Der russische Überfall auf die Ukraine hat nicht nur die deutsche Außenpolitik vor völlig neue Aufgaben gestellt. Auch die deutsche Rüstungsindustrie rückt immer stärker in den Fokus. An diesem Donnerstag treffen sich in Düsseldorf Vertreter aus Politik, Forschung , Wirtschaft, Militär und Start-up-Welt zum "Defence Innovation Summit NRW", dabei auch Rheinmetall-Vertreter. Ziel ist die Bildung eines Netzwerks in Nordrhein-Westfalen für Innovationen im Bereich Verteidigung und Sicherheit, welches die technologische Unabhängigkeit Deutschlands und Europas fördern soll.
Diesem Zweck dient auch ein Projekt, an dem die beiden Rüstungskonzerne Rheinmetall und MBDA Deutschland bereits seit 2019 arbeiten. Sie wollen im Laserwaffen-Geschäft vorankommen. Darum haben die beiden Firmen einen sogenannten Demonstrator entwickelt, eine Laserwaffe im Erprobungsstadium.
Das Waffensystem wurde bereits ein Jahr lang auf einem deutschen Marineschiff getestet. Inzwischen ist es zur weiteren Erprobung an Land gebracht worden - und zwar an einen Bundeswehr-Standort in Meppen, in Niedersachsen. Aber was sind das für Waffen und was sind die Besonderheiten? Antworten auf die wichtigsten Fragen im Überblick.
Wie funktionieren Laserwaffen?
Laserwaffen sind eine komplexe Angelegenheit und in der Realität weit von solchen Exemplaren entfernt, wie man sie aus Science-Fiction-Filmen wie "Star Wars" kennt. Zum einen sind die Strahlen nicht bunt, sondern farblos. Zudem brauchen die Waffen enorme Mengen an Strom, was ihren mobilen Einsatz einschränkt - ein Schiff eignet sich daher dank seines starken Motors und großen Energietanks besser als ein Fahrzeug an Land.
Hinzu kommt das Thema Tracking: Die Sensorik folgt dem feindlichen Flugobjekt und berechnet blitzschnell, wann es den Laserschuss - also den Energiestrahl - abgeben muss, um es an einem bestimmten Punkt zu treffen. Auf See muss hierbei auch der Wellengang berücksichtigt werden, damit der Energiestrahl stabil am Zielobjekt bleibt und nicht abrutscht.
Ein besonderer Vorteil der Laserwaffe besteht darin, dass sie Objekte vom Himmel holen kann, die mehrere Kilometer entfernt sind.
Um welche Waffe geht es genau?
Rheinmetall und MBDA entwickeln nach eigenen Angaben zusammen hochmoderne Laserwaffensysteme. Zunächst soll die deutsche Marine ein solches System erhalten, das insbesondere zur Abwehr von Drohnen geeignet sei.
Die von den Firmen entwickelte Laserwaffe sei während eines Jahres auf einer deutschen Fregatte erprobt worden und habe sich bewährt. Es wurden demnach mehr als 100 Ziele erfolgreich beschossen. Dadurch seien alle notwendigen Fähigkeiten nachgewiesen worden, "um die Ziele präzise, schnell und kollateralschadensarm zu bekämpfen", heißt es in einer Rheinmetall-Mitteilung.
Es gehe bei den Laserwaffen nur um eine Ergänzung anderer Waffensysteme, also sogenannter Rohrwaffen und Lenkflugkörpern - dem Kerngeschäft der beiden Firmen.
Was sind die Vorteile der neuen Waffe?
Laserwaffen brauchen keine Munition. Das Waffensystem benötigt ausschließlich Strom. Der Laser kann dabei besonders kleine und agile Ziele bekämpfen, die mit konventioneller Munition nur mit hohem Aufwand zu treffen sind. Dadurch, dass ein Laserwaffensystem nur Photonen "verschießt", sinkt laut Rheinmetall die Gefahr von Kollateralschäden.
Gibt es einen heiklen Punkt bei Laserwaffen?
Ja - denn wenn etwas schief geht, drohen Unbeteiligten schlimme Schäden. Fliegt etwa ein unbeteiligtes Flugzeug durch den Laserschuss und blicken der Pilot oder ein Passagier in den Laser, so können sie erblinden. Auch Zivilisten am Ufer, die zufällig so einen Strahl abbekommen und auf dessen Quelle gucken, sind in Gefahr.
So weit soll es aber gar nicht erst kommen. Nach Darstellung von Rheinmetall und MBDA hat ihr bei der Marine erprobter Demonstrator es geschafft, "einen Haltepunkt in der Größe einer Ein-Euro-Münze auf einem weit entfernten Ziel stabil zu verfolgen und punktgenau die Energie der Laserwaffe dorthin zu bündeln". Diese Präzision gewähre "größtmögliche Sicherheit".
Wie innovativ ist die Laserwaffe von Rheinmetall und MBDA?
"Die Entwicklung ist natürlich eine echte Innovation, aber die Arbeit an diesem System läuft schon seit Jahren", sagte der WDR-Rüstungsexperte Ulrich Ueckerseifer am Dienstag. "Jetzt kommt es in die Nähe der Einsatzbereitschaft."
WDR-Rüstungsexperte Ulrich Ueckerseifer
Deutschland sei dabei zeitlich aber nicht so schnell wie andere. "Es ist wie so oft: Wer ein System dringend braucht, der ist in der Entwicklung schneller." Das treffe auf Israel zu. Dort habe die Armee ein ähnliches System bereits vor einigen Wochen in Betrieb genommen, sagte Ueckerseifer. Israel sei bei der Raketen- und Drohnenabwehr in vielen Bereichen führend. "Darum ist es logisch, dass sie auch bei den Laserwaffen eine führende Rolle spielen."
Ist auch eine zivile Nutzung möglich?
Theoretisch ja, praktisch vorerst wohl eher nicht. Zwar rüstet die auch die NRW-Polizei auf, um im Notfall störende Drohnen abwehren zu können. Allerdings hat das Gerät aktuell etwa die Größe eines Geschützturms. Vorerst ist deshalb mit einer zivilen Nutzung der Technik eher nicht zu rechnen.
Wie sehen die nächsten Schritte aus?
Die beiden Unternehmen Rheinmetall und MBDA wollen nach eigenen Angaben im ersten Quartal 2026 ein Gemeinschaftsunternehmen für Marine-Laser-Aktivitäten gründen. Von 2029 an soll das Produkt marktreif und damit regulär einsatzbereit sein.
Tests für die Drohnenabwehr an Land
Parallel dazu wird der maritime Laser-Demonstrator am Bundeswehr-Standort in Meppen weiterentwickelt. Am Laserkompetenzzentrum der "Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition" (WTD 91) soll er zur Erprobung "landgestützter Drohnenabwehr" genutzt werden.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit dem WDR-Rüstungsexperten Ulrich Ueckerseifer
- Nachrichtenagentur DPA
- Pressemitteilung von Rheinmetall
Sendung: WDR.de, Rheinmetall erprobt neue Laserwaffe für die Bundeswehr, 08.01.2026, 6 Uhr