David Semmelmann ist vom KVB-Streik am 27./28. Februar betroffen

ÖPNV-Streik legt NRW lahm: Für wen der Streik zum echten Problem wird

Stand:

Am Freitag und Samstag fahren vielerorts keine Busse und Bahnen. Für viele ist das nur lästig - für Menschen mit wenig Geld kann es zum echten Problem werden. Selbst Sozialverbände sind sich uneinig, wie sie den Streik bewerten.

Ungefähr 80 Euro wird David Semmelmann, Müllwerker bei der AWB Köln, in den nächsten zwei Tagen für Uber ausgeben - nur wegen des Streiks bei Bussen und Bahnen. "20 Euro pro Weg. Und ich muss Freitag und Samstag arbeiten." Bei ihm und seinen Kollegen ist das Verständnis für den ÖPNV-Streik begrenzt: "Ist echt ärgerlich. Ich finde, die streiken ein bisschen zu oft."

Wenn am Freitag und in vielen Regionen auch am Samstag Bahnen und Busse in den Depots bleiben, dann wird es sicher wieder voll auf den Straßen in NRW. Auch wenn es im dichten Verkehr nervig wird, und der Weg zur Arbeit möglicherweise länger dauert, so ist es doch ein Privileg, überhaupt die Wahl zwischen Auto und Bahn zu haben.

Wer nicht auf ein Auto umsteigen kann, hat ein Problem

Der Landespressesprecher des SoVD

Matthias Veit, Landespressesprecher des SoVD

"Da schlagen natürlich zwei Herzen in unserer Brust", sagt Matthias Veit dazu, NRW-Landespressesprecher vom Sozialverband Deutschland (SoVD) im Gespräch mit dem WDR. Auf der einen Seite sei das Streikrecht wichtig, um die Interessen der Arbeitnehmerschaft durchsetzen zu können. "Wir kämpfen ja für vernünftige Tariflöhne", so Veit. Auf der anderen Seite stünden da sehr viele Menschen, die die Arbeitsniederlegung deshalb hart trifft, weil sie keine Alternative zu Bahn und Bus haben.

Ein junger Mann ist vom KVB-Streik am 27./28. Februar betroffen

Ein junger Mann ist vom KVB-Streik am 27./28. Februar betroffen

So wie dieser junger Data-Analyst, der mit dem Namen anonym bleiben will. Er sei froh, dass er sich mit seiner Mutter zusammen ein Auto mieten kann: "Sie arbeitet bei Galeria Kaufhof, ich arbeite auch in der Innenstadt." Trotzdem wird es teuer, extra ein Auto zu leihen. "Aber einfach zu Hause bleiben geht ja auch nicht."

Magdaleni Eneghabo ist vom KVB-Streik am 27./28. Februar betroffen

Magdaleni Eneghabo arbeitet als Reinigungskraft in einer Apotheke.

Auch Magdaleni Eneghabo trifft der Streik. Sie arbeitet als Reinigungskraft in einer Apotheke. Sie muss sich Urlaub nehmen wegen des Streiks, weil sie ohne Bus und Bahn nicht zur Arbeit kommt: "Das ärgert mich!", sagt sie.

Viele Menschen sind vom KVB-Streik betroffen

WDR Studios NRW 26.02.2026 02:13 Min. Verfügbar bis 26.02.2028 WDR Online


Verdi: Personalmangel würde die Situation im ÖPNV noch verschärfen

Auch die Gewerkschaft Verdi, die zum Streik aufgerufen hat, weiß, dass dieser Sreik Menschen trifft, die auf einen ordnungsgemäßen Betrieb von Bahn und Bus angewiesen sind.

Allerdings befürchtet die Gewerkschaft, dass der Personalmangel sich weiter verschärfen könnte, wenn die Arbeitsbedingungen sich nicht verbesserten. Und damit wäre sozial benachteiligten Menschen auch nicht geholfen. Die Beschäftigten benötigten daher spürbare Entlastungen, sagte der Gewerkschafter Heinz Rech, der die Verhandlungen für Verdi NRW führt.

Nahverkehr: Wo schlägt der Streik in NRW besonders zu?

Zu den kommunalen Verkehrsbetrieben, um die es in den Tarifverhandlungen geht, gehören nahezu alle großen Städte in Nordrhein-Westfalen von Bonn, Köln, Düsseldorf und Duisburg über Oberhausen, Gelsenkirchen und Dortmund bis nach Hagen und Bielefeld. Die Aachener Verkehrsbetriebe Aseag sind eine der wenigen Ausnahmen in NRW, auf die sich die Tarifverhandlungen nicht beziehen. In Wuppertal fahren Busse und Bahnen morgen auch.

Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Matthias Veit vom Sozialverband Deutschland (Landesverband NRW)
  • Agenturen AFP, dpa
  • Gespräche mit Pendlern in Köln

Sendung: Tag um 12, WDR 4, 26.02.2026, 12 Uhr.

Kommentare zum Thema

39 Kommentare

  • 39 Stephan 28.02.2026, 11:48 Uhr

    Verdi hat recht: Wenn die Betahlung zu s chlecht ist, bekommt man kein Personal mehr und das bestehende kündigt womöglich. Das war wohl auch so, jedoch haben die Verkehrsbetriebe die Kondionen dann auch verbessert. Vor allem verstehe ich nicht, wieso bei einem Arbeitnehmermermarkt die Gewerkschaft in Form von Streiks unterstützend eingreifen muss. Das ist doch nur dann erforderlich, wenn der Arbeitgeber bei Hungerlöhnen darauf freundlich hinweist, dass etliche vor,der Tür,stehen und den Job, auch zu Bedingungen des Hungerlohn, gerne annehmen würden. Na ja man kann wohl davon ausgehen, dass bei Erfüllung der Gewerkschaftsforderungen die Leistungen des ÖPNV gekürzt werden. Das Geld ist nicht mehr da. Das lindert das Problem des Fahrpersonal angels ebenfalls.

  • 38 Robert 28.02.2026, 05:24 Uhr

    Die sollten mal zum fußballspiel streiken. Das trauen die sich nur nicht. Da würde ja echter Gegenwind entgegenkommen

  • 37 Senimo 27.02.2026, 23:18 Uhr

    Ich finde diese Streiks so sinnlos... Ich fahre Aufgrund der Unzuverlässigkeit und der Preise gar nicht mehr mit Bus und Bahn. Die Gewerkschaften sollten vielleicht mal überlegen Streiks für Preissenkungen zu machen um mehr Menschen auf ÖPNV zu bekommen, die dann wiederum die Löhne zahlen. Man hat ja gesehen was passiert wenn Gewerkschaften Unternehmen ausschlachten, Menschen verlieren ihre Jobs. Man kann nicht überall fürstlich verdienen, so funktioniert Wirtschaft nunmal nicht. Wenn ein Unternehmen nicht profitabel ist, dann kann auch nicht mehr Lohn für zahlreiche Mitarbeiter angepasst werden. Davon abgesehen sollte man sich mal ansehen woher die Gewerkschaftsmitarbeiter ursprünglich kamen, nie im Leben nen Spaten oder nen Hammer in der Hand gehabt... Aber die Arbeitnehmer die dort eintreten sind im Endeffekt selber schuld oder wissen es halt nicht besser...

  • 36 Ingo 27.02.2026, 20:47 Uhr

    Dieses Problem ist doch vom derzeitigen System hausgemacht. Es wäre so einfach, wenn man die Infrastruktur zB über Steuern finanzieren würde. Jeder zahlt ein und jeder hat einen Nutzen und auch die Wartungskosten wären gedeckt. Zumal könnte man die Infrastruktur weiter ausbauen. Schade, dass darüber so gut wie nie gesprochen und berichtet wird. Geld wurde einmal als Werkzeug erfunden, wann fangen wir wieder an es auch so zu nutzen für eine gerechte Welt wo der Mensch selbst wieder im Vordergrund steht und nicht die finanziellen Kosten.

  • 35 Nadine 27.02.2026, 18:24 Uhr

    Vielleicht sollte mal darüber nachgedacht werden, den Streik bei Bus/Bahn so zu machen wie in Japan. Dort sind die Busfahrer weiter gefahren, haben aber keine Tickets verkauft und kontrolliert.

  • 34 Heike 27.02.2026, 17:13 Uhr

    Man kann auch, andere Länder machen es vor, für sein Recht kämpfen ohne alles lahm zu legen und den Mitmenschen wissentlich Probleme zu bereiten. Ich bin sicher das man bei Verdi weiß das. Z. B. in manchen Länder, der Öpnv während des Streiks fährt ohne das die Fahrgäste Fahrpreise dafür zahlen müssen. So trifft man den Arbeitgeber statt auf die Fahrt angewiesen Personen Verdi will nicht fair streiken sondern Stunk machen

  • 33 Maria 27.02.2026, 14:34 Uhr

    Ganz ehrlich wenn ich jeden Monat mein deutschlandticket zahle und es immer noch zur Streiks kommt dann denke ich mir auch wofür zahle ich? Aber sofort Stress machen sobald jemand ma schwarz fahren sollte das ist doch ein Witz🤣🤣🤣

  • 32 Winter Ursula 27.02.2026, 14:01 Uhr

    Ich finde den Streik auch sehr übertrieben. Die Forderungen sind nicht mehr normal, vollkommen überzogen. Und dann in solchen kurzen Abständen. Ans Arbeiten denkt keiner mehr. Nur Geld, Geld, Geld .... Sehr traurig.

  • 31 Anonym 27.02.2026, 12:32 Uhr

    Bitte nicht beirren lassen, streiken ist ganz wichtig, es wird sich sonst nichts ändern und das was freiwillig von Arbeitgeberseite kommt ist ein Tropfen auf dem heißen Stein. Alle die gegen Streiks sind haben scheinbar vergessen in unserer Geschichte nachzulesen. Nichts aber auch gar nichts kam vom Arbeitgeber alles wurde erkämpft, wir würden sonst immer noch 12 Stunden täglich arbeiten, keinen Urlaubsanspruch und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gäbe es auch nicht. Ihr dürft gerne zurück in diese Zeit aber nein das wollt ihr nicht.

    Antworten (2)
    • Nono 27.02.2026, 16:37 Uhr

      Dein Kommentar spricht mir aus der Seele. Leider ist es so. Ob die Forderungen berechtigt sind, kann ich nicht beurteilen, aber ohne Streik bewegen sich die Arbeitgeber nun mal nicht. Keine Frage, die Auswirkungen der Streiks sind extrem lästig, gerade für Menschen, die nicht auf ein Auto zurückgreifen können. Dafür habe ich auch Verständnis.

    • Frank 28.02.2026, 12:58 Uhr

      Sorry Sie vergleichen Äpfel mit Birnen. Die Streiks für zbs. Lohnfortzahlung etc. wurden zum grössten Teil von der IGM organisiert und trafen die Arbeitgeber. Wo bitte trifft den der jetzige Streik die Arbeitgeber?

  • 30 Andrea 27.02.2026, 12:23 Uhr

    Streik, immerzu Streik, was soll der Driss. Die Großen stört es eh nicht, die sind nicht auf die Busse angewiesen. Es trifft doch wieder nur die Bevölkerung, wie Rentner und Behinderte, die kein eigenes Auto haben. Zum Arzt und einkaufen, mit der Taxe, wer soll das denn bezahlen. Mitdenken wäre mal eine Maßnahme.

  • 29 Frank 27.02.2026, 10:08 Uhr

    Was bitte soll der Streik bewirken? Die Verkehrsunternehmen sparen wärend des Streiks Löhne,Sprit,Strom und die Einnahmen brechen auch nicht weg, da die meisten Fahrgäste Montastickets haben. Übrigens sind für mich 48Stunden kein Warnstreik mehr. Ps.: Sogar die GDL schafft es per Verhandlung zu einer Lösung zu kommen.

    Antworten (1)
    • Frank 27.02.2026, 13:28 Uhr

      Sorry Doppelkommentar.

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