So können Organspenden Leben retten

WDR 06:33 Min. Verfügbar bis 11.03.2037

Neues Herz für 41-Jährigen aus Velbert Wie Organspenden Leben retten

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Am 6. Juni ist in diesem Jahr der Tag der Organspende. Phil Kiss aus Velbert verdankt sein Leben einem Spenderherz.

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Manuela Klüppel

In der Brust von Phil Kiss schlägt seit rund vier Wochen ein Spenderherz. Noch im Krankenhausbett erzählt er seine Geschichte: Vor fünf Jahren hat er eine Herzmuskelentzündung, die sein Herz so stark schädigt, dass der Maler und Lackierer nicht mehr arbeiten kann.

Er ist nicht mehr belastbar, kippt immer wieder um. Der 41-Jährige muss sogar wieder bei seinen Eltern einziehen, weil es ihm so schlecht geht. Vergangenes Jahr kommt er auf die Transplantationsliste, allerdings sind die Wartezeiten sehr lang, zum Teil dauert es Jahre. "Ich habe mich gefragt, wie das gehen soll", erinnert sich Kiss.

"In meinem Zustand noch fünf, sechs, sieben Jahre warten? Ich wusste nicht, ob ich das überlebe." Phil Kiss, Organempfänger
Oberarzt Udo Boeken steht am Krankenhausbett von Spenderherzempfänger Phil Kiss

Vor vier Wochen hat Phil Kiss sein neues Herz bekommen

Er ist Patient in der Düsseldorfer Uniklinik bei Prof. Dr. Udo Boeken, Oberarzt und Leiter des Transplantationsprogramms. Ende letzten Jahres verschlechterte sich der Zustand von Kiss dramatisch. Um die kritische Zeit zu überbrücken, erhält der 41‑Jährige ein Kunstherz und wird auf der Warteliste nach oben gestuft. Anfang Mai kommt schließlich die erlösende Nachricht: Es gibt ein passendes Herz für ihn.

An der Düsseldorfer Universitätsklinik wurden 2025 insgesamt 52 Herzen transplantiert. Nach dem Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen ist sie das zweitgrößte Herzzentrum Deutschlands. Bevor ein Herz in Düsseldorf ankommt, muss es irgendwo in Europa operativ entnommen werden. Das Transplantationsteam hat dafür oft nur wenige Stunden Zeit.

Zwei Herzen innerhalb von 24 Stunden

Während das Entnahmeteam unterwegs ist, bereitet sich in Düsseldorf ein zweites Team auf die Operation vor. Auch Phil Kiss wird in den OP-Saal gebracht - voller Hoffnung. Doch dann der Schock: Das Herz wird vor Ort abgelehnt. Die Qualität ist zu schlecht. Keine 24 Stunden später steht das Team erneut an seinem Bett. Ein zweites Herz ist verfügbar. "Ich habe sie gefragt, ob sie mich verarschen wollen", sagt er und grinst heute.

Dieses Mal passt alles. Die Operation gelingt. Fast vier Wochen ist das nun her. "Ich bin happy", sagt Kiss. "Ich muss keine Angst mehr haben, dass ich umkippe oder mein Defibrillator auslöst. Der ist ja jetzt ausgebaut. Ich sehe zwar aus wie Frankenstein, aber es heilt."

Die Zahl der Organspenderinnen und -spender bleibt seit Jahren konstant. 2025 haben laut Deutsche Stiftung Organtransplantation 985 Menschen nach ihrem Tod ein oder mehrere Organe gespendet.

Entscheidung bei den Angehörigen

Deutschland liegt bei der Organspenderbereitschaft europaweit im hinteren Bereich. Transplantationsarzt Boeken sieht einen Hauptgrund in der Gesetzgebung. Wenn ein Mensch plötzlich verstirbt und sich nie geäußert hat, werden die Angehörigen gefragt.

"Für sie ist das eine emotionale Ausnahmesituation", erklärt Boeken "Diese Entscheidung sollte jeder zu Lebzeiten selbst treffen." Deswegen plädiert er für die Widerspruchslösung, die im Übrigen in fast allen europäischen Ländern bereits gilt.

Organspende: "Nur Deutschland hat es noch nicht geschafft"

WDR 5 Morgenecho - Interview 05.06.2026 04:58 Min. Verfügbar bis 05.06.2027 WDR 5

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Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Phil Kiss
  • Gespräch mit Prof. Dr. Udo Boeken, Uniklinik Düsseldorf
  • Deutsche Stiftung Organtransplantation

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Düsseldorf, 01.06.2026, 19.30 Uhr

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