Zeremonie findet am Ende der Grundausbildung statt und ist im Soldatengesetz vorgeschrieben.
Wer sich weigert, die Worte zu sprechen, ist für den Rest der Dienstzeit grundsätzlich von Beförderungen und sonstigen förderlichen Maßnahmen ausgeschlossen. Soldatinnen und Soldaten auf Zeit werden sogar entlassen und verlieren ihren Dienstgrad.
Zuschauer sogar aus den USA
Nach Angaben der Bundeswehr ist es das bisher größte Gelöbnis in diesem Jahr in Deutschland. Erwartet wurden 1.400 Zuschauer - Angehörige, Kameraden, Berufssoldaten. Vor dem Landtag waren dafür Tribünen aufgebaut. Sogar eine Familie aus Kentucky in den USA sei zum Gelöbnis angereist, sagte Bundeswehr-Sprecher Ulrich Fonrobert.
Ministerpräsident Wüst vor den Rekruten
Am frühen Nachmittag hielt Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) dann eine Gelöbnisrede vor den Soldaten, Ehrengästen, Familien und Besuchern. Man könne den jungen Rekrutinnen und Rekruten "nicht dankbar genug sein", sagte Wüst vorab: "Wer Demokratien entwaffnet, macht Recht und Freiheit schutzlos."
Ein großes Spektakel – aber wofür?
Der Grund der aufwendigen Inszenierung: Die Bundeswehr solle sichtbarer werden, "auf ausdrücklichen Wunsch der politischen Leitung unseres Landes NRW", hatte Brigadegeneral Hans-Dieter Müller vorab erklärt. "Rekrutinnen und Rekruten leisten ihren Eid vor der 'Herzkammer' der Demokratie" in NRW. Es sei ein "mehr als deutliches Bekenntnis aller, dass die Bundeswehr ihren Platz genau hier hat: In der Mitte der Gesellschaft".
"Bundeswehr endlich wieder da": Sprecher Fonrobert
Die Bundeswehr habe in der Vergangenheit immer kämpfen müssen, um öffentlich gesehen zu werden, sagte Bundeswehr-Sprecher Fonrobert am Donnerstag dem WDR. Das ändere sich jetzt.
Zwar habe die Bundeswehr in den vergangenen Jahren immer auch den Ernstfall geprobt, aber heute, da die politische Lage "brenzliger als noch vor fünf Jahren" ist, sei es ein "starkes Zeichen", dass jetzt mehr als 400 neue Rekruten antreten.
Feierliches Gelöbnis vor dem NRW Landtag in Bildern
Es ist das größte öffentliche Gelöbnis der Bundeswehr in diesem Jahr: 420 Rekruten legen am Donnerstag ihren Diensteid vor dem Landtag in Düsseldorf ab.
Wie kam es zum öffentlichen Gelöbnis?
Bereits 2022 nahm der Landtag den Antrag an, das Gelöbnis in die Öffentlichkeit und damit auf die Landtagswiese in Düsseldorf zu verlagern. "Deutschland und Europa müssen wehrhaft sein gegen drohende Angriffe. Dafür brauchen wir eine moderne und starke Verteidigungsarmee, die unsere Freiheit und Demokratie schützt", sagte Kuper damals. Die Grünen hatten sich damals enthalten.
Aufrufe zum Protest
Der Festakt ist aber nicht unumstritten. Das Bündnis "Düsseldorfer Appell" verteilte Flugblätter mit dem Titel "Gelöbnix, nein zur Militarisierung unserer Stadt". Eine Vorbereitung auf einen Krieg sei "Wahnsinn", heißt es darin, "weil es bei einem Krieg in Europa nichts mehr zu verteidigen gibt".
Demonstranten mit Plakaten
Weitere Gruppen, darunter laut Polizei eine studentische Bewegung und die Linkspartei, hatten Stände aufgebaut und hielten Transparente. Darauf Sätze wie "Kriegsdienst verweigern" oder "Unsere Kinder KRIEGt ihr nicht". Auch die Deutsche Friedensgesellschaft NRW und die Gruppe "Offenes Antifa Treffen" waren dabei.Einige Demonstranten, die mit Trillerpfeifen in Richtung des gerade stattfindenden Gelöbnis liefen, wurden von der Polizei gleich weggedrängt und mitgenommen. Abseits der Demo verwickelten sich Protestierende kurzzeitig in hitzige Gespräche mit der Polizei. Bis zum Nachmittag blieb die Veranstaltung aber sonst ruhig.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter vor Ort
- Statement Landtagspräsident André Kuper
- Statement Brigadegeneral Hans-Dieter Müller
- Mitteilung der Bundeswehr
- Homepage der Bundeswehr
- Jugend gegen Rechtsruck Düsseldorf
- Die Linke Düsseldorf