Weniger arbeiten bei gleichem Geld? So begründet Verdi den ÖPNV-Streik
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Keine Stadtbahnen - kaum Busse: Der Warnstreik im NRW-Nahverkehr trifft die Menschen hart. Sind die Forderungen der Gewerkschaft noch zeitgemäß? Verdi sieht gute Gründe für den Arbeitskampf.
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Jetzt mitdiskutierenDie Straßenbahnen stehen still, die Autobahnen sind voll: Der Warnstreik im kommunalen Nahverkehr stellt die Pendler auf eine harte Probe. Auch am Donnerstag wird es in Nordrhein-Westfalen erneut problematisch, von A nach B zu gelangen. Denn die Gewerkschaft Verdi ruft in allen NRW-Regionen die Beschäftigten vieler ÖPNV-Betriebe wieder zur Arbeitsniederlegung auf.
Am Freitag wird es ebenfalls noch nicht wieder rund laufen, denn dann will Verdi ausgewählte Betriebshöfe bestreiken. Warum ist dieser Streik so heftig? Und wie begründet Verdi die umstrittenen Maßnahmen?
Das fordert die Gewerkschaft Verdi
Die Gewerkschaft sagt, es fehlten vielerorts Beschäftigte im Nahverkehr. Dieser Personalmangel führe zu Ausfällen und Einschränkungen im Betrieb.
Angesichts des fehlenden Personals mutet es aber doch seltsam an, dass Verdi NRW die wöchentliche Arbeitszeit von 39 auf 37 Stunden bei vollem Lohnausgleich verkürzen will. Zudem soll die Ruhezeit zwischen zwei Schichten von zehn auf elf Stunden erhöht werden. Außerdem fordert die Gewerkschaft einen Zuschlag für Sonntagsarbeit von 40 Prozent des Stundenentgelts.
Die Arbeitszeit verkürzen? Diese Debatte hatten wir doch gerade erst, als Bundeskanzler Friedrich Merz auf der Jahreskonferenz des CDU-Wirtschaftsrats sagte, mit einer "Vier-Tage-Woche und Work-Life-Balance werden wir den Wohlstand unseres Landes nicht erhalten können". Es machte das Bonmot der "Lifestyle-Teilzeit" die Runde.
Hoher Krankenstand "hat seine Gründe"
Und nun fordert Verdi, die Arbeitszeit zu reduzieren? "Nur so wird der Beruf wieder interessant", rechtfertigt sich Lukas Frew, Branchenkoordinator für Busse und Bahnen bei Verdi NRW im Gespräch mit dem WDR. Derzeit liege der Krankenstand in der Branche höher als im gesellschaftlichen Schnitt. "Das hat seine Gründe", sagt Frew.
"Kurzfristig entlasten wir die Kollegen - und langfristig gestalten wir die Branche attraktiver." Lukas Frew, Verdi-Branchenkoordinator
Verhandlungsführer Heinz Rech
Sein Kollege Heinz Rech, der als Verdi-Verhandlungsführer in NRW agiert, betont: "Wenn sich an den Arbeitsbedingungen nichts ändert, wird der Nahverkehr auch ohne Streiks künftig spürbar häufiger ausfallen. Deshalb brauchen wir jetzt endlich Bewegung in den Verhandlungen."
Frew erläutert, dass die Kolleginnen und Kollegen am Rande der Belastungsgrenze stünden. "Wenn Kollegen an einer Endhaltestelle abgelöst werden, ist es für sie keine bezahlte Arbeitszeit, zurück zum Betriebshof zu kommen", erklärt der Verdi-Branchenkoordinator, "das tun sie dann in ihrer Freizeit."
Modernisierung des ÖPNV als Job-Motor?
Eine aktuelle Studie der Klima-Allianz Deutschland gemeinsam mit Verdi und dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen sowie dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie zeigt, dass der ÖPNV in Zukunft ein riesiger Job-Motor werden könnte. Damit könne er auch zum Wirtschaftswachstum beitragen.
Eine Modernisierung des öffentlichen Nahverkehrs bringe demnach bis zum Jahr 2040 eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 2,4 Millionen Tonnen CO2 jährlich und es entstünden mehr als 35.500 zusätzliche Fachkräftejobs.
Arbeitgeber sprechen von "desolater Finanzlage"
Jobs, die natürlich bezahlt werden müssen. Und da sind wir bei der Gegenposition der Gewerkschaft. Denn der Kommunale Arbeitgeberverband NRW wirft Verdi seit Wochen vor, die Augen vor der desolaten Finanzlage der Verkehrsbetriebe zu verschließen. Die Tarif- und Entgeltbedingungen hätten sich schon deutlich verbessert, der Nahverkehr biete bereits attraktive Arbeitsplätze, heißt es vonseiten der Arbeitgeber.
Die Kommunen sind notorisch pleite - und im Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität taucht der Nahverkehr tatsächlich kaum auf. Die Kommunen befürchten daher, auf den Kosten sitzen zu bleiben.
Frustriert sind aber auch viele Pendler, diese erneute Streikwoche ist natürlich hart. Glück hat, wer auf ein Auto umsteigen kann. Aber damit steht man dann besonders im verkehrsreichen Bundesland NRW häufig im Stau. Und die wenigen Ersatzbusse sind keine wirkliche Alternative.
Einigung in anderen Bundesländern
Doch es gibt Hoffnung: In Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg wurden bereits Tarifergebnisse erzielt. In Schleswig-Holstein sieht der neue Tarifvertrag unter anderem mehr Geld für die Beschäftigten vor. In Baden-Württemberg teilte Verdi mit, dass "mit dem Tarifergebnis alle wesentlichen noch bestehenden Ungerechtigkeiten bei Zuschlägen und Eingruppierung behoben werden". Dort steigt unter anderem der Nachtzuschlag um 25 Prozent und die Samstagszuschläge werden ab Sommer ausgeweitet.
Und auch in Hessen einigten sich die Verhandler laut Verdi in der Nacht zu Dienstag (17.03.2026) auf einen Kompromiss. Der sieht im Wesentlichen höhere Vergütungen vor, von der neben Fahrausweisprüfenden auch Putzpersonal, Haushandwerker, die allgemeine Verwaltung oder Beschäftigte in der Buchhaltung profitieren. Auch Zuschläge sollen künftig anders berechnet werden. Die Gewerkschaftsmitglieder werden dort nun befragt, ob ihnen das Ergebnis ausreicht.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Lukas Frew, Branchenkoordinator Busse und Bahnen NRW
- Verdi-Webseiten
- Studie: Öffentlichen Nahverkehr sichern und stärken
- Nachrichtenagenturen dpa, AFP, Reuters
Sendung: WDR 2, Nachrichten, 18.03.2026, 8.00 Uhr

17 Kommentare
Kommentar 17: Manuela schreibt am 21.03.2026, 09:17 Uhr :
Wer mehr Freizeit haben möchte kann ja Stunden reduzieren. Steht jedem frei. Die ganze Streikerei kostet den Pendlern Zeit, Nerven und Lebensqualität. Wie komme ich von A nach B, im Zweifelsfall nimmt man Urlaub. Das kann es ja auch nicht sein.
Kommentar 16: Freddy schreibt am 21.03.2026, 09:15 Uhr :
Evtl sollte man den Politikern auf die Füße treten, Sie geben sich 600€ mehr Gehalt, für uns immer kein Geld da, komisch, für die Ukraine geben wir 35 Milliarden im Jahr aus. Streiks müssen weh tun, sonst kann man es bleiben lassen.
Kommentar 15: Felicitas schreibt am 21.03.2026, 00:38 Uhr :
Was diese Gewerkschaft treibt ist schon kriminell. Ich bin 73, verwitwet, gehbehindert, ohne Auto. Zum Einkaufen, Apotheke, Arztbesuch bin ich auf Straßenbahn angewiesen. 3 Tage hintereinander wird hier gestreikt, d.h. seit 3 Tagen komme ich weder zum Supermarkt, noch zur Apotheke oder zum Arzt. Bei 1000€ Rente ist ein Taxi nicht drin. Dieser Streik trifft wieder einmal die, die keinerlei Einfluß auf die Löhne und Gehälter haben . Nur weil diese Herren den Hals nicht vollkriegen. Selbst wer in den Betrieben arbeiten WILL, DARF nicht !!! Entlasst sie alle, dann sind wir in Dummland wieder mit Pferd und Wagen unterweges, passt ja zur derzeitigen Rückschrittspolitik !
Kommentar 14: Anonym schreibt am 20.03.2026, 23:27 Uhr :
Wenn wir im Krankenhaus so streiken würden wie die bei Verdi, würde alles zusammen brechen. Ich möchte auch weniger arbeiten, den gleichen Lohn und mehr Ruhe, klappt aber halt nicht wie man will. Wir sind alle in der gleichen Situation. Ab und zu streiken ist okey, aber mittlerweile ist es jede zweite Woche / mehrmals im Monat. Und wir dürfen dann gucken, wie wir zur Arbeit kommen ohne Bus oder Bahn. Was für Manche unmöglich ist.
Kommentar 13: Strahlberger schreibt am 20.03.2026, 10:30 Uhr :
Diese streiks sind überzogen bei der swb wird jedes jahr gestreikt frage mich wann die überhaupt mal arbeiten .letztes jahr wurde gestreikt bei bund und kommune da hatte ich gedacht endlich ruhe nein jetzt wird wieder gestreikt bein öpnv nächstes jahr wieder bund und kommune wann arbeiten die den uns wird. Erzählt die brauchen mehr geld damit personal kommt abwr es kommt keiner ständig fallen bahnen aus und die bahnen uralt und das alles wir auf die fahrpreise umgelegt bald kösten die kurzstrecke 6 euro verdi spitze austauschen siehe bahn es geht ohne streik die hartlainer mussen weg
Kommentar 12: Hugo schreibt am 19.03.2026, 19:25 Uhr :
Man kann ein Land mit ungesunden und nicht zu Ende gedachten Forderungen auch zu Grunde richten
Kommentar 11: Hajö schreibt am 19.03.2026, 18:56 Uhr :
Beide Seiten haben teilweise Recht. Aber es bleibt dabei, daß nahezu keine Branche so oft streikt wie der öffentliche Dienst (und die GdL). In privaten Unternehmen würde sich in der gegenwärtigen wirtschaftl. Lage niemand trauen bei einer solchen Gewerkschaft jährlich mitzustreiten. Im ÖPNV bei den kommunalen Unternehmen kann eben niemand gekündigt werden wenn er mitstreikt. Jede Jahr das selbe Spiel: die privaten Buslinien fahren und die kommunalen Linien werden bestreikt. Die Kommunen sollten sich an Flixbus orientieren: die Fahrpläne, IT, Buchhaltung, Linienplanung schlank zentral organisieren und die Busfahrten fremdvergeben. Dann hört für uns ÖPNV-Nutzer der ewige Streik auf. Man muss einmal die Relationen beachten: Es sind 30.000 Mitarbeiter die 18 Mio NRW-Bürger ständig bestreiken. Nun fahren nicht alle 18 Mio NRW-Bürger ÖPNV, aber Millionen sind es schon. Da muß die Politik einmal Prioritäten setzen. Und die Busfahrer streiken ganz direkt für höhere Fahrpreise.
Kommentar 10: Witold Kotzott schreibt am 19.03.2026, 16:46 Uhr :
Busfahrer alg.sind oft frech und arrogant und was letze Tage machen bedeutet daß auch faul sind.Sie wisse genau daß viele Kunden durch Deutschlandticket so wie so bezahlen.Ich wünsche mir daß jeder Kunde sich Auto kauft und dadurch alle Bussunternehmen pleite gehen.Ich werde Verdi Recht auf Streik im öffentliche Dienste enziehen weil sie sind von kunden finanziert die sie durch streik im Stich lassen.
Kommentar 9: Jenny Moryson schreibt am 19.03.2026, 15:55 Uhr :
Dieser Kommentar wurde mehrfach abgegeben und daher an dieser Stelle gesperrt. (die Redaktion)
Kommentar 8: Jenny Moryson schreibt am 19.03.2026, 15:50 Uhr :
Mein Rezept für bezahlbare Mieten und Lebensmittelpreise: Die Linke wählen. Mein Rezept für gute Arbeitsbedingungen und gerechte Löhne: Verdi beitreten.
Antwort von Jan , geschrieben am 20.03.2026, 11:16 Uhr :
Genau.. umso schneller geht's bergab Gute Wahl - Neuanfang kommt
Kommentar 7: Jenny Moryson schreibt am 19.03.2026, 15:47 Uhr :
Dieser Kommentar wurde mehrfach abgegeben und daher an dieser Stelle gesperrt. (die Redaktion)