Mehr Hilfe durch Drohnen?

Aktuelle Stunde 03.02.2026 23:22 Min. UT Verfügbar bis 03.02.2028 WDR Von Alexander Roettig

Drohnen-Konferenz: Moderne Technik made in NRW und viele offene Fragen

Stand:

Drohnen made in NRW liefern Blutkonserven oder inspizieren marode Brücken. Die Branche wächst schnell. Doch die dazu notwendigen Gesetze hinken hinterher.

Von Nina Magoley

Wenn Petra Eilhard und ihr Kollege im Kleinbus der "Luftaufsicht" durch NRW unterwegs sind, gehen ihre Blicke immer wieder gen Himmel. Sie kontrollieren den Drohnenverkehr in der Luft. Kommt eine Drohne in Sicht, checken sie, ob sie sich in zulässigem Gebiet befindet und ob der Pilot eine Genehmigung für den Flug hat. "In 19 von 20 Fällen ist dem nicht so", sagt Eilhard. Immer noch existiere sehr viel Unwissen - oder die Betreiber setzten sich über die Regularien hinweg.

Mitarbeiter der Luftaufsicht mit Drohne

Petra Eilhard und ihr Kollege von der "Luftaufsicht"

Es braucht also eine Art Verkehrsordnung in der Luft. Darum ging es unter anderem bei der ersten Drohnenkonferenz NRWs, die am Dienstag im Umwelt- und Verkehrsministerium stattfand. Unter dem Titel "Zugang erleichtern – Herausforderungen lösenTechnologien anwenden" waren 150 Fachleute geladen.

Vom Nischenprodukt zur Schlüsseltechnologie

Drohnen seien in wenigen Jahren vom Nischenprodukt zur Schlüsseltechnologie geworden, sagte NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne). Allein zwischen 2019 und 2023 habe sich die Zahl der kommerziell genutzten Drohnen in Deutschland von rund 19.000 auf mehr als 56.000 fast verdreifacht.

Viele der deutschen Firmen, die Drohnen herstellen oder Drohnenflüge als Dienstleitung anbieten, haben ihren Sitz in NRW. Auf der Konferenz wurde deutlich, wo diese unbemannten Flugobjekte schon überall zum Einsatz kommen - und wie sehr die damit verbundenen Regularien und Gesetze hinterherhinken.

NRW will dabei sein: Zukunftstechnologie Drohnen

WDR Studios NRW 03.02.2026 03:53 Min. Verfügbar bis 03.02.2028 WDR Online

Blutproben und Transfusionen transportieren

Stand der Firma Urban Ray

Transport von medizinischem Material

Die Drohnen der Firma Urban Ray zum Beispiel düsen kreuz und quer durch Köln und durchs Ruhrgebiet. Sie transportieren medizinisches Material: Blutproben, Transfusionen, Gewebeproben. An Bodenstationen, die ähnlich wie die Packstationen der Post funktionieren, werden die Drohnen beladen und fliegen dann automatisiert an ihr Ziel, wo wieder eine Bodenstation wartet.

Firmenmitgründer Fabian Binz erklärte in seinem Vortrag, wie komplex die Zulassungsbedingungen sind. Unzählige Faktoren müssten berücksichtigt und analysiert werden: Die Besiedelungsdichte unterhalb der Flugtrassen, Wetterbedingungen, möglicherweise vorhandene Baukräne.

Auch beim Ahr-Hochwasser im Einsatz

Noch vor zehn Jahren, schwärmte Verkehrsminister Krischer, seien solche Elektroflugzeuge reine "technische Spielerei" gewesen. Heute seien sie überall in NRW im Einsatz: Bei der Überwachung von Brücken, Bahnweichen und Hochspannungsmasten, an den internationalen Flughäfen, zur Überwachung kritischer Infrastruktur, zur Vermessung von Bauplätzen oder als Transportmittel. Beim Ahr-Hochwasser Ende 2023 sei er beeindruckt gewesen, erzählte Krischer, wie Feuerwehr und THW mithilfe von Drohnen nach Menschen suchen konnten, die noch eingeschlossen waren.

Dann sagte der Minister einen interessanten Satz: Während NRW "an vielen Stellen den Anschluss verpasst" habe, bestehe jetzt die Chance, bei der Drohnentechnologie zum Innovationsstandort zu werden. Die Herausforderungen dabei seien groß, räumte er ein - mit Blick auf Kriegsschauplätze wie die Ukraine, wo Drohnen zu tödlichen Angriffswaffen werden: "Drohnen kann man missbrauchen, sie können aber auch Leben retten."

Es gelte, den Zugang verantwortungsvoll zu reglementieren, Zulassungen und Genehmigungen zu beschleunigen, aber auch Missbrauch zu verhindern. Illegale Flüge, etwa in der Nähe von Flughäfen, über Menschenansammlungen oder in sensiblen Sicherheitsbereichen, seien verboten und würden strafrechtlich verfolgt.

Drohnen haben Kriegsführung verändert

Verkehrsminister Krischer am Rednerpult

"Chance und Gefahr zugleich": Verkehrsminister Krischer

Auf der Konferenz ging es vor allem um Drohnen zur zivilen Nutzung. Staatssekretär Paul Höller aus dem Wirtschaftsministerium wies aber auch auf die Bedrohung durch diese unbemannten Flugobjekte hin. Der Krieg in der Ukraine habe gezeigt, dass der Einsatz von bewaffneten Drohnen die Methoden der Kriegsführung verändert habe.

Hinzu komme: Mehr als 1.000 Überflüge unbekannter Drohnen habe das Bundeskriminalamt im vergangenen Jahr deutschlandweit registriert. "Das ist auch ein Teil des Themas", räumte Minister Krischer ein. Auch diese Herausforderung spiele bei der Erteilung von Fluggenehmigungen eine Rolle.

"Dampf auf dem Thema"

Es brauche zügig eine Art Luftverkehrsordnung, sagte Krischer. Man "diskutiere" darüber auf Bundesebene, NRW wolle sich da "konstruktiv einbringen". Der Verkehrsminister aus NRW sei in Berlin "sichtbar", bescheinigte zumindest Oliver Heinrichs von der Rechtsberatungsfirma BHO Legal, im Bundesverkehrsministerium sei "Dampf drauf" beim dem Thema.

Drohne der Firma Morpheus

Drohne der Dortmunder Firma Morpheus

Norman Koerschulte von der Dortmunder Firma Morpheus geht das aber noch viel zu langsam. Die Dortmunder bauen leuchtend orangefarbene, schnittig aussehende Drohnen. "Die Technik ist da, die Drohnenlogistik und auch zahlungsbereite Kunden - aber in der Realität werden wir ausgebremst", beklagte er sich in seinem Vortrag. Statt bei der Entwicklung in Jahren zu denken, müsse die Frage sein: "Was wollen wir nächste Woche erreichen?"

Gesellschaftliche Akzeptanz erhöhen

Die "Regulatorik" komme hinter der technologischen Entwicklung nicht her, sagt Koerschulte, "das ist der absolute Wahnsinn". Seine leidige Erfahrung: Beim Luftfahrtbundesamt, wo die Genehmigungen beantragt werden müssen, fehle es massiv an Personal. Ein Genehmigungsantrag, den Morpheus im Sommer 2025 gestellt hat, sei bis heute "noch nicht mal angeschaut" worden, berichtet er.

Auch an die Politik hat er eine Forderung: Die müsse mithelfen, die gesellschaftliche Akzeptanz für Drohnen zu verbessern. Ob beim Thema Lärm oder Datenschutz: "Die Politik muss hier die Bürger mitnehmen."

Denn das Thema Drohnen polarisiert: Einerseits ist die Skepsis vieler Menschen groß. Gleichzeitig lassen unzählige Hobbypiloten in NRW ihre Drohnen nach Lust und Laune aufsteigen. Gerade bei besonderen Ereignissen - dem Rheinfeuerwerk am Japan-Tag in Düsseldorf oder bei spektakulären Sprengungen zum Beispiel - hat Petra Eilhard von der "Luftaufsicht" alle Hände voll zu tun. Vielen, sagt sie, sei das Risiko dabei überhaupt nicht bewusst.

Unsere Quellen:

  • Fachkonferenz "Zugang erleichtern – Herausforderungen lösen – Technologien anwenden" am 03.02.2026
  • Interview mit Verkehrsminister Oliver Krischer

Sendung: WDR 5, Westblick, 03.02.2026, 17:04 Uhr
Sendung:
WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 03.02.2026, 18:45 Uhr

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