Tätowierer stechen Organspende-Tattoos in Münster
WDR. 02:27 Min.. Verfügbar bis 05.06.2028.
Für Lisa ist es eine Premiere. "Ich wollte schon immer ein Tattoo haben und habe mich heute bewusst dafür entschieden. Einen Organspendeausweis hab' ich auch", erzählt die junge Pflegerin aus der Hautklinik in Münster. Mit dem Symbol auf ihrer Haut - eine Art geometrische Figur - symbolisiert sie ihre grundsätzliche Bereitschaft, Organspenderin zu sein.
Sie hat sich schon viele Gedanken zu dem Thema gemacht: "Hab' das Symbol auf meinen Oberkörper stechen lassen. Bei einer Reanimation machen die den als erstes frei. Dann sehen die, dass ich Spenderin bin. Hoffe ich zumindest."
Platz für Tattoos ist überall
Genauso wichtig ist die Aktion in der Uniklinik in Münster für Tätowierer Tolga. In seinem Tätowierstudio in Hamm hat er alles stehen und liegen lassen, um hier dabei sein zu können. Er weiß, wo sich die meisten Menschen das Organspende-Tattoo stechen lassen: "Knöchel, Ober- und Unterarm, kommt immer auch ein bisschen auf die Haut an, wo was geht."
Dieses Tattoo zeigt symbolisch: Ich bin bereit, meine Organe zu spenden.
Großes Interesse an der Tattoo-Aktion
Ihm zur Seite stehen vier weitere Tätowierer. Alle sehen die Aktion in Münster nicht nur als Arbeit. "Das ist ein wichtiges Statement und für 'ne richtig gute Sache", sagt Vivien aus Recklinghausen. Die Tätowierer bekommen für den Tag in Münster von der Uniklinik eine Aufwandsentschädigung.
Ob Nacken, Arme oder Bauch: Die Nadeln der drei Tätowierer sind im Dauereinsatz.
75 Mitarbeitende der Uniklinik Münster wollen sich stechen lassen - im Zeit-Slot von jeweils einer halben Stunde. Mit dabei sind nicht nur Pfleger und Pflegerinnen. Auch aus der Verwaltung, der Forschung oder der Radiologie liegen Anmeldungen für die Tattoo-Aktion vor.
Symbol alleine reicht nicht für Organspende
Der große Andrang freut natürlich die Uniklinik-Transplantationsbeauftragte Kristina Engelen. Von den mehr als 11.000 Mitarbeitenden hatten sich knapp 300 um einen der Stechtermine beworben. Am Ende musste das Los entscheiden. "Wir hatten lange Wartelisten. Es war so überlaufen, wir hätten die Tattoo-Aktion die ganze Woche über machen können", erzählt Engelen begeistert.
Bei aller Euphorie macht sie aber auch klar, dass das Tattoo allein nicht reicht für eine Organspende. Das sei nämlich rechtlich nicht bindend. "Man braucht definitiv den schriftlich festgehaltenen Willen, am besten den Organspendeausweis oder den Eintrag ins Online-Spendenregister."
Organspendebereitschaft selten dokumentiert
Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministeriums warten derzeit 1.700 Menschen in NRW auf ein Spenderorgan. 2025 wurden dagegen nur 590 Organe gespendet. Nach Einschätzung des Ministeriums ist die Spendenbereitschaft zwar hoch, oft sei sie aber nicht dokumentiert. Diejenigen, die sich bei der Aktion in Münster ein Organspende-Tattoo stechen lassen, wollen, dass sich das ändert.
"Das ist 'ne coole Aktion hier. Und es kann andere Menschen dazu motivieren, mitzumachen bei der Organspende." Alina, Pflege-Azubi an der Uniklinik Münster
Alina hat schon einige Tattoos, trotzdem ist dieses für sie ganz besonders.
Für die 20-jährige Alina, die gerade eine Pflege-Ausbildung in der Uniklinik Münster macht, ist es das siebte Tattoo. Ein ganz besonderes, wie sie betont.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
- Uniklinik Münster
- Gespräch mit der UKM-Transplantationsbeauftragten Kristina Engelen
- dpa
Sendung: WDR 2 Münsterland, Lokalzeit, 05.06.2026, 12.30 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit MS, 05.06.2026, 19:30 Uhr