Strafe für Nacktfotos in Sauna oder am Strand
Aktuelle Stunde . 26.01.2026. 21:52 Min.. UT. Verfügbar bis 26.01.2028. WDR. Von Daniela Rüthers-Becker.
Rebecca und Anne konnten es nicht fassen: Die beiden Frauen aus Leipzig wurden heimlich nackt in der Sauna gefilmt - und der Täter kam ungestraft davon. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren ein, weil eine Sauna laut Gesetz kein "geschützter Raum" sei.
So schreiben es die beiden in einer Online-Petition, die schon über 55.000 Unterstützer gefunden hat. Darin fordern sie, dass heimliche Nackt-Aufnahmen in Saunen, Duschen oder Schwimmbädern bestraft werden können. Denn das können sie aktuell nicht generell.
Beim Joggen gefilmt
Der Fall erinnert an das, was Yanni Gentsch im Februar 2025 erleben musste. Die Kölnerin bemerkte beim Joggen, wie sie von hinten von einem Fahrradfahrer gefilmt wurde. Sie vermutete, der Mann hätte bewusst ihren Po gefilmt.
Als sie ihn zur Rede stellte, entschuldigte sich der Mann zwar und löschte das Video. Er fragte Yanni Gentsch aber auch, warum die Joggerin denn so eine Hose trage. Gentsch filmte die Szene und stellte sie ins Netz. Seitdem wurde das Video über 16 Millionen Mal aufgerufen.
Strafrechtliche Konsequenzen hatte der Vorfall für den Mann aber nicht. Denn er hatte keine nackte Haut oder etwa unter der Kleidung gefilmt - und damit gegen kein Gesetz verstoßen.
Über 100.000 Unterschriften
Auch Yanni Gentsch startete deshalb eine Petition, in der sie die Erweiterung des Paragraphen 184k im Strafgesetzbuch forderte. Bis zum Sommer kamen über 100.000 Unterschriften zusammen. Selbst NRW-Justizminister Benjamin Limbach (Grüne) zeigte sich beeindruckt: "Unser Recht muss eine klare Grenze ziehen, wenn Körperteile in sexueller Absicht heimlich oder gegen den Willen einer Person abgefilmt oder fotografiert werden"
NRW und Niedersachsen starten Initiative im Bundesrat
Zusammen mit seiner Amtskollegin aus Niedersachsen will Limbach nun eine Bundesratsinitiative starten. Ihr Ziel ist das Schließen von Strafbarkeitslücke bei sexuell motivierten Bildaufnahmen.
Erster Versuch im Herbst gescheitert
Bereits im November hatte Limbach das Thema auf die Tagesordnung der Justizministerkonferenz der Länder gesetzt - allerdings erfolglos. Der gemeinsame Antrag aus NRW und Hamburg fand keine Mehrheit unter den Justizministern.
Jetzt wollen NRW und Niedersachsen über den Bundesrat versuchen, eine Gesetzesänderung herbeizuführen. Sie wollen den Bund auffordern, dass auch offenbar sexuell motivierte Bildaufnahmen, die von den Betroffenen nicht gewollt sind, strafbar werden. Denn nur so könnte die Polizei eingreifen und dafür gesorgt werden, dass die Aufnahmen gelöscht werden müssen.
Auch Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) hat für dieses Jahr eine Änderung des Strafrechts angekündigt.
Unsere Quellen:
- eigene Berichterstattung
- NRW-Justizministerium
Sendung: WDR.de, NRW will ungewollte Filmaufnahmen verbieten, 26.01.2026, 06:00 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 26.01.2026, 18:45 Uhr