Die Verantwortlichen werden nachher was anderes sagen: Aber der Druck vor der Abstimmung war hoch. Sei es in der NRW-Staatskanzlei von Ministerspräsident Hendrik Wüst (CDU), sei es im Kölner Rathaus. Es gab Restsorgen, dass der Bürgerentscheid scheitern könnte. Und das hätte einen hohen politischen Schaden verursacht.
Jetzt aber gibt es mit der überraschend hohen Zustimmung - bei jedoch geringer Wahlbeteiligung - die zweite Luft für die Kampagne an Rhein und Ruhr. Seit über 20 Jahren gibt es den Traum, die Spiele ins einwohnerstärkste Bundesland zu holen. Leider scheiterte man bisher an der fehlenden, eigenen Ernsthaftigkeit.
Schluss mit Halbherzigkeit
Weder für 2012 noch 2032 gelang NRW der Sprung auf die olympische Landkarte. Auch die derzeitige Bewerbung krankte lange an ihrer Halbherzigkeit. Erst seitdem Köln die Leading-City für das Rhein-Ruhr-Konzept ist, hat die Ernsthaftigkeit zugelegt.
Das liegt auch an dem seit Herbst amtierenden Oberbürgermeister. Torsten Burmester von der SPD war im Vorgängerjob Vorsitzender des DOSB - der Kampagne hat es bisher nicht geschadet, dass ein ehemaliger Top-Funktionär des Sports mit an Bord ist. Auch wenn - das gehört zur Wahrheit dazu - Burmester nicht unbedingt im Guten aus dem DOSB ausgeschieden ist.
Folgt jetzt die Aufholjagd?
Aber das ist Vergangenheit. Ab jetzt gilt: Mit dem positiven Bürgerentscheid muss NRW jetzt eine Aufholjagd starten. München ist weiterhin der größte Gegner im innerdeutschen Wettbewerb. Immer noch gibt es in den großen Sportverbänden des Landes die Sorge, dass man das überregionale Rhein-Ruhr-Konzept international weniger versteht als die Einzelbewerbungen von Weltstädten wie München, Berlin oder Hamburg.
Und am Ende ist es das Internationale Olympische Komitee, das überzeugt werden muss. Ein ganz anderer Brocken als ein innerdeutscher Wettbewerb.
Jetzt geht es an die Details
Wichtig für die Macher der NRW-Kampagne ist daher jetzt, fehlende Punkte seriös nachzuarbeiten. Ein schlüssiges Verkehrskonzept muss zum Beispiel schnell her, das die vorhandenen Zweifel beseitigen kann. Die Infrastruktur in Nordrhein-Westfalen ist marode, ewig lang wartende Fans auf Bahnsteigen dürfen sich nicht wiederholen. Bei der Fußball-EM 2024 sah NRW deshalb nicht gut aus.
Auch, dass in einer Stadt die Mindestteilnehmerzahl bei der Abstimmung verpasst wurde, muss gut erklärt werden. Das Ergebnis in Herten war zwar erwartet worden, aber es ist - auch wenn es nur ums Mountainbike ging - ein schwarzer Fleck auf der weißen Weste.
Deutschland hat scheinbar Lust auf Olympia
Jenseits von dem Allen gibt es aber noch eine ganz andere Botschaft, die von dem Entscheid in NRW ausgeht: In Deutschland scheint es tatsächlich wieder eine Lust auf Olympia zu geben. Das haben die Befragungen in München und NRW jetzt zweifelsfrei gezeigt. Und diese gute Nachricht sollte man zwingend nutzen, um die Spiele 36, 40 oder 44 nach Deutschland zu holen. Egal, wer dann am Ende die olympische Leading-City sein wird.
Sendung: WDR 5 Morgenecho, Kommentar zu Olympia, 20.04.2026, 06:05 Uhr.
