Im Vordergrund ein Organspendeausweis, im Hintergrund ein OP-Saal.

Tag der Organspende Warum trotz hoher Bereitschaft so wenig gespendet wird

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Am Samstag, 06. Juni, ist der Tag der Organspende. Trotz hoher Bereitschaft gibt es in Deutschland vergleichsweise wenige Organspender. Die Debatte um die Widerspruchsregelung nimmt daher aktuell wieder an Fahrt auf.

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Lukian Ahrens

Es ist eine Aktion, die vor allem Aufmerksamkeit erregen sollte: 75 Mitarbeitende der Uniklinik Münster haben sich am Freitag, 05. Juni, das Organspende-Symbol tätowieren lassen - ein Kreis mit zwei Halbkreisen darunter. Damit demonstriert man seine Bereitschaft, Organe zu spenden. Rechtlich bindend ist das aber nicht.

"Als ich von der Aktion gehört habe, war mir sofort klar, dass ich da mitmachen möchte", sagt Christian Hellmann, der als Pflegeexperte in der Allgemeinchirurgie im Uniklinikum arbeitet. Über die Tattoo-Aktion wolle er mit Menschen ins Gespräch kommen und über das Thema Organspende reden.

Denn die grundsätzliche Bereitschaft zur Organspende in Deutschland ist hoch. In der Praxis fehlt es aber dennoch an Spendern. Woran das liegt, welche Regeln bei uns gelten und welche Reformvorschläge es gibt.

Wie funktioniert die Organspende und was sind die Voraussetzungen?

Die Abläufe bei Organspenden sind in Deutschland gesetzlich genau geregelt, um mögliche Missbräuche etwa aus finanziellen Motiven auszuschließen und die Persönlichkeitsrechte über den Tod hinaus zu schützen. Wer seine Organe spenden möchte, muss dies schon zu Lebzeiten dokumentieren - etwa durch einen Organspendeausweis oder in einer Patientenverfügung.

Voraussetzung für die Organentnahme ist die Feststellung des Hirntods. "Es muss der unumkehrbare Ausfall der Gesamtfunktion des Gehirns festgestellt worden sein", schreibt das NRW-Gesundheitsministerium dazu. Erst dann können die Spenderorgane entnommen werden.

Für die Zuteilung der Organe in Deutschland und sieben weiteren Staaten ist die gemeinnützige Stiftung Eurotransplant zuständig. Dort wird eine Datenbank mit den Menschen, die auf der Warteliste für ein Spenderorgan stehen, geführt. Wer ein Spenderorgan bekommt wird nach medizinischer Notwendigkeit und Dringlichkeit entschieden.

Wer darf Organe spenden und was kann gespendet werden?

Bereits mit Vollendung des 14. Lebensjahres können sich Menschen in Deutschland gegen und ab Vollendung des 16. Lebensjahres für eine Organspende aussprechen. Eine formelle Altersgrenze für Spenden gibt es nicht. Nur wenige Vorerkrankungen schließen eine Organspende grundsätzlich aus. Das sind unter anderem akute Krebserkrankungen oder HIV-Infektionen. Bei allen anderen Erkrankungen entscheiden die Ärztinnen und Ärzte je nach Befund.

Gespendet werden können Niere, Leber, Herz, Lunge, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm. Außerdem lassen sich Gewebe wie zum Beispiel Hornhaut oder Knochen verpflanzen. Spendenwillige können aber auch Vorkehrungen treffen, um einzelne Organe auszuschließen. Einer Begründung bedarf dies nicht.

Wie viele Menschen warten in Deutschland auf ein Spenderorgan?

Am 1. Januar 2026 warteten in Deutschland laut Eurotransplant 8.207 Patienten auf ein Spenderorgan. Bei jährlich hunderten Menschen verschlechtert sich der Gesundheitszustand so dramatisch, dass eine Transplantation nicht mehr möglich ist oder dass sie während der Wartezeit sterben, weil nicht rechtzeitig ein für sie passendes Organ gefunden wurde.

Wie viele Organspender gibt es in NRW und bundesweit?

2024 verstarben 679 Menschen, bevor sie ein passendes Organ erhielten. Der Grund: In Deutschland gibt es zu wenige Spender. Laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) spendeten 2025 985 Menschen nach ihrem Tod insgesamt 3.020 Organe - darunter 495 Nieren, 823 Lebern und 315 Herzen. Damit kommen in Deutschland auf eine Million Menschen lediglich knapp zwölf Spender.

In NRW waren es 2025 190 Organspender, die 495 Organe spendeten. Bei uns ist die Spendenbereitschaft damit noch ein wenig geringer als im Bundesdurchschnitt. Lediglich 10,5 Organspender kommen in NRW auf eine Million Einwohner.

Im Vergleich zu 2024 wuchs die Zahl der Organspender aber zumindest um gut 13 Prozent und erreichte damit den höchsten Wert seit 2021.

Wie steht Deutschland im europäischen Vergleich da?

Mit knapp zwölf Organspendern pro eine Million Einwohnern liegt Deutschland lediglich im unteren Mittelfeld in Europa. Jedes von Deutschlands Nachbarländern verzeichnet eine höhere Quote von Organspendern.

Spitzenreiter in Europa in Sachen Organspende ist Spanien mit 53,93 Organspendern pro eine Million Einwohner im Jahr 2024. Auf Platz zwei und drei folgen Portugal und Tschechien mit 36,67 und 34,29. Schlusslicht ist Moldau mit lediglich 0,61 Organspendern pro eine Million Einwohner.

Wie ist der aktuelle Trend und wo liegen die Probleme?

Zwar stieg die Spendenzahl im vergangenen Jahr auf den höchsten Wert seit 2012 und auch dieses Jahr gab es laut DSO zwischen Januar und Ende April 368 postmortale Organspender in Deutschland und damit mehr als im Vorjahreszeitraum mit 341. Dies würde an den grundsätzlichen Defiziten in Deutschland aber nichts ändern, betont die Stiftung. "Dennoch herrscht weiterhin ein Mangel an Spenderorganen."

Eine Hand hält einen Organspendeausweis

Zu wenige Leute haben einen Organspendeausweis

Generell ist die Bereitschaft zur Organspende hierzulande zwar hoch, in einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus 2024 gaben 85 Prozent der Teilnehmer an, dem Thema grundsätzlich positiv gegenüberzustehen. 62 Prozent gaben an, sich für eine Spende entschieden zu haben. Nur 45 Prozent hatten diese jedoch dokumentiert.

Der Grund dafür sei, dass sich viele mit dem Thema nicht auseinandersetzen wollen, sagt Uwe Baum, Transplantationsbeauftragter der Städtischen Kliniken Mönchengladbach. "Manchmal spielt auch die Angst eine Rolle, als verunfallter Patient oder schwer erkrankter Patient im Krankenhaus nicht vollumfänglich versorgt zu werden, wenn man einen Organspendeausweis dabei hat." Diese Angst sei aber völlig unbegründet.

Laut Experten ist die fehlende Dokumentation in Deutschland aber das größte Problem. Denn Organspenden scheitern nach wie vor oft an einer fehlenden persönlichen Zustimmung. Wenn Angehörige dann nach einem Todesfall entscheiden müssen, ohne den Willen des Verstorbenen zu kennen, sinkt die Zustimmungsrate dadurch drastisch.

Welche Reformvorschläge gibt es für die Organspende in Deutschland?

Um die Zahl der Organspender zu erhöhen, gibt es seit Jahren Diskussionen um die sogenannte Widerspruchslösung. Danach würde künftig jeder Bürger grundsätzlich als Organspender gelten, der dem nicht widersprochen hat. 2020 hatte der Bundestag eine solche Widerspruchslösung abgelehnt.

Doch jetzt gibt es erneut eine parteiübergreifende Initiative rund um die Bundestagsabgeordneten Sabine Dittmar (SPD), Gitta Connemann (CDU), Armin Grau (Grüne), Peter Aumer (CSU) und Julia-Christina Stange (Linke). Sie wollen aus dem Sonderfall Organspende den Normalfall machen und unterstützen einen entsprechenden Gesetzentwurf, der erstmals im Juli 2024 im Bundesrat mit großer Mehrheit beschlossen wurde und noch vor dem Sommer im Bundestag diskutiert werden könnte.

Julia Christina Stange

Julia-Christina Stange (Linke) unterstützt die Widerspruchslösung.

"Nicht nur Spanien ist längst in der Widerspruchslösung verankert", sagt Stange dem WDR. "Es sind eigentlich fast alle um uns herum. Nur Deutschland ist ein Land, das es noch nicht bis dahin geschafft hat." Laut Stange ist es einfach wichtig, sich lebtags mit dem Thema zu beschäftigen und die Entscheidung nicht den Angehörigen zu überlassen. Die Widerspruchslösung würde dazu führen, dass sich jeder über die Organspende Gedanken machen müsste.

Auch NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) ist ein Befürworter der Widerspruchsregelung, was er in einer Pressemitteilung am Freitag noch einmal betonte.

"Sie bietet eine echte Chance, die Zahl der Organspenden zu erhöhen, Leben zu retten und zermürbende Wartezeiten zu verkürzen." Karl-Josef Laumann, NRW-Gesundheitsminister

"Schweigen ist keine Zustimmung", argumentiert wiederum eine andere überparteiliche Gruppe von Parlamentariern um die CDU/CSU-Abgeordneten Michael Brand und Stephan Pilsinger sowie Lars Castellucci und Helge Lindh (beide SPD), Kirsten Kappert-Gonther und Swantje Michaelsen (beide Grüne) sowie Ates Gürpinar (Linke).

Nur Freiwilligkeit sichere das Vertrauen in die Transplantationsmedizin, argumentieren sie und haben damit auch die beiden großen Kirchen auf ihrer Seite. Eine Widerspruchsregelung sei weder geeignet, die Zahl der Organspenden nachhaltig zu erhöhen, noch mit grundlegenden ethischen und rechtlichen Prinzipien vereinbar.

"Unser Ansatz lautet: mehr Aufklärung, mehr Dokumentation durch Abbau von Barrieren, mehr Vertrauen und dadurch mehr Organspende." Der von dieser Seite vorgelegte Gesetzentwurf fordert unter anderem gute Strukturen in Entnahmekrankenhäusern und Transplantationszentren, Aufklärung, transparente Verfahren und einfache Dokumentation.

Fakten zur Organspende

WDR 05.06.2026 01:36 Min. Verfügbar bis 04.06.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

Sendung: WDR 5, Morgenecho, 05.06.2026, 6:05 bis 9:45 Uhr

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