Mai-Kundgebungen zum Tag der Arbeit

WDR 03:45 Min. Verfügbar bis 01.05.2037

Mai-Kundgebungen in NRW Zehntausende demonstrieren am "Tag der Arbeit"

Stand:

Auf mehr als 70 Veranstaltungen forderten Gewerkschaften in NRW bessere Arbeitsbedingungen und mehr Gerechtigkeit ein.

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Christoph Wegener

Lange Protestzüge, lautstarke Kundgebungen und klare Forderungen: Am ersten Mai gingen heute in Nordrhein-Westfalen rund 100.000 Menschen auf die Straßen. Sie demonstrierten unter anderem für faire Jobs und soziale Sicherheit. Zu den Demonstrationen hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) aufgerufen. Unter dem Motto "Erst unsere Jobs, dann eure Profite" finden in NRW insgesamt 76 Veranstaltungen statt.

Frust bei den Beschäftigten sitzt tief

In zahlreichen Städten in NRW gab es Demonstrationszüge. Auch in Düsseldorf versammelten sich am Freitagmorgen mehr als 800 Menschen vor dem Hauptsitz des DGB NRW und zogen danach durch die Innenstadt.

Dabei hielten sie Banner und Plakate in die Luft auf denen Sprüche wie "Löhne rauf, Erben runter" oder "Unsere Zukunft statt eure Profite" standen.

Sabine Klünner demonstriert am Tag der Arbeit in Düsseldorf

Sabine Klünner demonstriert in Düsseldorf.

Viele der Demonstranten sind frustriert. "Wir Arbeitnehmer müssen endlich entlastet werden. Der Druck von oben nimmt immer weiter zu, es wird immer mehr eingefordert", sagt Sabine Klünner, die bei einem Verkehrsunternehmen arbeitet. "Es muss mehr Geld in die Infrastruktur und ins Personal investiert werden."

Neben der jungen Frau steht Max Schmidt. Er sieht aktuelle Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt und in der Politik kritisch.

"Ich mache mir große Sorgen. Der Acht-Stunden-Tag steht zum Beispiel zur Diskussion. An so etwas darf nicht gerüttelt werden." Max Schmidt, Gewerkschafter

Die Schuld an der aktuellen Wirtschaftskrise werde aus seiner Sicht den Arbeitnehmern zugeschoben. "Es wird immer behauptet, dass wir uns nicht genug anstrengen. Dabei arbeiten viele am Limit und können trotzdem kaum von ihrem Lohn leben, weil die Preise so stark steigen", betont Schmidt.

Max Schmidt war bei der Demo in Düsseldorf dabei

Max Schmidt ist bei der Demo in Düsseldorf dabei. Er macht sich Sorgen um den Arbeitsmarkt.

Wüst fordert Zusammenhalt

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) sprach sich bei der zentralen NRW-Kundgebung des DGB in Mülheim an der Ruhr für mehr Geschlossenheit aus.

"Ich bin überzeugt: Ein starkes Bündnis aus Gewerkschaften, Arbeitgebern und Politik kann eine Antwort geben auf den Frust und die Sorgen der Menschen", sagte der CDU-Politiker laut Redemanuskript. "Mir wird zu viel übereinander geschimpft. Das Geschimpfe auf die Arbeitgeber ist genauso falsch wie das Geschimpfe auf die Arbeitnehmer."

Tag der Arbeit: Demos für sichere Jobs und faire Löhne

Überall im Land sind am 1. Mai Menschen in NRW auf die Straßen gegangen und haben demonstriert. Das sind die stimmungsvollsten Bilder.

Am 1. Mai demonstrieren Menschen in Gelsenkirchen mit einem Plakat, auf dem „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“ zu lesen ist

Tag der Arbeit in NRW: Überall im Land sind Menschen auf die Straßen gegangen und haben demonstriert.

Hendrik Wüst (NRW-Ministerpräsident) bei seiner Rede in der Kundgebung des DGB Nordrhein-Westfalen zum 1. Mai

Die zentrale Kundgebung des nordrhein-westfälischen DGB fand in diesem Jahr in Mülheim an der Ruhr statt. Dort sprach NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU): "Ich bin überzeugt: Ein starkes Bündnis aus Gewerkschaften, Arbeitgebern und Politik kann eine Antwort geben auf den Frust und die Sorgen der Menschen", sagte er laut Redemanuskript.

Hendrik Wüst (NRW Ministerpräsident), Thorben Albrecht (Vorsitzender des DGB Nordrhein-Westfalen) und Marc Buchholz (Oberbürgermeister in Mülheim an der Ruhr) sitzen auf einem Tisch auf der DGB Kundgebung zum 1. Mai

Gemeinsam sitzen sie bei der Maikundgebung in Mülheim an der Ruhr an einem Tisch: NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU), der Chef des DGB in NRW, Thorben Albrecht und Mülheims Oberbürgermeister Marc Buchholz (CDU).

Demo Teilnehmer halten ein Banner von verdi

"Gemeinsam weiterkommen": In Düsseldorf zogen Teilnehmende einer Mai-Demonstration gegen Mittag durch die Stadt.

Sabine Klünner demonstriert am Tag der Arbeit in Düsseldorf

Sabine Klünner demonstriert in Düsseldorf. Die Rheinbahn-Mitabeiterin fühlt sich überfordert: "Wir Arbeitnehmer müssen endlich entlastet werden. Der Druck von oben nimmt immer weiter zu, es wird immer mehr eingefordert."

Eine Fahne vom DGB zum 1. Mai hängt an der Bühne in Siegburg

Eine Fahne des DGB hängt am 1. Mai an einer Bühne in Siegburg.

Rednerin Dorothee Feller, NRW-Bildungsministerin (CDU), am 01.05.2026 im Stadtgarten in Gelsenkirchen

NRW-Bildungsministerin Dorothee Feller (CDU) als Rednerin bei einer DGB-Kundgebung in Gelsenkirchen.

Max Schmidt war bei der Demo in Düsseldorf dabei

Max Schmidt war bei der Demo in Düsseldorf dabei. Er macht sich Sorgen: "Die Schuld an der aktuellen Wirtschaftskrise wird den Arbeitnehmern zugeschoben und behauptet, dass wir uns nicht genug anstrengen."

Lisa Boßmann ist am 1. Mai in Düsseldorf auf die Straße gegangen

"Es muss Priorität haben, die Arbeitsplätze in den Unternehmen zu sichern", fordert Lisa Boßmann, die am 1. Mai in Düsseldorf auf die Straße gegangen ist.

Zwei Besucher tragen Westen mit der Aufschrift "Arbeitskämpfer*in" auf dem Rücken

Zwei Besucher bei der DGB-Kundgebung in Siegburg tragen Westen mit der Aufschrift "Arbeitskämpfer*in" auf dem Rücken.

Eine Gruppe von Menschen marschiert beim 1. Mai Demo in Lüdescheid

In Lüdenscheid hatte die IG Metall zu einer Demo am 1. Mai aufgerufen.

Mehr als 1.000 Menschen bei der Abschlusskundgebung am 1. Mai 2026 auf dem Rathausplatz in Lüdenscheid

Mehr als 1.000 Menschen kamen zur Abschlusskundgebung am 1. Mai auf dem Rathausplatz in Lüdenscheid zusammen.

Tag der Arbeit in NRW: Überall im Land sind Menschen auf die Straßen gegangen und haben demonstriert.

Die zentrale Kundgebung des nordrhein-westfälischen DGB fand in diesem Jahr in Mülheim an der Ruhr statt. Dort sprach NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU): "Ich bin überzeugt: Ein starkes Bündnis aus Gewerkschaften, Arbeitgebern und Politik kann eine Antwort geben auf den Frust und die Sorgen der Menschen", sagte er laut Redemanuskript.

Gemeinsam sitzen sie bei der Maikundgebung in Mülheim an der Ruhr an einem Tisch: NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU), der Chef des DGB in NRW, Thorben Albrecht und Mülheims Oberbürgermeister Marc Buchholz (CDU).

"Gemeinsam weiterkommen": In Düsseldorf zogen Teilnehmende einer Mai-Demonstration gegen Mittag durch die Stadt.

Sabine Klünner demonstriert in Düsseldorf. Die Rheinbahn-Mitabeiterin fühlt sich überfordert: "Wir Arbeitnehmer müssen endlich entlastet werden. Der Druck von oben nimmt immer weiter zu, es wird immer mehr eingefordert."

Eine Fahne des DGB hängt am 1. Mai an einer Bühne in Siegburg.

NRW-Bildungsministerin Dorothee Feller (CDU) als Rednerin bei einer DGB-Kundgebung in Gelsenkirchen.

Max Schmidt war bei der Demo in Düsseldorf dabei. Er macht sich Sorgen: "Die Schuld an der aktuellen Wirtschaftskrise wird den Arbeitnehmern zugeschoben und behauptet, dass wir uns nicht genug anstrengen."

"Es muss Priorität haben, die Arbeitsplätze in den Unternehmen zu sichern", fordert Lisa Boßmann, die am 1. Mai in Düsseldorf auf die Straße gegangen ist.

Zwei Besucher bei der DGB-Kundgebung in Siegburg tragen Westen mit der Aufschrift "Arbeitskämpfer*in" auf dem Rücken.

In Lüdenscheid hatte die IG Metall zu einer Demo am 1. Mai aufgerufen.

Mehr als 1.000 Menschen kamen zur Abschlusskundgebung am 1. Mai auf dem Rathausplatz in Lüdenscheid zusammen.

Lars Klingbeil (SPD)

Lars Klingbeil in Bergkamen

In Bergkamen trat Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) ans Mikrofon. Er nahm die internationale Lage in den Blick und kritisierte den US-Präsidenten Donald Trump scharf.

"Er trägt jetzt die Verantwortung dafür, dass dieser Krieg im Iran schnell aufhört», sagte der Bundesfinanzminister. "Vor allem soll er dafür sorgen, dass die Belastungen, die durch seinen Krieg entstanden sind, nicht bei uns, bei den Arbeitnehmern, bei den Verbrauchern und in der Wirtschaft ankommen."

Klingbeil versicherte zudem, dass er den 1. Mai als Feiertag verteidigen werde. Damit bezog er sich auf Überlegungen, den "Tag der Arbeit" abzuschaffen.

Zahlreiche weitere Politiker äußern sich

Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) war bei der Demonstration in Duisburg vor Ort. "Der Sozialstaat darf nicht rasiert werden, und er schadet auch nicht unserer Wirtschaft", betonte die Ministerin.

NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) hob auf einer Kundgebung in Lippstadt hervor: "Gute Arbeit ist nicht verhandelbar - sie ist die Basis unserer Gesellschaft."

Und NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sagte in Remscheid, gerade in der derzeit schwierigen wirtschaftlichen Situation komme es auf die Sozialpartnerschaft von Arbeitgebern und Arbeitnehmern an. "Denn nur gemeinsam können Betriebe und Beschäftigte gangbare Lösungen und gute Wege in die Zukunft finden", so Laumann.

"Tariftreuegesetz" reicht dem DGB nicht

Ein großes Thema bei den Kundgebungen war das sogenannte "Tariftreuegesetz", das kürzlich auf den Weg gebracht wurde. Demnach sollen Aufträge des Landes künftig nur an Unternehmen vergeben werden, die sich verpflichten, ihre Mitarbeiter nach den jeweiligen Branchentarifverträgen zu bezahlen. Die Gewerkschaften fordern das seit Jahren, um Tarifdumping zu verhindern.

Thorben Albrecht

Thorben Albrecht

Allerdings soll das neue Gesetz der Landesregierung nicht für die Aufträge gelten, die von den Städten und Gemeinden vergeben werden. "Dabei sind sie für rund 75 Prozent aller öffentlichen Aufträge in Nordrhein-Westfalen verantwortlich", kritisierte DGB-Landeschef Thorben Albrecht. Auch an anderer Stelle gebe es zu viele Ausnahmen in dem Gesetzentwurf.

Albrecht forderte am 1. Mai von Wüst und seiner Landesregierung mehr Engagement, um den Wirtschaftsstandort zu stärken. "Jeden Monat verschwinden in NRW mehrere tausend Arbeitsplätze in der Industrie." Das Land müsse die Firmen unterstützen, den Wandel hin zu einer grünen und digitalen Wirtschaft zu schaffen.

Arbeitgeber und Teile der Politik versuchten, den Beschäftigten die Schuld für die aktuelle Krise in die Schuhe zu schieben, beklagte der Gewerkschafter im Vorfeld.

Die Menschen sind nicht faul, sie erleben im Gegenteil, dass sie um ihre Arbeitsplätze bangen müssen. Thorben Albrecht, DGB-Landeschef

Maikundgebungen

WDR 01.05.2026 00:21 Min. Verfügbar bis 30.04.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • Nachrichtenagentur dpa
  • WDR Gespräch mit Demo-Teilnehmern in Düsseldorf
  • Beobachtungen des WDR-Reporters in Düsseldorf

Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 01.05.2026, 15:30 Uhr
Sendung: WDR 2, WDR aktuell, 01.05.2026, 7:00 Uhr

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