Symbolbild: Das Präzisionsgewehr HLR 338 Pro ist bei der Fachmesse für Sicherheitstechnologie Enforce Tac am Stand der Firma C. G. Haenel ausgestellt (2025).

NRW-Rüstungsindustrie: Großer "Defence Innovation Summit"

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In Kriegszeiten boomt die Rüstungsindustrie. Die Landesregierung ist entschlossen, diese Branche zu fördern. Auch kleine Startups stehen dabei im Fokus.

Von Nina Magoley

Wenn sich in drohenden Kriegszeiten viele Menschen verunsichert fühlen, boomt gleichzeitig eine Branche: die Rüstungsindustrie. Auch NRW profitiert davon. Mit Rheinmetall sitzt das größte deutsche Rüstungsunternehmen in Düsseldorf. Daneben gibt es noch eine wachsende Szene an kleineren Unternehmen und Startups, die angesichts des globalen Säbelrasselns Hochkonjunktur haben - und damit offenbar zum wirtschaftlichen Hoffungsträger der Landesregierung geworden sind.

Die beteiligten Unternehmen dürfen sich gerade über sehr viel Aufmerksamkeit aus der Landesregierung freuen. So fuhr Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) nach Weeze zur Fabrikeröffnung für das Kampfflugzeug F-35. Er traf sich auf dem Truppenstandort Geilenkirchen mit NATO-Generalsekretär Rutte. Und hielt eine Rede beim ersten öffentlichen Gelöbnis direkt vor dem Landtag – Leopard-Panzer inklusive.

NRW- Ministerpräsident Hendrik Wüst und NATO-Generalsekretär Mark Rutte auf der Air Base in Geilenkirchen. Sie stehen vor einem Flugzeug von Leuten umgeben in Uniformen und halten Uniformen in der Hand. Beide lachen.

Wüst und NATO-Generalsekretär Rutte auf der Air Base in Geilenkirchen

Wüst bezeichnete NRW bereits als "logistische Drehschreibe für militärische Operationen im Herzen Europas". Auch die in NRW mitregierenden Grünen zeigen keine Hemmungen mehr beim Thema Rüstungsindustrie. Die grüne NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur nannte die Branche "Teil einer modernen Industriepolitik". NRW übernehme "Verantwortung für ein verteidigungsfähiges, resilientes und souveränes Europa", erklärte Neubaur auf WDR-Anfrage.

Großes Branchentreffen in Düsseldorf

Am Donnerstag findet in Düsseldorf der "Defence Innovation Summit" statt: 300 Teilnehmende aus Wirtschaft, Politik, Bundeswehr, NATO, Industrie- und Handelskammern kommen am Nachmittag in Düsseldorf zusammen. Ministerpräsident Wüst ist auch dabei. Es geht darum, Start-ups und andere Innovationen voranzutreiben.

Diese neue Industriepolitik trägt den Namen "Defence.NRW". Die Idee dahinter: Sämtliche Hersteller und Forschungseinrichtungen in NRW, die Materialien oder Wissen produzieren, das in irgendeiner Weise der Aufrüstung dienen kann, sollen gebündelt und miteinander vernetzt werden. Dazu gehören auch Hersteller - etwa aus der Nanotechnologie, Photonik oder der Luft- und Raumfahrt - deren Produkte bislang eher für den zivilen Bereich gedacht waren, aber auch bei der Entwicklung von Rüstung und Verteidigung eine wichtige Rolle spielen können. Sogenannte "Dual-Use"-Produkte.

Im neu ausgerufenen Förderwettbewerb "Defence.Tech.NRW" sollen laut Ministerium kleine und mittlere Unternehmen, Start-ups und Forschungseinrichtungen Unterstützung erhalten können, "um ihre Fähigkeiten für Innovationen, Technologien und Dual-Use-Anwendungen für die zivile und militärische Verteidigung auszubauen". Das Land nutzt dazu 25 Millionen Euro, die die EU zur Verfügung stellt.

Unternehmen der Sicherheits- und Verteidugungsindustrie können außerdem seit Mitte 2025 die Programme und Kredite der NRW.Bank in Anspruch nehmen.

Wie fördert die Landesregierung die NRW-Rüstungsindustrie

WDR Studios NRW 08.01.2026 01:38 Min. Verfügbar bis 08.01.2028 WDR Online

Startups oft schneller als Konzernriesen

22.07.2025, Niedersachsen, Unterlüß: Ein Mitarbeiter arbeitet im Turm eines Schützenpanzer vom Typ Puma in einer Werkshalle des Rüstungsunternehmens Rheinmetall.

Rheinmetall: Preiskonkurrenz durch Startups

Gerade den kleinen Startups kommt dabei eine wichtige Rolle zu: Sie agieren oft schneller als die großen Rüstungskonzerne, da ihre Entscheidungsprozesse kürzer sind. Außerdem stellten sie eine Konkurrenz für die etablierten Unternehmen dar, sagt Wirtschaftsforscher Klaus-Heiner Röhl vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft - und könnten diese bei den Preisen unter Druck setzen.

Dabei vermeiden viele solcher Startups bewusst ein Label als Rüstungshersteller. Unter dem Oberbegriff Defence Tech - in der Branche kurz DefTech - finden sich Firmen, die Technik für militärische Zwecke entwickeln, aber auch zivile Startups aus den Bereichen Logistik, Mobilität und Cybersecurity. Produkte sind zum Beispiel autonome Drohnen, intelligente Sensorsysteme oder flexible Tarntechnologien.

Aufklärungsdrohnen aus Mülheim

Eins dieser Startups ist der Drohnenhersteller Infinteq in Mülheim an der Ruhr. In nur wenigen Monaten wurden hier Aufklärungsdrohnen entwickelt, die jetzt an das ukrainische Militär geliefert werden sollen. Die Schnelligkeit habe auch ihren Preis bei der Perfektion, räumt Firmengründer André Komp dem WDR gegenüber ein: "Da ist im Moment eher der Anspruch, 80 Prozent zu reichen. Die letzten 20 Prozent die werden dann zusammen mit der Truppe weiterentwickelt." Für die Ukraine sei im Moment Zeit wichtiger als Perfektion.

Weitere Beispiele für NRW-Startups, deren Produkte einst für den zivile Einsatz entwickelt wurden, sich jetzt aber als dual-use-tauglich zeigen: Das Unternehmen SmartSensor Labs in Dortmund - hier werden sogenannte CBRN-Erkennungssysteme zum Chemisch, Biologisch, Radiologisch und Nuklearen -Schutz entwickelt. Die Firma Auxsys in Aachen entwickelt Ganzkörper-Exoskelette zur Entlastung von Menschen bei schwerer körperlicher Arbeit. Im Dual-Use-Einsatz sollen sie auch vom Militär genutzt werden können. SecureGrid in Essen stellt Netzwerke für abhörsichere Kommunikation her.

Diese und etwa 10 weitere Startups aus NRW sind mittlerweile in der DefTech-Szene gelistet. In Bayern dagegen finden sich bereits rund 35, in Baden-Württemberg 30 solcher Unternehmen.

Wie Start-ups die Rüstungsbranche verändern

WDR 5 Morgenecho - Interview 08.01.2026 07:27 Min. Verfügbar bis 07.01.2027 WDR 5

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Bislang beklagte sich die Branche vor allem über zu viel Genehmigungsbürokratie und zu wenig staatliche Förderung. Das könnte sich jetzt ändern: NRW will offenbar richtig Gas geben für die boomende Rüstungsindustrie: Am 14. Januar richtet NRW in Berlin die Konferenz "Frieden verteidigen in der Zeitenwende" aus, auf der Entwicklungen und Chancen für die Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft in NRW und Deutschland im Mittelpunkt stehen sollen. Im März ist ein Kongress "Defence.NRW – Verantwortung und Chancen in der Zeitenwende" geplant. Der Kongress soll laut Wirtschaftsministerium "starke Impulse für den SVI-Standort Nordrhein-Westfalen setzen".

Unsere Quellen:

  • Statement NRW-Wirtschaftsministerium
  • Prssemeldung zum "Defence Innovation Summit"
  • Homepage "Defence.NRW"
  • WDR-Reportage beim Startup Infinteq

Sendung: WDR 5, Morgenecho, 08.01.2026, ab 06:00 Uhr

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