Luftaufnahme der Zechensiedlung Teutoburgia

Seit Generationen Heimat: die Zechensiedlung Teutoburgia in Herne

Teutoburgia in Herne Eine Zechensiedlung zum Verlieben

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Rund 120 Jahre alt, noch sehr gut in Schuss und ein wahres Kleinod im Pott: Die Herner Zechensiedlung Teutoburgia bietet hübsche Häuser und Wohnungen im Stil der englischen Gartenstädte. Eine Heimat für mehrere Generationen.

"Das ist unser Nachtisch!" Mit 87 ist sich Renate Rode inzwischen relativ sicher: Ein bisschen Eierlikör hat noch nie geschadet. Gemeinsam mit ihren Herner Nachbarinnen, die bis auf zwei alle deutlich über 80 sind, sitzt die Rentnerin beim Kaffeetrinken im alten Lebensmittelladen.

Renate Rode und Inge Blankenhaus stehen vor dem Bürgerbüro

Renate Rode (links) und Inge Blankenhaus (rechts) vor dem Bürgerbüro

Wo sie früher Butter und Brot kaufen konnten, steht heute ein langer Tisch mit Kaffee und Kuchen. Die Bürgerinitiative hat das Häuschen für sich eingerichtet. Stilecht, mit allerlei Krimskrams aus dem Bergbau und einer Falltür für die Treppe zum Klo im Keller. "Da hat die Hilde früher immer die Bierkisten hochgeschleppt."

Rode hat noch immer alles genau vor Augen: "Hier war die Käsetheke und da hinten gab es Hefte und Stifte für die Kinder." Wenn Sie einmal ins Erzählen kommen, sind sie kaum zu stoppen. Die Frauen kennen sich teilweise seit Schultagen. Und eines war in der Siedlung immer top: die Nachbarschaft.

Leben in Teutoburgia: Seit 85 Jahren in der Siedlung

WDR 03:57 Min. Verfügbar bis 01.05.2028

Mehr als 100 Jahre Bergbaugeschichte in Herne

Die gesamte Arbeitersiedlung in Herne ist im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts in mehreren Bauabschnitten entstanden. Mehr als 130 Häuser und Straßenzüge im Stil einer Gartenstadt mit viel Grün und großen Gärten. Keimzelle war die Zeche Teutoburgia, deren Fördergerüst auch heute noch eine historische Landmarke bildet.

Siedlung Teutoburgia Herne

Von oben betrachtet sieht das aus wie ein großes U

Große Teile der denkmalgeschützten Siedlung gehören einem Wohnungsbaukonzern. Aber einige Häuser sind auch privatisiert. Ein besonderes Schmuckstück: der Teutoburgiahof. Hier schmiegen sich die Gebäude direkt aneinander.

Zechensiedlung Teutoburgia - Paradies für Kinder

Auch jetzt ist die Siedlung noch ein Ort direkter Nachbarschaft und ein kleines Paradies für Kinder, die hier über die wenig befahrene Straße und die Wiese toben. Tiana und Melina sind hier groß geworden. Die beiden zehnjährigen Freundinnen durchstreifen oft die Nachbarschaft, den angrenzenden Wald oder treffen sich auf dem Spielplatz.

Eine Luftaufnahme zeigt ein Zechengerüst inmitten von dicht stehenden Bäumen

Das Zechengerüst in Herne

Heute leuchten die Wagen der alten Grubenbahn bunt in der Nachmittagssonne. "Die haben wir mit meiner ganzen Klasse angemalt", sagt Melina und strahlt. Hätte sicher auch den Bergleuten gefallen. Das historische Fördergerüst nebenan erzählt von besseren Zeiten der Montanindustrie im Ruhrgebiet. Dabei war die Kohleförderung schon 1925 nach wenigen Jahren Betrieb wieder Geschichte.

Für den achtjährigen Jean ein großer Abenteuerspielplatz. Er war sogar schon mal auf dem Fördergerüst - ganz oben! "Ich bin einmal mit meiner Oma da hoch und dann hatte ich Höhenangst. Dass das einkracht und dann lebe ich nicht mehr." Aber der blonde Junge mit dem gelben Batman-T-Shirt blieb tapfer und konnte sich retten. "Dann sind wir wieder runtergegangen."

Zechensiedlung mit Klangkünstler

Christof Schläger ist Klangkünstler in der Siedlung Teutoburgia in Herne

Christof Schläger ist Klangkünstler in der Siedlung Teutoburgia in Herne

Unten öffnet jetzt Christof Schläger die Tür zur ehemaligen Maschinenhalle der Zeche. Plopp, zisch, puff. Plopp, zisch, puff. Ein kleines Maschinenkonzert ertönt. Dutzende von Schiffshörnern, Hunderte von Klingeln, Sträuße aus luftbetriebenen Röhren. All das baut Christof Schläger selber.

Der 68-jährige Klangkünstler hat die Maschinenhalle mit Freunden vor fast 40 Jahren aus einem Dornröschenschlaf erweckt. Seither macht er sich mit seinen melodischen Industrieklängen auch international einen Namen, hat schon die Häfen von Amsterdam oder Helsinki beschallt. Zur Kulturhauptstadt 2010 inszenierte Schläger am Rhein-Herne-Kanal ein Betonpumpenballett.

Teutoburgia: Künstler Christof Schläger experimentiert mit Industriegeräuschen

WDR 04:20 Min. Verfügbar bis 01.05.2028

Generationenleben in Teutoburgia: Warum Familien hier bleiben wollen

Manche Familien leben schon von Anfang an in der Siedlung. So wie Albrecht Schwarz. Als wir sein Haus anvisieren, tritt der 89-Jährige in die Szenerie: "Wat filmse mein Haus?", tönt es im Ruhrpottslang. Schwarz entpuppt sich aber als sehr angenehmer Zeitgenosse.

"Wir sind alle hier geboren - Oppa, Pappa und ich. Da im Zimmer und schlaf' heute noch drin!" Albrecht Schwarz, Bewohner der Teutoburgia-Siedlung

Andere ziehen heute gerne hier hin. Wie Jenny und Christian Anderle mit ihren drei Töchtern. Sie sind vor ein paar Jahren von Bochum nach Herne gezogen. Jenny Anderle hatte sich schon beim ersten Besuch in den Teutoburgiahof verliebt. Besonders freuen sich Anderles und viele ihrer direkten Nachbarn auch jetzt schon wieder auf den Herbst. Denn dann gibt es in Teutoburgia wahrscheinlich wieder ein richtig großes Halloweenfest.

Halloween in Teutoburgia

WDR 03:55 Min. Verfügbar bis 01.05.2028

Schon so ein bisschen leben und leben lassen - das ist wohl das Erfolgsrezept der Siedlung. Auch wenn hier natürlich nicht alle immer einer Meinung sind. Aber gerade das macht Teutoburgia so lebenswert.

Teutoburgia - Leben in der Zechensiedlung

WDR 04:14 Min. Verfügbar bis 01.05.2037

Unsere Quellen:

  • Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Ruhr, 29.04.2026, 19:30 Uhr

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