Mai-Kundgebungen zum Tag der Arbeit
WDR. 03:45 Min.. Verfügbar bis 01.05.2037.
Lange Protestzüge, lautstarke Kundgebungen und klare Forderungen: Am ersten Mai gingen heute in Nordrhein-Westfalen rund 100.000 Menschen auf die Straßen. Sie demonstrierten unter anderem für faire Jobs und soziale Sicherheit. Zu den Demonstrationen hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) aufgerufen. Unter dem Motto "Erst unsere Jobs, dann eure Profite" finden in NRW insgesamt 76 Veranstaltungen statt.
Frust bei den Beschäftigten sitzt tief
In zahlreichen Städten in NRW gab es Demonstrationszüge. Auch in Düsseldorf versammelten sich am Freitagmorgen mehr als 800 Menschen vor dem Hauptsitz des DGB NRW und zogen danach durch die Innenstadt.
Dabei hielten sie Banner und Plakate in die Luft auf denen Sprüche wie "Löhne rauf, Erben runter" oder "Unsere Zukunft statt eure Profite" standen.
Sabine Klünner demonstriert in Düsseldorf.
Viele der Demonstranten sind frustriert. "Wir Arbeitnehmer müssen endlich entlastet werden. Der Druck von oben nimmt immer weiter zu, es wird immer mehr eingefordert", sagt Sabine Klünner, die bei einem Verkehrsunternehmen arbeitet. "Es muss mehr Geld in die Infrastruktur und ins Personal investiert werden."
Neben der jungen Frau steht Max Schmidt. Er sieht aktuelle Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt und in der Politik kritisch.
"Ich mache mir große Sorgen. Der Acht-Stunden-Tag steht zum Beispiel zur Diskussion. An so etwas darf nicht gerüttelt werden." Max Schmidt, Gewerkschafter
Die Schuld an der aktuellen Wirtschaftskrise werde aus seiner Sicht den Arbeitnehmern zugeschoben. "Es wird immer behauptet, dass wir uns nicht genug anstrengen. Dabei arbeiten viele am Limit und können trotzdem kaum von ihrem Lohn leben, weil die Preise so stark steigen", betont Schmidt.
Max Schmidt ist bei der Demo in Düsseldorf dabei. Er macht sich Sorgen um den Arbeitsmarkt.
Wüst fordert Zusammenhalt
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) sprach sich bei der zentralen NRW-Kundgebung des DGB in Mülheim an der Ruhr für mehr Geschlossenheit aus.
"Ich bin überzeugt: Ein starkes Bündnis aus Gewerkschaften, Arbeitgebern und Politik kann eine Antwort geben auf den Frust und die Sorgen der Menschen", sagte der CDU-Politiker laut Redemanuskript. "Mir wird zu viel übereinander geschimpft. Das Geschimpfe auf die Arbeitgeber ist genauso falsch wie das Geschimpfe auf die Arbeitnehmer."
Tag der Arbeit: Demos für sichere Jobs und faire Löhne
Überall im Land sind am 1. Mai Menschen in NRW auf die Straßen gegangen und haben demonstriert. Das sind die stimmungsvollsten Bilder.
Lars Klingbeil in Bergkamen
In Bergkamen trat Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) ans Mikrofon. Er nahm die internationale Lage in den Blick und kritisierte den US-Präsidenten Donald Trump scharf.
"Er trägt jetzt die Verantwortung dafür, dass dieser Krieg im Iran schnell aufhört», sagte der Bundesfinanzminister. "Vor allem soll er dafür sorgen, dass die Belastungen, die durch seinen Krieg entstanden sind, nicht bei uns, bei den Arbeitnehmern, bei den Verbrauchern und in der Wirtschaft ankommen."
Klingbeil versicherte zudem, dass er den 1. Mai als Feiertag verteidigen werde. Damit bezog er sich auf Überlegungen, den "Tag der Arbeit" abzuschaffen.
Zahlreiche weitere Politiker äußern sich
Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) war bei der Demonstration in Duisburg vor Ort. "Der Sozialstaat darf nicht rasiert werden, und er schadet auch nicht unserer Wirtschaft", betonte die Ministerin.
NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) hob auf einer Kundgebung in Lippstadt hervor: "Gute Arbeit ist nicht verhandelbar - sie ist die Basis unserer Gesellschaft."
Und NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sagte in Remscheid, gerade in der derzeit schwierigen wirtschaftlichen Situation komme es auf die Sozialpartnerschaft von Arbeitgebern und Arbeitnehmern an. "Denn nur gemeinsam können Betriebe und Beschäftigte gangbare Lösungen und gute Wege in die Zukunft finden", so Laumann.
"Tariftreuegesetz" reicht dem DGB nicht
Ein großes Thema bei den Kundgebungen war das sogenannte "Tariftreuegesetz", das kürzlich auf den Weg gebracht wurde. Demnach sollen Aufträge des Landes künftig nur an Unternehmen vergeben werden, die sich verpflichten, ihre Mitarbeiter nach den jeweiligen Branchentarifverträgen zu bezahlen. Die Gewerkschaften fordern das seit Jahren, um Tarifdumping zu verhindern.
Thorben Albrecht
Allerdings soll das neue Gesetz der Landesregierung nicht für die Aufträge gelten, die von den Städten und Gemeinden vergeben werden. "Dabei sind sie für rund 75 Prozent aller öffentlichen Aufträge in Nordrhein-Westfalen verantwortlich", kritisierte DGB-Landeschef Thorben Albrecht. Auch an anderer Stelle gebe es zu viele Ausnahmen in dem Gesetzentwurf.
Albrecht forderte am 1. Mai von Wüst und seiner Landesregierung mehr Engagement, um den Wirtschaftsstandort zu stärken. "Jeden Monat verschwinden in NRW mehrere tausend Arbeitsplätze in der Industrie." Das Land müsse die Firmen unterstützen, den Wandel hin zu einer grünen und digitalen Wirtschaft zu schaffen.
Arbeitgeber und Teile der Politik versuchten, den Beschäftigten die Schuld für die aktuelle Krise in die Schuhe zu schieben, beklagte der Gewerkschafter im Vorfeld.
Die Menschen sind nicht faul, sie erleben im Gegenteil, dass sie um ihre Arbeitsplätze bangen müssen. Thorben Albrecht, DGB-Landeschef
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagentur dpa
- WDR Gespräch mit Demo-Teilnehmern in Düsseldorf
- Beobachtungen des WDR-Reporters in Düsseldorf
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 01.05.2026, 15:30 Uhr
Sendung: WDR 2, WDR aktuell, 01.05.2026, 7:00 Uhr
