Ausweiskontrollen im Schwimmbad in Herne

WDR 02:14 Min. Verfügbar bis 11.03.2028

Krawall im Freibad Wie Herner Badegäste die neue Ausweiskontrolle finden

Stand:

Wer in Herner Bädern schwimmen will, muss ab Samstag den Ausweis mitbringen. Das sagen die Badegäste zu den verschärften Regeln.

Das Wasser schwappt an den Beckenrand, es riecht nach Chlor und ein kleiner Junge planscht in einem bunten Schwimmreifen. Rutsche, Liegewiese und Freibadpommes – all das gibt es in den drei Bädern in Herne ab Samstag nur noch mit Personalausweis.

"Wer keinen Ausweis hat, wird direkt nach Hause geschickt", sagt Marle Wagner, Sprecherin der Herner Bädergesellschaft. Das gilt ab dem 30. Mai für alle Badegäste ab 16 Jahren, die ins Lago, Wananas oder Südpool wollen. "Gerade wenn es so voll ist wie jetzt am Wochenende, können die Gemüter schon mal hochkochen", erklärt sie.

Schwimmmeister Fabian Klingberg vor dem Außenbecken im Herner Schwimmbad

Schwimmmeister Fabian Klingberg befürwortet die Ausweiskontrollen im Wananas

Bisher musste das Personal immer die Polizei rufen, wenn sich Badegäste daneben benommen haben. "Jetzt können wir Hausverbote viel besser durchsetzen, weil dann schon am Eingang die Personalien aufgenommen werden." Das solle auch eine abschreckende Wirkung haben.

Wer sich in Bädern daneben benimmt, bekommt Hausverbot

Schwimmmeister Fabian Klingberg begrüßt die schärferen Sicherheitsmaßnahmen. Er hatte an Pfingstmontag Dienst. "Das war wirklich turbulent und brechend voll", sagt er. "Jeder baut mal Mist. Aber wenn man Badegäste immer wieder ermahnt und die einen einfach ignorieren, das geht an so vollen Tagen einfach nicht."

Fehlverhalten könne auch gefährlich werden, weil die Schwimmmeister den Überblick verlieren könnten, sagt Klingberg und nickt mit dem Kopf in Richtung Becken. "Am Wichtigsten ist aber, dass die Menschen, die hier herkommen, sich wohl und sicher fühlen", sagt er.

Aggressive Badegäste tanzen Schwimmmeister "auf der Nase rum"

Das schütze im Endeffekt auch das Personal. Denn gerade an der Kasse könne es bei langen Wartezeiten schon einmal hitzig werden, so wie am Wochenende. "Es war echt allerhöchste Zeit, dass so eine Regel eingeführt wird", sagt Marion Raucamp. Sie liegt gerade auf einer Liege in der Sonne. Am Sonntag war sie mit ihren Enkeln im Wananas und hat den Trubel mitbekommen.

Marion Raucamp will Konsequenzen aus den Ausweiskontrollen im Herner Schwimmbad sehen

Marion Raucamp erhofft sich von den Kontrollen, dass es Konsequenzen für die Badegäste gibt, die sich daneben benehmen.

"Es ist wirklich fürchterlich, was in Freibädern abgeht, die tanzen den Bademeistern auf der Nase rum", sagt sie. Sie erhofft sich, dass die Ausweiskontrollen konsequente Strafen ermöglichen. "Ich hatte eine Situation in der Dusche und einige Mädels haben da gefilmt, obwohl ich gerade nackt war", sagt sie.

Sie habe sich zwar unwohl gefühlt, den Vorfall aber nicht gemeldet. Das wäre durch die neue Regel nun jedoch auch im Nachhinein möglich. Auch Bärbel Rottmann aus Recklinghausen, die gerade mit einer blauen Poolnudel durchs Wasser dümpelt, fühlt sich durch die Kontrollen sicherer.

"Manche sind schon echt aggressiv, da bekommt man Angst", sagt sie. Karl-Heinz Weier aus Wanne-Eickel hingegen bezweifelt, dass die Ausweiskontrollen etwas bringen. "Vielleicht sollte man besser direkt Taschenkontrollen machen und zum Beispiel auf Messer prüfen", sagt er und stützt sich am Beckenrand ab.

Angst vor längeren Wartezeiten im Wananas

Etwas weiter hinten im Becken planscht gerade Christin Mundt mit ihrem sechsjährigen Sohn. "An sich finde ich die Kontrollen gut, aber man wartet jetzt schon echt lange, wenn es voll ist", sagt sie.

"Traurig, dass solche Kontrollen in Herner Bädern überhaupt nötig sind." Badegast Christin Mundt aus Oer-Erkenschwick

Die Herner Bädergesellschaft will verhindern, dass es längere Wartezeiten gibt. "Die Security soll den Menschen schon in der Schlange sagen, dass sie ihre Ausweise bereit halten sollen und die ohne Ausweis wegschicken", sagt Wagner.

Christin Mundt im Schwimmbecken des Herner Schwimmbads

Christin Mundt macht sich Sorgen um längere Wartezeiten am Eingang

Vor zwei Jahren, als Essen Ausweiskontrollen in seinen Bädern einführte, hatte die Bädergesellschaft Herne noch gesagt, das sei in Herne nicht nötig. Die Sicherheitslage habe sich seitdem nicht verschlechtert, sagt Sprecherin Wagner. Allerdings habe man gesehen, dass in Städten wie Essen oder Berlin das Konzept gut funktioniere und wolle jetzt nachziehen.

Weniger Polizeieinsätze in Essener Bädern seit Ausweiskontrollen

"Wir haben mit der Ausweispflicht von Anfang an gute Erfahrungen gemacht", sagt die Essener Stadtsprecherin Silke Lenz. Die Ausweiskontrollen, die es seit dem 01. Juni 2024 gibt, würden gut von den Badegästen angenommen. Auch die Zahlen würden zeigen, dass sich die Kontrollen bewähren.

In der vergangenen Saison habe es in den Bädern in Kettwig, der Oststadt und auch im Grugabad weniger Polizeieinsätze gegeben und auch Hausverbote hätten nicht so oft ausgesprochen werden müssen. Außerdem lässt Essen seit dieser Saison auch stichprobenartig Taschen kontrollieren. Auf Messer, Glasflaschen und alles, was nicht ins Freibad gehöre.

Während die Essener Bäder durch das Sicherheitspersonal Zusatzkosten von rund 150.000 Euro haben, entstehen in Herne nach Angaben der Bädergesellschaft keine zusätzlichen Kosten, da die Security an heißen Tagen ohnehin arbeite. Die Ausweiskontrolle selbst erfolge beim Bezahlen an der Kasse.

Ausweiskontrollen im Herner Schwimmbad

WDR 27.05.2026 00:22 Min. Verfügbar bis 26.05.2028

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Unsere Quellen:

  • Gespräche mit Badegästen im Wananas
  • Interview mit Schwimmmeister Fabian Klingberg
  • Interview mit Marle Wagner, Bädergesellschaft Herne
  • Interview mit Silke Lenz, Stadt Essen

Sendung: WDR 2 Rhein und Ruhr, Lokalzeit, 27.05.2026, 12:32 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Uhr, 27.05.2026, 19:30 Uhr

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