AfD-Kreisverband Düsseldorf am 23.02.2026 im Kulturhaus-Süd in Duesseldorf Bjoern Hoecke wird begrüsst

AfD in Düsseldorf Wird die Landeshauptstadt Hotspot der Rechtsextremen?

Stand:

Auf Einladung der Düsseldorfer AfD gastieren immer häufiger prominente Rechtsxtreme in der Stadt. Die hat scheinbar mit den Karriereplänen des Vorsitzenden des Parteiverbandes zu tun.

Von Benedikt Walter

Björn Höcke, Lena Kotré, Götz Kubtischek - das liest sich wie das rechtsextreme 'Who is Who' des inneren und äußeren AfD-Umfelds. Tatsächlich sind das die Namen der prominentesten Gäste, die der AfD-Kreisverband Düsseldorf im vergangenen Jahr in der Landeshauptstadt bei sich begrüßt hat. Unter viel Aufmerksamkeit von Gegnern wie Freunden der Partei.

Unter Beobachtern wie Partei-internen Kritikern wirft diese Liste derzeit Fragen auf: Entsteht in der Landeshauptstadt so etwas wie ein neuer Hotspot für die ganz Rechtsaußen in der Partei? Und falls ja - was steckt dahinter?

Vorstand entscheidet, wer eingeladen wird

Stets im Hintergrund präsent, und gleichzeitig doch eine der treibenden Kräfte, wenn es darum geht, prominente Namen nach Düsseldorf zu holen, ist Elmar Salinger. Unlängst mit knappem Stimmenvorsprung wiedergewählter Kreisverbandschef der AfD in der Landeshauptstadt. Salinger und seine Vorstands-Mitstreiter legen fest, wen sich die Partei als Gast einlädt.

Im September war das beispielsweise der extrem rechte Verleger Götz Kubtischek. Ende April versuchte man sich an einem Spaziergang durchs Düsseldorfer Bahnhofsumfeld. Mit dabei: die in rechtsextremen Kreisen bestens vernetzte Landtagsabgeordnete Lena Kotré aus Brandenburg.

Kein Auftritt ohne Gegenprotest

Weit kam der Tross um Kotré dank der auch an diesem Tag sehr lauten Gegenproteste nicht. Für Aufmerksamkeit weit über die Stadtgrenzen hinaus hatte der geplante Spaziergang entlang Düsseldorfs Armuts- und Drogenhotspots trotzdem erregt.

Ende Februar machten tausende Demonstranten ihrem Unmut gegen die Partei im Stadtteil Garath Luft. Der Grund damals: der Vortrag des thüringischen AfD-Chefs Björn Höcke in Düsseldorfer. Und auch der Kubitschek-Auftritt war bereits von lauten Protesten begleitet worden.

Das Verhältnis der AfD in Düsseldorf zum rechtsextremen Flügel

WDR 5 Westblick - aktuell 18.05.2026 04:05 Min. Verfügbar bis 18.05.2027 WDR 5

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Gäste als Zeichen für politische Neuorientierung

Dass die Entscheider der Düsseldorfer AfD im vergangenen Jahr so häufig rechtsextreme Stimme zu sich eingelade, habe durchaus Kalkül erklärt Sabine Reimann vom Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus/Neonazismus der Hochschule Düsseldorf. Wie viele Landes- und Kreisverbände im Westen hinke auch die AfD in der Landeshauptstadt der Orientierung hin zu "völkisch-nationalistischen" Inhalten im Vergleich zu denen im Osten der Republik noch hinterher.

Elmar Salinger orientiere sich innerhalb der nordrhein-westfälischen Landes-AfD seit seiner Wiederwahl zum Kreissprecher nun aber ganz klar am sogenannten "Helferich-Lager", erklärt Reimann. Dieses richte sich wiederum eindeutig nach der politischen Ausrichtung des rechtsextremen AfD-Thüringen-Chefs Björn Höcke.

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich gilt wie Höcke als gesichert rechtsextrem. Beim Parteitag der NRW-AfD im März musste sich Helferichs Lager jedoch im Kampf um den Posten des Landeschefs Amtsinhaber und Mitglied des gemäßigten Parteilagers Martin Vincentz geschlagen geben.

Unterstützung bei Nominierung

Kritiker innerhalb der Düsseldorfer AfD selbst werfen Kreissprecher Elmar Salinger hinter vorgehaltener Hand vor, dieser buhle mit den Einladungen rechtsextremer Gäste nach Düsseldorf um die Unterstützung des Helferich-Lagers beim Nominierungsparteitag für die kommende Landtagswahl. Salinger glaube, auf diese Weise einen möglichst guten Listenplatz ergattern zu können, so die Vorwürfe.

Ein Vorwurf, den Elmar Salinger im WDR-Interview weder vollends be- noch entkräften will. Stattdessen spricht er davon, dass "Vernetzung wichtig" sei, und man sich auch "Verbündete" aus anderen Kreisen suchen müsse.

Nähe zu Neonazis

Recherchen des WDR zeigen: Innerhalb der Düsseldorfer AfD gibt es indes nicht nur Kritik wegen der wiederkehrenden Auftritte rechtsextremer Gäste im Kreisverband. Einzelne Mitglieder beklagen ebenfalls den Umgang Düsseldorfer Mandatsträger mit Personen des ganz rechten Spektrums.

Auch Rechtsextremismusforscherin Reimann beobachtet ein wachsendes Zuwenden Düsseldorfer AfD-Politiker und -Politikerinnn hin zum völkischen Flügel der Partei. So gebe es Fotos, die die Düsseldorfer AfD-Stadtratsmitglieder Andrea Kraljic und Marco Vogt im Büro von Matthias Helferich zusammen mit "glasklaren Neonazis" zeigen, erklärt Reimann. "Wir sehen da überhaupt keine Abgrenzungsbemühungen. Ich glaube, die sind einfach ähnlichen Geistes," so die Einschätzung der Forscherin.

Gewollter Rechtsruck

Auch wenn Elmar Salinger sich selbst in Gesprächen immer wieder als "Aussöhner" zwischen den Parteilagern bezeichnet, und er beim Thema Gästeauswahl auf das Stichwort "Meinungspluralismus" verweist: Am Plan künftig auch weiterhin auf die Ziehkraft rechtsextremer Stimmen setzen zu wollen, scheint der Düsseldorfer Parteivorstand festhalten zu wollen.

So postet die Partei auf ihrer Instagram-Seite "aufgrund des großen medialen Erfolges", lade man drei Wochen nach dem Besuch von Lena Kotré zum nächsten "Rundgang" durchs "Düsseldorfer Stadtbild" ein. Gastredner im Anschluss: AfD-Bundestagsvizefraktionsvorsitzender Sebastian Münzenmaier. Ein Mann, den der Verfassungsschutz ideologisch ebenfalls in der Nähe des thüringischen AfD-Chefs Björn Höcke verortet.

Ob sich die programmatische Orientierung der Düsseldorfer AfD hin zum völkisch-nationalistischen Lager für Elmar Salinger parteiintern bezahlt macht, wird sich Anfang Juni zeigen. Dann steht bei der NRW-AfD der Nominierungsparteitag für die Landtagswahl im kommenden Jahr an.

Unsere Quellen:

  • WDR Reporter vor Ort
  • Interview mit Elmar Salinger, AfD Düsseldorf
  • Interview mit Sabine Reimann, Hochschule Düsseldorf
  • Instagram-Seite der AfD-Düsseldorf

Sendung: WDR 5 Westblick, Düsseldorf neuer AfD-Hotspot? 18.05.2026, 17:05 Uhr

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