Reul präsentiert Drohnenabwehr
Aktuelle Stunde . 15.10.2025. 19:08 Min.. UT. Verfügbar bis 15.10.2027. WDR. Von Martina Koch.
Bisher gab es in Nordrhein-Westfalen "kein Anzeichen" für russische Drohnen, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul am Mittwoch. Dennoch will er die Drohnen-Abfangtechniken bei der Polizei ausbauen. Die Ausrüstung müsse ständig auf den neuesten Stand gebracht werden, sagte der CDU-Politiker in Düsseldorf.
Innenminister Reul will gewappnet sein für verdächtige Drohnen von Russen, Kriminellen und "Spaßvögeln"
Militärische Drohnen können die Experten der nordrhein-westfälischen Polizei rechtlich und technisch nicht abfangen. Reul begrüßte Pläne von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), die Abwehr von Drohnen bundesweit zu regeln. Reul lud Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) ein, darüber mit der Innenministerkonferenz (IMK) zu beraten.
Drohnenabwehrzentrum geplant
Wegen immer weiterer Vorfälle mit Drohnen an Flughäfen will die Bundesregierung ihre Drohnenabwehr verbessern. Noch in diesem Jahr sollen die Spezialeinheiten der Bundespolizei um eine Drohnenabwehreinheit ergänzt werden. Auch ein geplantes Drohnenabwehrzentrum von Bund und Ländern soll noch 2025 in Betrieb gehen. Beides hatte Dobrindt unlängst angekündigt.
Der Landtag in Düsseldorf hatte letzte Woche über die Drohnenabwehr debattiert. Die Opposition warf Reul vor, keinen Plan für die Abwehr großer Drohnen in NRW zu haben. In NRW seien 2025 schon 195 illegale Drohnenflüge gesichtet worden. Die SPD forderte dazu mehr Aufklärung.
Pistorius sieht "klare" Zuständigkeiten, Reul nicht
Laut Bundesverteidigungsminister Pistorius sind die Zuständigkeiten bei der Drohnenabwehr gesetzlich klar geregelt. Allgemeine Gefahrenabwehr sei Sache der Landespolizeien. Die Bundespolizei sei für Flughäfen und Bahnhöfe zuständig "und die Bundeswehr ist für die Abwehr militärischer Angriffe verantwortlich und für den Schutz der eigenen Liegenschaften".
Drohnenabwehrtechnik der NRW-Polizei
Reul sieht hingegen ein "Dickicht an Zuständigkeiten". Bislang wehrt die NRW-Polizei Drohnen bei sicherheitsrelevanten Veranstaltungen unter anderem mit Störsendern und Spezialpistolen ab. NRW sei hier seit 2014 "Vorreiter", so der Minister. Als Beispiele nannte er den Schutz der Karlspreis-Verleihung und die Fußball-EM 2024. Allein bei der EM habe man 88-mal Drohnen über den Spielstätten detektiert und Piloten ermittelt.
"Wir starten nicht bei null", sagte auch Markus Robert, Vize-Landeschef der Gewerkschaft der Polizei. Jetzt müssten Politik und Innenministerium "klar definieren, was wollen wir denn zukünftig erreichen". Der GdP-Vertreter weiter: "Wenn wir die kritische Infrastruktur schützen wollen, dann müssen wir Kompetenzen in die Fläche bringen." Der Gewerkschafter fordert also mehr Drohnen-Experten in den Kreispolizeibehörden. Bisher gibt es nur ein zentrales Drohnen-Kompetenzteam in Duisburg.
Warnung vor Hysterie
Die Bundeswehr sei im Falle von militärischen Bedrohungen im Luftraum zuständig, hatte Pistorius in der vergangenen Woche erklärt. Außerdem könne sie im Rahmen der Amtshilfe um Unterstützung gebeten werden, etwa wenn die Polizei im Einzelfall nicht genügend Mittel oder Kräfte habe.
Auch mit der geplanten Gesetzesänderung auf Bundesebene könne die Bundeswehr nicht flächendeckend in Deutschland eingreifen. Der Verteidigungsminister hatte zudem davor gewarnt, angesichts des Drohnenthemas in Hysterie zu verfallen.
Dass die Drohnenabwehr nicht so einfach ist, wurde auch bei der Vorführung am Mittwoch mit Reul und Drohnenexperten der NRW-Polizei deutlich. Das aus einer Spezialpistole geschossene Fangnetz verfehlte beim ersten Schuss das Ziel. Auch eine große Jägerdrohne musste einen zweiten Anlauf nehmen, bis in ihrem Netz eine abzufangende Drohne baumelte und zur Erde fiel.
Über dieses Thema berichtet der WDR am 15.10.2025 auch im Westblick auf WDR5 und in der Aktuellen Stunde im WDR-Fernsehen
Unsere Quellen:
- Reul bei Pressetermin in Düsseldorf
- GdP-Landesvize Robert im Westblick-Interview
- Nachrichtenagentur dpa
